Jakob Penndorf: Hallo Oliver, auf deinem Guidants-Expertendesktop stellst Du regelmäßig Analysen und Tradingideen zu verschiedenen Basiswerten, Indizes, Währungen, aber vor allem zu Edelmetallen vor. Was dürfen die Guidants-Nutzer auf deinem Desktop und in deinem Stream erwarten?

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    Oliver Dolezel: Was der Nutzer daneben auch erwarten kann, ist, dass regelmäßig Aktien vorgestellt werden. Im Stream ist ersichtlich, dass oft lukrative Einzelwerte aus diversen Branchen vorgestellt werden. Ich selektiere sehr gerne und suche mir lukrative Einzelwerte raus die den Markt outperformen könnten anhand diverser Kriterien.

    JP: Du setzt COT-Daten als Analysewerkzeug ein. Beschreibe doch deine Vorgehensweise etwas genauer...

    OD: Aus den verschiedenen Rohstoffen und Währungspaaren werden zuerst die Werte rausgefiltert, bei denen mittel- bis langfristige Extremwerte vorherrschen. Es ist wichtig zu wissen, dass die CoT-Daten nicht bei allen Rohstoffen und Währungspaaren die gleiche Zuverlässigkeit haben. Es gibt aber einige Möglichkeiten und Werkzeuge die einem dabei helfen, die lukrativsten Werte mit Hilfe der Daten der CFTC zu identifizieren. Beispielsweise gehört hier dazu, dass die Daten der CFTC nicht nur in Form eines zusammenfassenden Charts betrachtet werden, sondern dass die detaillierten Berichte untersucht werden. Soviel zu den CoT-Daten. Sobald ein Wert identifiziert ist, wird er noch diversen weiteren Analysemethoden unterzogen. Je nach Basiswert kann das variieren. Wenn die CoT-Daten zu Gold beispielsweise sehr bullisch zu werten sind und man in einen "Junior Miner" gehebelt auf einen Anstieg spekulieren will, dann wird z.B. zwar eine EW-Analyse erstellen, diese aber nicht gleich stark gewichtet wie bei anderen Werten, da die EW-Theorie bei tiefvolumigen Werten nicht gleich zuverlässig ist. In so einem Fall würde die EW-Analyse auf Gold erstellt werden und beim Junior Miner verstärkt auf andere Kriterien Gewicht gelegt werden wie beispielsweise Management, Insider Activity und das Verhalten der Aktie bei vergangenen Kursanstiegen im Gold.

    JP: Was sind dann deine Kauf- oder Verkaufssignale?

    OD: Wie bereits oben angedeutet, spielt das je nach Basiswert eine Rolle. Bei Rohstoffen und Währungspaaren sind die CoT-Daten, abgesehen von Ausnahmefällen, praktisch immer eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Bei Einzelaktien spielen die CoT-Daten wiederum praktisch überhaupt keine Rolle und wenn indirekt. Konkretes Beispiel: Wenn die CoT-Daten z.B. eine potenzielle große Stärkephase im Kanadischen Dollar oder Aussi vermuten lassen, dann kann es sein, dass ein näherer Blick auf die Minenwerte in diesen Ländern geworfen wird, da eine potenzielle, temporäre Rohstoffrally anstehen könnte.

    JP: Du setzt dich sehr intensiv mit dem Commitment of Traders Report auseinander. Was verbirgt sich erstmal ganz allgemein dahinter und welche Informationen kann man diesem Bericht entlocken?

    OD: Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die CoT-Daten einer der wenigen Möglichkeiten für den kleinen Investor sind, indirekt und verzögert an Informationen der Insider zu kommen. Der Commitment of Traders Report ist eine Zusammenfassung der Positionierungen der großen Marktteilnehmer, welcher von der amerikanischen Aufsichtsbehörde CFTC zur Verfügung gestellt wird. Die Behörde braucht jeweils drei Tage um die Informationen aufzubereiten, weshalb die am Freitag veröffentlichten Daten vom Dienstag stammen. Dabei schenke ich den Positionierungen der Commercials besondere Aufmerksamkeit.

    JP: Und wie entwickelt man daraus eine konkrete Trading-Idee?

    OD: Meine Guidants-Follower können meinem Stream z.B. entnehmen, dass in den vergangenen Wochen Beiträge zu USD/CHF verfasst wurden. Dieses Währungspaar war beispielsweise sehr interessant um einen oberen Wendepunkt abzuwarten. Denn einerseits waren die Commercials stark short im USD-Index und gleichzeitig long auf den Schweizer Franken. In Kombination mit einigen volkswirtschaftlichen Daten die langfristig deutlich für eine weitere Stärke im Schweizer Franken sprechen, hat vieles dafür gesprochen, dass das weitere Aufwärtspotenzial für den USD gegenüber dem CHF stark begrenzt ist. Das schwer kalkulierbare bei diesem Währungspaar ist der Faktor "SNB". Denn die Schweizer Zentralbank interveniert regelmäßig am Währungsmarkt. Da die Bilanzsumme aber bereits derart astronomische Größen angenommen hat, kann man davon ausgehen, dass die SNB tendenziell zurückhaltender agieren sollte in Zukunft. Auch aus diesem Grund war und ist das USD/CHF-Pair ein interessanter mittelfristiger Short-Kandidat.

    JP: Welche Faktoren spielen bei einem Trading-Setup für dich noch eine Rolle?

