Eine der treffendsten Kolumnen zur aktuellen Lage an den Kapitalmärkten ist vor wenigen Tagen auf der Internet-Seite der Wirtschaftswoche erschienen. Der geschätzte Kollege Manfred Gburek beschreibt darin, warum die Banken gar kein Interesse daran haben können, zu ihrem eigentlichen Geschäftszweck zurückzukehren. Wozu Kredite an Unternehmen vergeben, wenn doch die Zockerei an den Börsen viel einträglicher ist und im Bedarfsfall auch noch der Steuerzahler einspringt und die Banken herauspaukt...

Unter anderem schreibt Manfred Gburek:

„Greenspan war und Bernanke ist in Sachen Geldpolitik machtlos, nur dass Letzterer die Machtlosigkeit nicht so gut durch Schauspielerei kaschieren kann, wie sein Vorgänger“.
Sehr lesenswert:

http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/gbureks-geld-geklimper-das-grosse-geldspiel-der-banken/8673272.html

Es lohnt sich, auf den zuletzt genannten Punkt etwas genauer einzugehen. Tatsächlich hat sich die Machtlosigkeit der Notenbank in der Vergangenheit schon mehrfach derart eindrucksvoll gezeigt, dass man am Verstand vieler Börsianer ernsthaft zweifeln muss. Wie können ganze Heerscharren von Anlegern auf die Idee kommen, die Fed werde in der Lage sein, mit billigem Geld den Aktienmarkt zu stützen, sollte dieser in naher Zukunft ernstere Schwierigkeiten bekommen? Denn genau darauf stützt sich die Hoffnung derzeit: Dass die Fed den Exodus eines Aktienmarktes, der sich von der Realwirtschaft längst abgekoppelt hat, mit ihrer Politik des billigen Geldes verhindern werde.

Wie unglaublich naiv, ja geradezu töricht diese Annahme ist, das zeigen prominente Beispiele aus der Vergangenheit.
Bezeichnenderweise kam es in zurück liegenden Jahren an den Börsen immer wieder zu dramatischen Kurseinbrüchen, OBWOHL die Notenbank mit einer extrem lockeren Geldpolitik gegengesteuert hatte. Oder anders formuliert: Prominente Beispiele zeigen, dass die derzeit postulierte Annahme, die Notenbank könne mit billigem Geld den Aktienmarkt beflügeln, haarsträubender Unsinn ist.

Sehr schön zeigt das etwa die folgende Abbildung. Dargestellt ist der Verlauf des S&P 500 in den Jahren 2001 und 2002 (rote Linie). Die (hoffentlich) elektrisierende Erkenntnis lautet: Die Strategie der Notenbank in dieser Zeit zur „Rettung des Aktienmarktes“ die Zinsen zu senken (lilafarbene Linie), war ein grandioser Flop. Trotz niedrigster Zinsen rauchte der S&P 500 immer weiter ab.

Die Fed als Feuerwehr? Die Jahre 2001 und 2002 haben eindrucksvoll gezeigt, wie wenig die Notenbank mit „billigem Geld“ bewirken kann...
Das gleiche Spiel wiederholte sich wenige Jahre später: Auch in der dramatischen Baisse nach dem beschaulichen Sommer des Jahres 2007 wurde die Notenbank von der Börse geradezu „abgewatscht“. Obwohl die Geldschleusen bis zum Anschlag aufgerissen und die Zinsen immer weiter gesenkt wurden, rauschte der Aktienmarkt nahezu ungebremst in die Tiefe. Die folgende Abbildung führt uns das Drama noch einmal eindrucksvoll vor Augen. Die rote Linie bildet auch hier den Kursverlauf des S&P 500 ab. Die lilafarbene Linie zeigt die Panik, mit der die Notenbank seinerzeit die Zinsen nach unten schraubte.

Nichts gelernt? Obwohl die US-Notenbank im Jahr 2007 die Zinsen panikartig nach unten schraubte, kollabierte der Aktienmarkt...
Ganz davon abgesehen, dass den Anlegern allmählich dämmern sollte, dass die Notenbanken heute gar keinen Zinssenkungsspielraum mehr haben, bleibt schleierhaft, wie ganze Horden von Anlegern diese schmerzhaften Erfahrungen nach so kurzer Zeit schon wieder vergessen haben, und heute davon faseln, die Notenbank werde es gar nicht zulassen, dass die Aktienmärkte fallen.

Die Geschichte zeigt uns etwas ganz anderes: Die Notenbank kann GAR NICHTS tun, wenn eine Baisse startet. Sie ist vollkommen hilflos und kann dem Treiben nur tatenlos zusehen.

Man muss nicht lange darüber rätseln, was die Erkenntnis für die Börsen bedeutet. Doch einstweilen ist die Party ja noch in vollem Gange. Feiern Sie mit – vergessen Sie aber nicht, dass es an den Ausgängen sofort ein hübsches Gedränge geben wird, wenn die Menschen diese Wahrheiten erkennen werden...

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de