Das Jahr 2007 wird bezgl. des wirtschaftlichen Geschehens als das Jahr der "US Kreditkrise, die in den marktbreiten Indizes weltweit nicht wirklich relevante Spuren hinterlassen hat", in die Geschichtsbücher eingehen.

Diese Diskrepanz zwischen der fundamentalen Nachrichtenlage und den tatsächlichen Kursentwicklungen erstaunt.

Der DOW Jones weist 2007 eine Jahresperformance von 9 %, der S&P 500 Index von 6% und der Nasdaq100 von 22%.

In Europa sehen wir im DAX eine formidable Jahresperformance von 20 % und im Eurostoxx50 von 7%. Es handelt sich hierbei um Circa-Angaben. Das Jahr hat noch 2 Handelstage.

Übrigens. Mein [Link "Realdepot 2007" auf www.godmode-trader.de/... nicht mehr verfügbar] konnte ich mit einer Jahresperformance von gut 40 % schließen. Ein guter Beweis dafür, dass sich mittels charttechnisch basiertem Trading eine saubere Performance aus dem Markt ziehen läßt.

Einige ältere Wegbegleiter der Börse wie beispielsweise Roland Leuschel , die die Märkte teilweise schon jahrzehntelang kommentieren, äußern sich dahingehend, dass die Börse nicht mehr das tut, was man bisher von ihr gewohnt war. Ein resignierender Unterton in dieser Feststellung ist unverkennbar.

Wie kann das sein ?

Kommt der echte Knall erst noch?

In Zeitungen und Fachmagazinen zerbrechen sich Ökonomen die Köpfe, wie katastrophal die Situation an den Kreditmärkten, an den britischen und US-amerikanischen Immobilienmärkten ist und wie groß die Wahrscheinlichkeit einer echten Rezession in den USA ist und unterm Strich steigen die Aktienmärkte einfach weiter.

Keine Frage. Man muß sich natürlich die einzelnen Sektoren und Segmente genauer anschauen, um ein differenziertes Bild der Lage skizzieren zu können. Finanztitel haben Federn lassen müssen, hier in Deutschland aber auch mittelkapitalisierte Aktien aus dem MDAX. Bei niedrigkapitalisierten Aktien aus dem SDAX gab es regelrechte Crashs. Hier zeigt sich das divergierende Verhalten unterschiedlicher Marktteilnehmergruppen. Hochkapitalisierte Aktien werden von Fonds und Institutionellen gehalten und diese sind demzufolge weitgehend im Markt geblieben. SDAX Titel sind bei kleinen Private Equity Adressen, aber auch Retailern ("Privatanlegern") sehr beliebt. Und letztere haben sich teilweise panikartig von ihren Positionen getrennt. Bekanntermaßen sind es die kapitalstarken Marktteilnehmer, die die großen Trends machen. Deshalb auch die Begrifflichkeit "Smart Money" für diese dominierende Marktteilnehmergruppe.

In Diskussionen fundamental ausgerichteter Marktbeobachter kristallieren sich einige große Gruppen heraus. Es gibt diejenigen, die auf die nach wie vor üppigen Unternehmensgewinne verweisen "Der Konjunktur geht es gut! - Die Kreditkrise hält sich in Grenzen". Dann gibt es diejenigen, die auf die Neugewichtung einzelner konjunktureller Indikatoren und ihrer Interpretation hinweisen "Die Inflation ist gar nicht so schlimm ... Das Geldmengenwachstum muß man differenzierter sehen ..." Und dann gibt es diejenigen, die einfach ein kleines bißchen resignieren.

Es gibt auch diejenigen, die sich die Marktlage charttechnisch anschauen und dann die passenden Argumente aus dem Strauß aller zur Verfügung stehenden fundamentalen Argumente hervorzücken. Letztere erkennt man daran, dass ihre Ausführungen (das ist meine persönliche Meinung) oft nicht so schön in sich stimmig sind, wie es bei eingefleischten Fundamentalanalysten der Fall ist. Diese Fundis sind auch daran zu erkennen, dass sie erstaunlich schnell ihre Argumentationsführung ändern. Erst den Mega-Crash für das Jahr 2007 postuliert, dann einfach plötzlich von guten Kaufchancen für die Jahresendrallye sprechen.

Andersherum geht es übrigens auch. Mein geschätzter Kollege Martin Marquardt, der jeden Montag an dieser Stelle seinen Wochenausblick auf den DAX veröffentlicht, unterzieht den Markt zunächst einer fundamentalen Beschau und läßt diese Informationen dann in den gesamten Analyseprozess einfließen. Insofern kein Wunder, dass er als Charttechniker in diesem Jahr den Bären gegeben hat.

