• EUR/USD - Kürzel: EUR/USD - ISIN: EU0009652759
    Kursstand: 1,02570 $ (FOREX) - Aktueller Kursstand

- Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB refinanzieren können, wurde von 0,25 % p.a. auf kaum noch nennenswerte 0,15 % p.a. gesenkt.

- Gleichzeitig wurde ein “Strafzins” von -0,10 % p.a. auf Guthaben von Geschäftsbanken bei der EZB eingeführt (zuvor: 0,00 % p.a.). Dieser negative Einlagensatz betrifft die so genannte Überschussliquidität; das sind die Guthaben, welche die zwingend erforderliche Mindestreservehöhe überschreiten. Der Mindestreservesatz ist eine Größe, die von der EZB festgelegt wird. Der Satz liegt aktuell bei 1 %. Bei Kreditvergabe von 100 TSD EUR muss eine Bank also eine Mindestreserve von 1000 EUR bei der EZB hinterlegen.

- Mittels eines Instruments namens "TLTRO" (Targeted Long Term Refinancing Operation) werden Banken mehr oder weniger zweckgebundene Mittel (Zweck=Kreditvergabe an Unternehmen und Privatpersonen) in hohem Volumen (anfangs 400 Mrd. EUR) zur Verfügung gestellt

Was sollen die eingeleiteten Maßnahmen bringen?

Ziel 1:Die EZB will die Kreditvergabe wieder in Gang bringen, die insbesondere in den Krisenstaaten ins Stocken geraten ist. Die dortigen Banken haben immer noch bilanzielle Probleme, die potenziellen Schuldner sind häufig von schlechter Bonität und die Kreditnachfrage ist auch im Privatsektor nicht hoch – schließlich herrscht signifikante Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftsaktivität hat sich zwar gefangen, verharrt aber auf eher bescheidenem Niveau.

Ziel 2: Die Inflationsrate sank zuletzt auf 0,5 % p.a. und soll wieder in Richtung der Zielgröße der EZB von knapp unter 2 % gehievt werden. Je höher die Inflation, desto höher das nominale BIP, desto geringer die Staatsverschuldung inRelation zum BIP.

Ziel 3: Schwächung des Euro gegenüber USD und JPY und damit Stärkung der Exportbranche.

Krisenstaaten müssen ihre Hausaufgaben machen

Viele strukturelle Probleme sind noch ungelöst und in dem Maße, wie die Krisenstaaten sich durch die Zinspolitik der EZB wieder deutlich billiger finanzieren können, schrumpft auch der Wille zu Reformen und zu dringend nötigen Einsparungen im Staatshaushalt. Die Regierungschefs von Italien und Frankreich, in der Eurozone wirtschaftlich Nummer 2 und 3 hinter Deutschland, rufen schon halbstark das Ende der Sparpolitik aus. Bei jährlichen Haushaltsdefiziten von über 3 % des BIP muss man sich allerdings fragen, ob die Sparpolitik überhaupt schon begonnen hat. Die EZB macht sich durch ihre ultralockere Geldpolitik zum (unfreiwilligen?) Komplizen der reformunwilligen Kräfte in Europa, weil sie den Druck zum Handeln nimmt.

Deutsche Sparer werden teilenteignet

Die Schattenseiten der Niedrigzinspolitik sind mannigfaltig. Eine offensichtliche Folge sind extrem geringe Guthabenzinsen, die den fleißigen Sparer de facto bestrafen. Die Deutschen sind hier ganz besonders betroffen. Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland betrug Ende 2013 über 5,15 Bio. EUR. Mehr als 70 % lagern auf Girokonten, Sparbüchern, Tagesgeldkonten etc. Die Lebensversicherungen, bisher eines der Lieblingsanlagevehikel deutscher Sparer, haben auf Dauer extreme Mühe, eine nennenswerte Verzinsung zu erzielen, da sie überwiegend in Anleihen investieren. Sie sitzen aktuell zwar auf ordentlichen Buchgewinnen, weil die gekauften Anleihen durch die gesunkene Rendite im Kurs stiegen, aber mittel- und langfristig betrachtet, tritt der gegenteilige Effekt ein.