    OD: Je nach Setup und wie stark die diversen Analysemethoden zusammen harmonieren, wird entschieden wie viel Risiko genommen werden soll. Konkret: Welcher Hebel wird gewählt und wo wird ein sinnvoller Stop gesetzt. Das kann aber von der aktuellen Volatilität an den Märkten, vom Basiswert selbst und dem Chance-Risiko-Verhältnis abhängen. Das Risiko, das genommen wird, hängt auch stark davon ab ob korrelierende Werte Signale bestätigen. Wenn die CoT-Daten beispielsweise stark bullisch sind für Gold aber gleichzeitig auch stark bullisch für den USD-Index, dann wird nicht das gleiche Risiko eingegangen, wie wenn die Daten bärisch für den USD-Index wären und somit das Signal im Gold bestätigen würden.


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    Der Commitment of Traders Report als Widget in Guidants

    JP: Welche Instrumente setzt Du primär zur Umsetzung deiner Trading-Ideen ein?

    OD: Hauptsächlich KO-Zertifikate und CFD's. Seltener klassische Optionen.

    JP: Wie gehst Du mit Rückschlägen an den Märkten oder in deinem Trading-Depot um? Bist Du der kühle Vollstrecker oder pulsiert die Börse in deinem Alltag mit?

    OD: Da Börse seit nun 14 Jahren meine größte Leidenschaft ist, würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, dass die Börse nicht einen großen Anteil meiner Gedanken im Alltag einnimmt und daher sicherlich einen Effekt auf die eigenen Emotionen haben kann. Das muss aber nicht bedeuten, dass deswegen kein kühler Kopf bewahrt werden kann. Mit der Erfahrung kommt automatisch das Bewusstsein, dass erfolgreiches Trading und überbordenden Emotionen praktisch unmöglich miteinander vereinbar sind. Konkret: Emotionen können nicht komplett unterdrückt werden. Es ist aber wichtig, dass man den Umgang mit ihnen lernt und ein starkes Bewusstsein über deren Einfluss auf das eigene Denken entwickelt.

    JP: Wie siehst Du die Entwicklung der Märkte in den nächsten Monaten, vielleicht vor allem bei den Edelmetallen. Sehen wir gerade den Beginn einer neuen Aufwärtsphase, vice versa mit entsprechenden Implikationen für Aktien und Bonds?

    OD: Die CoT-Daten lassen vermuten, dass in diesem Semester eigentlich noch höhere Rallyhochs bei den Edelmetallen kommen könnten. Das bedeutet Konkret beim Gold in Richtung von ca. 1'400 und beim Silber bis ca. 17 USD. Zudem weißt die momentane Rally gewisse Parallelen zu der in 2016 auf. Auch sind die Commercials nach wie vor stark short im USD-Index positioniert. Das bedeutet die Marktteilnehmer mit dem größten "insight" gehen davon aus, dass dem USD bald eine Schwächephase bevorsteht. Beispielsweise haben die Commercials ihre Positionen im EUR/USD-Pair in den letzten Monaten von short auf long gedreht. Das bedeutet nicht, dass EUR/USD deswegen nicht weiter fallen kann, sollten aber die Medien bald Panik betreffend Euro verbreiten und man selbst bemerkt wie man sich von der Angst anstecken lässt, wäre das spätestens der Zeitpunkt sich selbst zu hinterfragen.

    JP: Hast Du auch eine Meinung zu DAX, DOW und Co.?

    OD: Für die Aktienmärkte bin ich seit den letzten Aussagen der Fed und den Worten von Jarome Powell optimistisch. Es war ein klares Statement, dass das Interesse besteht, die Aktienmärkte weiter nach oben zu ziehen. Ich gehe daher davon aus, dass neue All-Time-Highs in den kommenden Monaten möglich sind und Dow Jones und S&P500 Punktestände bei ca. 30'000, respektive ca. 3'200 beim S&P500 sehen könnten. Langfristig nehmen die Warnzeichen natürlich stark zu, weshalb man jetzt selektieren muss. Um jetzt einfach damit zu beginnen auf Index ETF's zu setzen, stimmt das CRV meiner Meinung nach nicht mehr.

    Die Bondmärkte hingegen sind in der wahrscheinlich größten Blase in der Wirtschaftsgeschichte und deshalb meiner Meinung nach uninteressant für den durchschnittlichen Kleininvestor. Evtl. können Investoren die sich auf Anleihen spezialisiert haben, lukrative Möglichkeiten lokalisieren. Weite Teile des Anleihenmarktes sind mittlerweile komplett von den Zentralbanken "gemanaged" und als Durchschnittsanleger, der kein wirkliches "insight" hat, ist man somit abhängig von den Entscheidungen einiger weniger Personen in den Gremien dieser Institute. Es wird also extrem selten bis nie passieren, dass in meinem Stream Analysen zu Anleihen veröffentlicht werden.

    JP: Welche Einzeltitel findest Du gerade spannend oder welche könnten in den nächsten Wochen auf deine Watchlist rutschen?

    OD: Nach der starken Rally seit dem Jahreswechsel sehe ich momentan natürlich deutlich weniger lukrative Chancen als noch vor 2-3 Monaten. Viele Kursziele von Aktien die in meinem Stream vorgestellt wurden, sind in der Zwischenzeit bereits abgearbeitet worden. Es werden aber vor zu immer wieder vereinzelt Aktien vorgestellt die vom Markt z.B. in Vergessenheit geraten sind oder eine tendenziell übertriebene Korrektur vollzogen haben in die man sich einklinken kann. Aktien die seit der Veröffentlichung in meinem Stream bereits gestiegen, aber immer noch Potenzial haben, sind z.B. Iridium Communications, Pepsi Co., Hain Celestial, Activision Blizzard, Chipotle Mexican Grill, EON & RWE.

    JP: Oliver, vielen Dank für das Gespräch!


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