2021 wird die Inflation ansteigen. Daran gibt es keinen Zweifel. Allein schon wegen niedriger Vergleichswerte aus dem Vorjahr ist ein Anstieg vorprogrammiert. Im April 2020 lag der Ölpreis bei 20 Dollar. Geht man davon aus, dass der Ölpreis sein derzeitiges Niveau hält, liegt der Preisanstieg auf Jahressicht im April 2021 bei mehr als 100 %. Öl und Ölprodukte machen je nach Land 6-10 % des Warenkorbes aus, aus dem die Inflation berechnet wird. Nur durch den Ölpreisanstieg kann man mit einem Inflationsschub von 0,5 % bis 1 % rechnen. Durch diese kurzfristigen Änderungen blicken Notenbanken zu Recht hindurch. Es ist ein temporäres Phänomen. Für Notenbanken ist ein systematischer Inflationsanstieg relevant. Hier ist die Lage nicht eindeutig. Es könnte jedoch zu einigen Überraschungen kommen.

Inflation entsteht, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt. In diesem Fall können die Anbieter die Preise erhöhen. Nun ist die wirtschaftliche Lage schwierig. Nach einem Nachfrageüberhang sieht es auf den ersten Blick nicht aus. Der Eindruck täuscht jedoch.

Gerade in den USA, die auf insgesamt fast 5 Billionen an zusätzlichen Ausgaben zusteuern, ist der Geldregen für die Wirtschaft gigantisch. Das Haushaltsdefizit im laufenden Fiskaljahr dürfte bei 15-20 % der Wirtschaftsleistung liegen. Das Geld liegt zum Teil auf den Konten der Konsumenten, die etwa die Direktzahlungen nicht in den Konsum gesteckt haben. Sobald die Pandemie unter Kontrolle ist, könnte es hier zu einem Konsumschub kommen.

Defizite und Inflation sind korreliert (Grafik 1). So hohe Defizite wie jetzt gab es bisher nur in Kriegszeiten. Der Grund für das Defizit ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass viel Geld ausgegeben wird.


Diese Ausgaben fließen in Güter und Dienstleistungen. Es ist einfach ein Nachfrageanstieg, der mit der Inflation natürlicherweise korreliert (Grafik 2). Nach der Finanzkrise gab es trotz eines höheren Defizits nur einen minimalen Anstieg der Inflation. Das lag unter anderem daran, dass der Staat die Konjunkturhilfen nur einmalig bemühte und die Ausgaben zu früh wieder senkte. Aktuell sieht es danach überhaupt nicht aus. Im Gegenteil, Staaten werfen mit den Milliarden nur so um sich.


Durch Kurzarbeit in Europa und höhere Arbeitslosengelder in den USA wird die Nachfrage geschützt. In beiden Regionen war 2020 eine Überraschung, da die Güternachfrage regelrecht explodierte. Der Konsum stieg trotz Wirtschaftskrise. In den USA wurde die Nachfrage durch höhere Importe bedient (Grafik 3).


Die USA selbst konnten die Nachfrage nicht bedienen, weil Lieferketten immer noch nicht optimal funktionieren. Trotz freier Kapazitäten in der Wirtschaft kann es zu einem Inflationsanstieg kommen. Freie Kapazitäten helfen nur, wenn sie auch genutzt werden können. Das ist derzeit nur begrenzt der Fall.

Ähnliches gilt für Dienstleistungen. In den USA haben über 100.000 Restaurants permanent geschlossen. Ist die Pandemie erst unter Kontrolle und trifft das ganze Geld auf begrenzte Kapazitäten im Dienstleistungsbereich, kann es zu einem überraschend deutlichen Anstieg der Inflation kommen. Dieser lässt sich nur verhindern, wenn die Staatsausgaben geringer wären. Gerade in den USA dürften die enormen Konjunkturhilfen zu einer unerwarteten Verwerfung in der Wirtschaft führen.

Clemens Schmale


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