Berlin (Godmode-Trader.de) - Die Abschaltung der letzten Atommeiler in Deutschland führt nicht zu Versorgungsengpässen. Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle Modellrechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). „Wenn die letzten sechs Kernkraftwerke bis Ende 2022 vom Netz gehen, hat dies keine nennenswerten Auswirkungen auf die Stromkapazitäten insgesamt, die Lichter in Deutschland werden nicht ausgehen“, sagt Studienautorin Claudia Kemfert. Im Gegenteil: Die Abschaltung ebne den Übergang zum überfälligen Ausbau der erneuerbaren Energien. „Kernenergie war von Anfang an unwirtschaftlich und geprägt von nicht kalkulierbaren Risiken.“

Das Problem ist nur: Neben der Kernenergie hat die Politik in Deutschland auch beschlossen, aus der Kohle auszusteigen, um die sich auferlegten Klimaschutzziele zu erreichen. Ist damit die Energiesicherheit der deutschen Volkswirtschaft gefährdet?

Das Unterfangen trägt die deutsche Industrie im Grundsatz mit, kritisiert aber, dass sich die Politik zur Energiezukunft Deutschlands nicht auf konkrete Schritte festlegt. Auf dem Klimakongress des Industrieverbands BDI am Dienstag wurde ein „Fünf-Punkte-Plan zur Energie- und Klimapolitik für die Koalitionsverhandlungen“ vorgelegt. Dem BDI zufolge muss die Regierung „sehr rasch“ klarstellen auf welche Weise Deutschland bis 2045 kohlendioxidneutral werden soll. Es sei nötig, die Klimaziele zu erreichen und zugleich „Deutschland als Export-, Industrie- und Innovationsland zu erhalten“. Zugegeben ein schwieriger Spagat, doch der BDI hat genaue Vorstellungen, wie sich das Ziel erreichen lässt:

Bis 2030 müssen demnach Investitionen von mehr als 850 Mrd. Euro getätigt werden. In die Netze für Strom, Wasserstoff, Fernwärme, in die Lade- und Wasserstoffinfrastruktur sowie in moderne Verkehrswege sollten 145 Mrd. Euro gesteckt werden. Daneben verlangt die Industrie Entlastungen für kohlendioxidneutrale Energieträger. Solange die Preise für Ökostrom oder grünen Wasserstoff höher seien als für Erdgas samt CO2-Preis, sei die Umstellung nicht wettbewerbsfähig, moniert der Verband. Um das auszugleichen, fordert der BDI den Abbau der EEG-Umlage sowie Zuschüsse zu den Entgelten für die Stromübertragungsnetze. Für energieintensive Betriebe müsse es Betriebskostenzuschüsse geben. Erdgas soll in die EU-Liste für förderfähige Energieträger mit aufgenommen werden.

Die Vorstellungen der Industrie decken sich in Teilen mit denen der Deutschen Energie-Agentur Dena. Diese appelliert ebenfalls an die kommende Regierung und listet „14 Maßnahmen zur schnellen und wirkungsvollen Entfesselung der deutschen Energie- und Klimawende“ auf. So soll die EEG-Umlage fallen, Genehmigungen beschleunigt, Bürokratie abgebaut werden. Die Stromsteuer soll an den CO2-Ausstoß gekoppelt werden, die Solarenergie müsse mit verschiedenen Maßnahmen massiv ausgebaut werden.

Während Wirtschaftsverbände und Politik um die Details auf dem Weg zur Klimaneutralität kämpfen, schaffen Energieunternehmen Fakten. So will RWE schneller grüner werden als bislang gedacht. Entsprechend hat sich das Unternehmen neue Ziele zum Ausbau von Alternativen Energien bis zum Ende des Jahrzehnts gesetzt - Milliarden-Investitionen inklusive. Während bislang jährlich 1,5 Gigawatt Windkraft und Solar-Anlagen zugebaut werden sollten, sind es nun bis 2030 2,5 Gigawatt pro Jahr.