Peking (Godmode-Trader.de) - Der hoch verschuldete chinesische Immobilienriese Evergrande steht einmal mehr vor der Zahlungsunfähigkeit. Das Unternehmen warnte, nach einer Überprüfung möglicherweise nicht über genügend Finanzmittel zu verfügen, um fällige Verbindlichkeiten bedienen zu können.

Der Konzern teilte zudem mit, dass es aktiv mit den Offshore-Gläubigern an einem Umstrukturierungsplan arbeite. Insidern zufolge will Evergrande dabei all seine US-Dollar-Anleihen in die Umstrukturierung seiner Kreditlasten einbeziehen. Dabei gehe es um Papiere, die der Konzern und seine Sparte Scenery Journey ausgegeben hätten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die vorgesehene Umschuldung betreffe Anleihen im Umfang von 260 Mio. US-Dollar. Bei zwei Anleihen von Scenery Journey müsste Evergrande an diesem Montag Zinsen bezahlen. Wenn dies nicht gelingt, könnte der Konzern erstmals einen Zahlungsausfall am Anleihemarkt auslösen.

Zahlreiche Erklärungen chinesischer Aufsichtsbehörden - von denen einige nur wenige Minuten nach Evergrandes Ankündigung veröffentlicht wurden - zielen darauf ab, die Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt, das Finanzsystem und die Wirtschaft im Allgemeinen herunterzuspielen. Die Zentralbank PBoC führt die Probleme von Evergrande vor allem auf „Missmanagement und die halsbrecherische Expansion" zurück. Es sei ein „Einzelfall", der wenig Auswirkungen auf den Markt haben werde.

Die Regierung von Guangdong, der Provinz, in der Evergrande seinen Sitz hat, lud den Gründer Hui Ka Yan vor und erklärte, eine Abordnung zur Überprüfung des Risikomanagements in das Unternehmen zu schicken.

Zuletzt gab es mehrere Wochen relative Ruhe rund um die Schulden-Affäre, seitdem Evergrande Ende Oktober auf Drängen Pekings Last-Minute-Zahlungen auf seine Dollar-Anleihen geleistet hatte. Die Erklärungen von vergangenen Freitag deuten nun aber darauf hin, dass das am höchsten verschuldete Bauunternehmen der Welt Schwierigkeiten haben könnte, weitere Zahlungen innerhalb der tilgungsfreien Zeit zu leisten, selbst nach einer Reihe von Verkäufen von Vermögenswerten.

Die Zentralbank Chinas griff am Montag der heimischen Bankenbranche unter die Arme. Die PBoC kündigte an, die Sätze für Reserven zu senken, die Geldhäuser zu Sicherheitszwecken vorhalten müssen. Der Mindestreservesatz soll per 15. Dezember um 0,5 Punkte auf 11,5 Prozent sinken. Damit würde Liquidität von etwa 1,2 Bio. Yuan (170 Mrd. Euro) freigegeben.