In dieser Woche habe ich mich auf der Wiesn mit vier sehr alten Schulfreunden getroffen. Wir kennen uns seit über 30 Jahren und sehen uns jedes Jahr einmal auf dem Münchner Oktoberfest. Das Thema Finanzkrise hat unsere Runde diesmal weitaus weniger beschäftigt als in früheren Jahren. Ein schlechtes Zeichen, das darauf hindeutet, dass sich wieder Sorglosigkeit breit macht. Dabei ist es kein Wunder, dass meine Kumpels glauben, die Krise sei ausgestanden. Nicht nur sie wurden weichgespült durch Politik und Massenmedien, die nicht müde werden, das Ende aller Probleme herbeizureden.

Wenn man dem entgegnet, die Krise sei beileibe nicht vorbei, sondern lege nur eine Pause ein, ausgelöst durch die Geldflut der Notenbanken, dann erntet man jetzt wieder jenes mitleidige Lächeln, das man als Warnsignal verstehen darf: Antizyklisch agierende Anleger wissen, dass die Lage umso gefährlicher wird, je sorgloser die Masse ist. Meine Schulfreunde, die allesamt von der Börse wenig bis gar keine Ahnung haben, werden es mir nicht übel nehmen, wenn ich ihre Äußerungen deshalb als Kontra-Indikator werte.

Und siehe da, es hat dann auch nur wenige Stunden gedauert, bis die amerikanische Notenbank durchblicken ließ, dass die Lage doch nicht ganz so rosig ist, wie das zuletzt immer wieder dargestellt wurde. Am Rande der Notenbanksitzung vom Dienstagabend hat die Fed zugegeben, dass es der US-Wirtschaft deutlich schlechter geht, als bisher angenommen. Die Schlussfolgerung der Notenbank hat den Börsianern allerdings nicht gefallen: Deflation, ein Preisrückgang auf breiter Front also, mit dramatischen Folgen für die US-amerikanische Wirtschaft, liegt nach Meinung der Fed jetzt wieder im Bereich des Möglichen. Überraschend ist das allerdings nur für diejenigen, die den Sirenengesängen der vergangenen Monate verfallen waren.

Bewährte Mittel...?
Wie zu erwarten, will die Notenbank die Probleme mit den altbekannten Mitteln bekämpfen: Um ein Abgleiten in eine Deflation zu verhindern, will sie wieder Staatsanleihen aufkaufen. Die Gegenmaßnahmen sollen aber nicht sofort ergriffen werden, sondern erst, wenn sich die Inflationsrate wieder abgeschwächt hat.

Zur Erinnerung: Noch nie in der Nachkriegsgeschichte waren die Zinsen in den USA über einen so langen Zeitraum so niedrig wie heute. Dass die Konjunktur, insbesondere aber der Arbeitsmarkt und auch der Immobilienmarkt in den Vereinigten Staaten dennoch nicht auf die Beine kommen, ist ein Warnsignal, bei dem bei jedem Anleger eigentlich sämtliche Alarmglocken klingeln müssten. Dass sie es nicht tun, ist größtenteils das „Verdienst“ von Medien, Politik und den Vertretern der Finanzwirtschaft, die den Menschen mit Beschwichtigungen, falschen Informationen und Vertuschungen Sand in die Augen streuen.

Dass die in den Krisenmonaten des Jahres 2008 vollmundig angekündigten Finanzmarktreformen reine Luftblasen waren, und dass sich seither rein gar nichts geändert hat, das zeigen einige aktuelle Entwicklungen. So sind etwa die Bonuszahlungen für Spitzen-Manager der 100 größten Unternehmen nach Angaben der Financial Times wieder auf Vorkrisenniveau angekommen.