Zurück zu der Feststellung, dass die Schere zwischen fundamentaler Lage und den tatsächlichen Kursbewegungen der Märkte immer weiter auseinander geht.

Sie merken es schon. Bei diesem Kommentar handelt es sich nicht um eine charttechnische Analyse mit Einschätzung. Nein. Ich möchte davon losgelöst einfach einmal aus fundamentaler Sicht über mögliche große Trends schwadronieren.

Da geraten die Top-Investmenthäuser dieser Welt wie Merrill Lynch, Morgan Stanley, Bear Stearns und die Citigroup in die Bredouille, deren Aktienkurse brechen crashartig ein und was passiert mit dem breiten Gesamtmarkt ? So gut wie nichts!

Die Erklärung könnte eine mit den Schieflagen dieser Investmenthäuser in den Medien meines Erachtens eher nebensächlich erwähnte Tatsache liefern. Stichwort China und Asien. Stichwort Liquidität.

Die Asiaten kaufen sich in großem Stil in den US Bankensektor ein. Nur als Beispiel. Die chinesische Investmentgesellschaft China Investment Corp. (CIC) kauft sich bei Morgan Stanley im Volumen von 5 Milliarden Dollar ein, zuvor investierte CIC Milliarden in Bear Stearns. Und die aus Singapur stammende Investmentgesellschaft Temasek Holdings Pte. Ltd. (GIC) steigt nicht nur bei der UBS ein, sondern auch mit 5 Milliarden Dollar bei Merrill Lynch. Es zeigt, dass die Asiaten liquide sind. Es zeigt, dass Kapital da ist, das angelegt werden will. Wie profitabel, das wird sich noch zeigen. Mit ihrem Engagement in Höhe von 3 Milliarden Dollar an Blackstone (ebenfalls in diesem Jahr) haben die Chinesen zunächst einmal Bruchlandung erlitten. Der Kurs von Blackstone steht momentan gut 40 % unter dem des IPOs.

In der FAZ habe ich erst kürzlich eine neue Aufstellung der größten Banken weltweit nach Marktkapitalisierung gesehen. Die ersten beiden Positionen werden von Chinesen gehalten, an dritter Stelle folgt bemerkenswerterweise die britische HSBC, wobei im entfernteren Sinne auch dort Chinesen involviert sind. Mittlerweile rangiert die Citigroup Aktie unter ferner liefen.

Wenn Jim Rogers darauf verweist, dass die zurückliegenden Jahrhunderte die der Briten, dann der US-Amerikaner waren, und wir uns nun in dem Jahrhundert der Chinesen befinden, kommt man nach Sichtung der zahlreichen Berichte über die rasante wirtschaftliche Entwicklung nicht umhin, ihm da zuzustimmen. Wegen den Chinesen boomt der Markt für Rohstoffe. Wegen den Chinesen, geben sich große etablierte Konzerne der westlichen Welt relativ kleinlaut, wenn es um das Durchsetzen von Copyrights geht. Jeder will Geschäfte in China machen. Und diese Geschäfte gibt es nicht selten gegen Transfer von Knowhow.

Wir leben in einer Zeit, in der sich die Kräfteverhältnisse weltweit mit atemberaubender Geschwindigkeit verschieben. Ich weiß. Ich schweife gerne ab, aber werfen Sie einen Blick nach Rußland. Rußland hat gerade erst den Kalten Krieg verloren. Das war gestern. Die russischen Börsen haussieren. Moskau soll mittlerweile die teuerste Stadt der Welt sein. In keiner Stadt soll es so viele Luxuskarossen geben wie in Moskau. Auch russische Investmentfirmen investieren massiv im europäischen und US-amerikanischen Aktienmarkt. Die USA bleiben militärische Supermacht, aber als wirtschaftliche Supermacht geraten sie peu a peu ins Hintertreffen.

2008 ist die Olympiade in China. Ich bin gespannt, welche Nachrichten uns in 2008 noch aus China erreichen werden. Fakt ist, dass sich an den chinesischen Börsen nicht unerhebliche Überbewertungen aufgebaut haben.

Wir werden auf jeden Fall auf GodmodeTrader.de den asiatischen Aktienmarkt ebenso wie den russischen wie gewohnt aus charttechnischer Sicht beleuchten.

Wenn wir uns nicht mehr lesen sollten, wünsche ich Ihnen einen guten soliden Rutsch ins neue Jahr.

2008 wir kommen!

Herzliche Grüße,

Ihr Harald Weygand - Head of Trading bei GodmodeTrader

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