Es ist durchaus angemessen zu behaupten, dass die deutschen Sparer indirekt einen großen Teil zur Eurorettung beitragen – nicht ganz freiwillig.

Gefährliche Förderung des Ungleichgewichts

Ein weiterer verstörender Nebeneffekt der ultralockeren Geldpolitik ist die Tatsache, dass extrem niedrige Zinsen tendenziell dazu führen, dass Vermögenswerte stark im Wert steigen. Dies ist insbesondere bei Aktien und Immobilien der Fall. Da die Eigentümer in der Regel eher zum wohlhabenderen Teil der Bevölkerung gehören, handelt es sich hier zum Teil um eine Umverteilung von unten nach oben. Natürlich kann es auch Wohlhabende geben, die nur Cash halten. Diese sind dann ebenso betroffen. Die persönliche Freiheit hinsichtlich der Vermögensdisposition – in welcher Form halte ich mein Vermögen – ist dadurch stark tangiert bzw. manipuliert.

Gefahr: neue Finanzkrisen

Die Blasenbildung bei Aktien, Immobilien und Anleihen (auch und insbesondere Hochzinsanleihen = Junk Bonds) führt zu neuen Instabilitäten und beherbergt die Gefahr, dass kurz nach Bewältigung der jüngsten Krise schon die nächste ausbricht. Dazu muss man im Hinterkopf behalten, dass die Finanzkrise 2008 ihren Ursprung nahm in einem heißgelaufenen US-Immobilienmarkt und damit in Zusammenhang stehenden Kreditverbriefungen.

Das beherrschende Paradigma der Notenbanken ist schwer zu halten

Zunächst ist festzuhalten: Die EZB agiert nicht alleine, sondern im Konzert mit den wichtigsten Notenbanken der Welt, allen voran der US-Fed und die Bank of Japan (BoJ). Eine Abstimmung ist zwingend erforderlich, damit es nicht zu drastischen Verwerfungen bei den Wechselkursen kommt.

Alle zusammen hängen einem Paradigma an, das wohl nicht mehr aufrecht zu erhalten ist: Sie wollen die Inflationsrate über die Geldpolitik steuern, und sie bestehen auf einer positiven Rate von rund 2 % p.a. Es gibt aber weltweit (besonders in Asien) große industrielle Überkapazitäten, die typische Konsumgüter tendenziell im Preis fallen lassen.

Der klassische Bereinigungsweg wäre, die Überkapazitäten abzubauen. Ultraniedrige Zinsen führen aber sogar eher noch zum Kapazitätsausbau, weil es sehr günstig ist, z.B. Fabriken zu bauen oder Maschinen zu kaufen. Da sich die Zentralbanken an einem statistischen Warenkorb orientieren, der sowohl aus in beliebigen Mengen herstellbaren Konsumgütern besteht als auch aus nicht beliebig vermehrbaren Dienstleistungen (man denke z.B an die Miete – Wohnraum ist endlich), kommt es zu folgendem Effekt: Werden die einen Güter immer billiger, MÜSSEN die anderen Dienstleistungen im Warenkorb teurer werden, damit die Inflationsrate im Sinne der Notenbanken “passt”. So werden fortlaufend die relativen Preise in einem Ausmaß manipuliert, das nicht der realen Präferenz der Marktteilnehmer entspricht.

Alternativen für EZB, Fed und BOJ – und die Regierungen

Die ultralockere Geldpolitik hat zwar einige positive Seiten (realer Teilentschuldungseffekt), je länger sie anhält, desto desaströser sind aber die Nebenwirkungen. Sie entmutigt Sparer und fördert damit eine Haltung, die die eigene Vorsorge für das Alter nicht mehr ernst nimmt. Angesichts der demografischen Entwicklung ist das katastrophal.

- Die Zentralbanken sollten 6 Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise in einem ersten Schritt signalisieren, dass Zinsen nahe null eine absolute Ausnahme waren. Ein neutrales Zinsniveau liegt eher bei 3 % als bei 0 %. Alle großen Zentralbanken der Welt sollten gemeinsam einen ersten kleinen Zinsschritt nach oben wagen. Er muss ohnehin früher oder später folgen.