Nach einer aktuellen Untersuchung lag das Bonusniveau bei 100 Prozent des Basisgehaltes, bei den 30 größten Firmen sogar bei 140 Prozent. Eine Steuer auf Bonuszahlungen war am Veto der Banken gescheitert, die sich unterdessen wieder ganz wie zu Vorkrisenzeiten ungeniert mit ihren Zockereien die Taschen füllen, wie die folgende Abbildung zeigt.

Sogar die Manager der unter staatliche Obhut gestellten Hypo Real Estate (HRE) hatten kürzlich Bonuszahlungen in Höhe von 25 Millionen Euro eingesackt. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL hätten Mitarbeiter der verstaatlichten Bank auf alte Zusagen bestanden und mit Klagen gedroht. Vor dem Hintergrund wohlgemerkt, dass die HRE allein im Jahr 2009 ein Minus von 2,2 Milliarden Euro eingefahren hatte. Die Herrschaften, die hier jetzt wieder ungeniert die Hand aufhalten, werden sich noch wundern, was Volkes Zorn anrichten kann, wenn er sich erst einmal Bahn bricht.

Schon vor zwei Jahren hatte ich meine Schulfreunde gewarnt, auch ein Konzern wie die Deutsche Bank könne im Zuge der Finanzkrise pleite gehen. Zu dieser Aussage stehe ich nach wie vor. Ein nachhaltiger Vertauensverlust, bei dem die Sparer ihr Geld von der Bank holen, würde ausreichen, um Deutschlands größtes Finanzinstitut innerhalb weniger Tage in die Insolvenz zu schicken.

Dabei hat der Konzern auch so schon genügend Probleme. In dieser Woche hatte das Unternehmen vor einem Verlust im dritten Quartal gewarnt. Grund sei die geplante Übernahme der Postbank. Ein Blick auf den Kursverlauf macht deutlich, dass die Meldung einiges in Bewegung gebracht hat. Eine wichtige Unterstützungslinie wurde bei hohen Umsätzen nach unten durchbrochen. Bei diesem Chartbild kann man jetzt durchaus auf die Idee kommen, über ein Short-Engagement demnächst an weiter fallenden Kursen zu profitieren. Sollte nun auch noch die Marke von 40 Euro fallen, könnten hier alle Dämme brechen:

Wie man es auch dreht und wendet: An Gold und Silber zur Vermögensabsicherung führt bis auf Weiteres kein Weg vorbei. Leider sind die Zeiten bei den Edelmetallen aber nicht mehr so entspannt wie noch vor einigen Jahren, als man sich ganz gemütlich und zu Tiefstpreisen mit den Pretiosen eindecken konnte. Als ich diese Zeilen schreibe, kratzt der Goldpreis an der Marke von 1.300 US-Dollar je Feinunze. Es ist recht teuer geworden, ein Goldfan zu sein – oder aber sehr einträglich. Das hängt ganz davon ab, wie lange man schon dabei ist.

Insbesondere die Entwicklung beim Silber ist interessant. Die 21 US-Dollar je Feinunze scheinen überwunden, jedenfalls für den Moment. Wer sich daran erinnert, dass Silber noch vor nicht allzu langer Zeit im Bereich von fünf bis sechs US-Dollar notierte, dem erscheint das vielleicht teuer. Das kann man allerdings auch ganz anders sehen:

Silber kommt unter der Erdoberfläche etwa 17-mal häufiger vor als Gold. Über viele Jahrhunderte war Gold ungefähr 15-mal so teuer wie Silber. Ausgehend von einem Goldpreis in der Gegend von 1.200 US-Dollar je Unze liegt der historisch gesehen „faire“ Silberpreis demnach bei ungefähr 80 US-Dollar je Unze.

Das ist schon eine Hausnummer, vor allem, wenn man berücksichtigt, dass Silber anders als Gold bei zahlreichen industriellen Anwendungen verbraucht wird. Allerdings werden die Bäume auch hier nicht in den Himmel wachsen. In der kommenden Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs werden wir hierzu einige sehr aufschlussreiche Beobachtungen veröffentlichen.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de