Im vorherigen Artikel habe ich mich damit auseinandergesetzt,wie weit der US Markt aus fundamentalen Gesichtspunkten fallen müsste, um wieder als fair bewertet zu gelten. Hier gehe ich nun der Frage nach, wie viel Potential die Kurse aus Sentiment Sicht nach unten haben.

Für die US Märkte gibt es so viele Sentiment Indikatoren wie kaum für einen anderen Markt

Besonders aufschlussreich sind die Sentiment Indizes des Nobelpreisträgers Robert Shiller. Über die gute Prognosekraft dieser Indizes habe ich bereits vor einigen Monaten berichtet. Damals war die generelle Meinung, dass die Indikatoren eine Korrektur anzeigen. Jetzt, 4 Monate später, ist sie da. Am Timing Element muss noch gearbeitet werden, und für das exakte Timing ist es nun ohnehin erst einmal zu spät. Dafür können die Sentiment Indizes jetzt, da die Korrektur läuft, einen gewissen Hinweis geben, wie weit die Korrektur geht.

Grafik 1 zeigt den Valuation Index und den S&P 500. Der Valuation Index zeigt an für wie fair Anleger die Bewertungen des Marktes halten. Ein hoher Indexwert zeigt ein hohes Vertrauen in die Bewertung an. Je höher der Index, desto billiger sind Aktien. Je tiefer der Index steht, desto überbewerteter gelten Unternehmen.

Der Index sinkt bereits seit Ende 2011, kam aber auch von einem sehr hohen Niveau. Inzwischen hat der Index ein Level erreicht, welches zuletzt im Jahr 2002 oder 1998 gesehen wurde. Damit empfinden Anleger Aktien als so teuer wie seit den Zeiten der Internetblase nicht mehr. Um das zu ändern müssen Aktien fallen, und zwar nicht nur um ein paar Prozent. Die jetzige Korrektur fühlt sich wegen der hohen Volatilität so an, als würde sie schon lange laufen und als ob die Kurse schon ausreichend gefallen wären. Das sind sie nicht.

25% Verlustpotenzial?

Bedenkt man, wo der Valuation Index heute steht und von welchen Niveaus aus in der Vergangenheit Rallyes begonnen haben, lässt das den Schluss zu, dass Aktien mindestens 25% verlieren müssen, um von Anlegern wieder als attraktiv und günstig eingestuft zu werden.

Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt man auch aufgrund anderer Sentiment Indizes. Grafik 2 zeigt den 1 Year Confidence und Buy-on-Dips Index. Der Confidence Index fragt danach wie überzeugt Anleger davon sind, dass Aktien auf Sicht von 12 Monaten eine positive Performance zeigen werden. Aktuell steht der Wert so niedrig wie zu Zeiten der Internetblase nicht mehr.


Setzt man auch hier den Index zu den Aktienkursen ins Verhältnis, dann ergibt sich ein Abgabepotential von zumindest 15%. Ganz und gar nicht passt der Buy-on-Dips Index ins Konzept. Dieser Wert ist relativ hoch und zeigt eine große Bereitschaft von Anlegern bei Rücksetzern – auch kleineren – zu kaufen. Solange Anleger bereit sind zu kaufen, kann es eigentlich nicht zu einer großen Korrektur kommen. Obwohl der Markt nach dem Abverkauf zu Wochenbeginn wieder steigen konnte, muss sich erst noch beweisen, dass es zu Anschlusskäufen kommen wird. Der Buy on Dips Index zeigt die Bereitschaft der Anleger an, doch in der Praxis ist von der Bereitschaft zu kaufen noch nicht viel zu sehen – zumindest nicht in den USA.

Man kann die Anomalie des Buy on Dips Index auch mit der Konditionierung der Anleger in den vergangenen Jahren erklären. Anlegern wurde von den Notenbanken „beigebracht,“ dass die Notenbank notfalls einspringt. Das hat zu einer hohen Bereitschaft geführt auch wirklich bei kleineren Rücksetzern zu kaufen. Springt die Notenbank nicht ein, dann sind Anleger bitter enttäuscht und es dürfte eine zweite Verkaufswelle starten. Ob die Maßnahmen der chinesischen Notenbank den Weltmarkt so nachhaltig stützen kann wie Maßnahmen der US Notenbank, sei dahingestellt.

Der letzte Indikator ist ein klassischer Kontraindikator. Der Crash Index (Grafik 3) fragt nach der Wahrscheinlichkeit eines Crashs innerhalb der kommenden 6 Monate. Anleger waren zuletzt zuversichtlich, dass kein Crash kommt. Je sicherer sich die Masse ist, desto unwahrscheinlicher wird es, dass es auch so eintrifft. Der Index hatte im Juli keinen Extremwert erreicht. Zusammen mit den anderen Indizes gab es jedoch ein klares Warnsignal. Wenn sich die Masse sicher ist, dass kein Crash kommt, gleichzeitig den Markt aber für so überbewertet hält wie zur Zeit der Internetblase, dann ist die Wahrnehmung schief.

Zusammengefasst sagen die Indizes nicht, dass die Korrektur genau 20,478% betragen wird. Sie geben jedoch einen gewissen Hinweis darauf und dieser liegt bei 15 bis 25%. Das ist eine große Bandbreite und wahrscheinlich nur bedingt hilfreich. Was man jedoch mitnehmen kann ist, dass die Korrektur ernst zu nehmen ist. Wer auf einen ganz schnellen Rebound hofft, hofft aller Wahrscheinlichkeit nach umsonst.