- Das Inflationsziel von 2 % sollte anschließend überdacht werden. 2 % Inflation pro Jahr führen zu einer Verdopplung des Preisniveaus alle 35 Jahre. Es ist nicht nachvollziehbar, wie die EZB dies als Geldwertstabilität definieren kann. Es handelt sich tatsächlich um Geldentwertungsstabilität. Die Angst vor Deflation erscheint arg übertrieben. Insbesondere ist eine schier unendliche Abwärtsspirale von fallender Nachfrage und fallenden Preisen völlig unrealistisch.

- Das Verschuldungsproblem kann auch anders als über Inflation gelöst werden. Genannt werden muss hier zu allererst die Steuerpolitik. Bei der Gelegenheit müssen dringend himmelschreiende Ungerechtigkeiten beseitigt werden. Warum z.B. der Gewinn aus dem Verkauf von Immobilien nach 2 (selbstgenutzt) bzw. 10 (vermietet) Jahren steuerfrei bleibt, während Aktienverkäufe immer steuerpflichtig sind, ist insbesondere angesichts des Immobilienbooms, der sicherlich nicht auch noch steuerlich angeheizt werden muss, nicht annähernd nachzuvollziehen.

- Außerdem müssen die Staaten lernen, mit ausgeglichenen Haushalten auszukommen. In Europa ist auf eine strikte Einhaltung der Maastricht-Kriterien zu achten.

Für den Anleger: Was kann man tun?

Nicht nur bei der EZB macht sich Verzweiflung breit – wie soll man sich verhalten, wenn man Geld anlegen möchte?

- Die eigene Immobilie macht immer Sinn, wobei die stark gestiegenen Preise schon zur Vorsicht mahnen. Wenn man aber ohnehin selber das neue Haus bewohnen möchte, spielen auch andere Aspekte eine Rolle, z.B. die Zufriedenheit mit der Wohnsituation. Es ist also immer noch sehr überlegenswert, in Deutschland zu kaufen, zumal die Nachfrage durchaus weiter auf hohem Niveau bleiben dürfte, schließlich liegt die Eigentümerquote in Deutschland nur bei etwas über 40 %. In den Krisenstaaten lebt ironischerweise die große Mehrheit in den eigenen vier Wänden.

- Der Aktienmarkt ist in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Man muss sich dessen bewusst sein, dass schon viel Positives in den “Kursen eskomptiert” ist, wie Börsianer es nennen. Sprich: Es ist ja nichts neues, dass die Zinsen niedrig sind – diese Information ist somit in den Kursen enthalten. Wir bei GodmodeTrader.de favorisieren für das Timing des Ein- und Ausstiegs die Methode der “Technischen Analyse”, die das tatsächliche Verhalten der Marktteilnehmer anhand des Kursverlaufs analysiert. Mein Kollege in der Chefredaktion Thomas May sieht die Rally im DAX bei Kursen unter 9530 für die nächsten Monate beendet an, hat aber vorher Kursziele von 10.100 und 10.240.

- Edelmetalle sind schon seit über 2 Jahren deutlich unter Druck. Es kann sicher nicht schaden, ein wenig Gold und/oder Silber physisch zu halten, aber ein Blick auf den Chart zeigt klar, dass die Hausse tot ist. Es kann viele Jahre dauern, ehe wieder wirklich goldige Zeiten anbrechen. Man muss aber auch dazu sagen, dass die vorangegangene Aufwärtsbewegung extrem übertrieben war. Insofern kann man die Bewegung nach unten auch als notwendige Korrektur auffassen.

- Ansonsten: Cash halten, aktiv an der Börse traden, und bloß nicht den Ratschlag von Altmeister Kostolany beherzigen: Aktien kaufen und daraufhin Schlaftabletten nehmen: Sonst wacht man womöglich bei einem DAX-Stand von 6000 wieder auf und fragt sich, was aus der Aktienhausse geworden ist!