Aufgrund der komplexen Lage fällt die Bildung einer harten Meinung äußerst schwer – ich versuche es trotzdem.

Es steht ohne Zweifel fest, dass seit der Finanzkrise aufgrund der niedrigen Zinsen von Staatsanleihen enorm viele Gelder in hochverzinsliche Wertpapiere geflossen sind. Der entsprechende Markt hat sich seit 2009 auf 2 Billionen US-Dollar praktisch verdoppelt.

Aufgrund dieser Tatsache wir schon seit Jahren vor einer Blase gewarnt, und seit Jahren werden die Mahner eines Besseren belehrt – Leerverkäufe können mittlerweile als waschechte „Widowmaker“-Trades klassifiziert werden. Also Investments, die anstatt in mehr Handtaschen für die Frau in, weniger Ehegatte für dieselbe resultieren.

Hohe Geldströme in kurzer Zeit stellen zwar grundsätzlich eine Vorbedingung für das entstehen einer Bubble dar, ich beurteile den Umstand, dass der Markt für stark verzinste Unternehmensanleihen auf seine jetzige Größe angewachsen ist, prinzipiell jedoch positiv, denn schließlich sind Firmen dadurch in der Lage, sich unabhängig von der Finanzierung durch Banken zu machen - und wollen wir das nicht alle?

Problematisch wird es aber, wenn Käufer zu Papieren greifen, ohne deren Risiken richtig zu bewerten oder sich dagegen abzusichern. Hier sehe ich die gegenwärtige Entwicklung in der Tat sehr kritisch. Der hohe Anteil an Cov-Lite-Anleihen ist zum Beispiel Ausdruck dessen.

Jetzt aber Butter bei die Fische – existiert wie durch die Betitelung dieser Betrachtung suggeriert – eine Blase, die kurz vor dem Platzen steht, ja geradezu implodieren muss?

Ich halte es im Prinzip wie Kollege Clemens Schmale, der in diesem exzellenten Beitrag zu folgendem Schluss kommt:

„Junk Bonds sind in einer Blase (aber was ist das derzeit nicht?). Bis diese Blase platzt können noch Jahre vergehen. Bis dahin kann man als Anleger noch einiges an Rendite mitnehmen.“

Die Party kann noch Jahre weitergehen, kein Zweifel - die Spreads auf Staatsanleihen haben noch Luft nach unten. Allerdings sehe ich auch kein allzu großes Abwärtspotenzial mehr, die Zahnpaste ist größtenteils aus der Tube, wie „Bond King“ Jeffrey Gundlach kürzlich angemerkt hat:

They’ve squeezed all the toothpaste out of the tube. There is interest-rate risk that’s just being masked by fund flows holding up the prices of junk bonds.”

Unter anderem führt Gundlach als Grund dafür an, dass Junk Bonds mittlerweile über einem Niveau notieren, ab welchem die Anleihe durch den Schuldner kündbar ist. (Der Großteil der emittierten Anleihen ist mit einer sogenannten Call-Option, einem Schuldnerkündigungsrecht ausgestattet).


Was wären aber im Falle eines Falles Katalysatoren für eine Korrektur? 4 Möglichkeiten.

1) Einmal könnte die fundamentale Situation der Unternehmen erodieren, und dadurch die Firmenpleiten anspringen. Diese Gefahr sehe ich momentan nicht, da sich die Unternehmen wahrscheinlich fürs Erste günstig refinanziert haben.

2) Ein weiterer Auslöser wäre, dass die Inflation anspringt, aber auch dafür sind derzeit wenig Signale auszumachen.

3) Die Einstellung der Anleihenkäufe durch die Fed. Dies ist eine große Variable. Einerseits könnte das Ende von QE bedeuten, dass das Angebot an Staatsanleihen wächst, d.h. die Zinsen steigen. Auf der anderen Seite könnte die Rücknahme des Zentralbank-Stimulus ebenso gut in niedrigeren Zinsen resultieren, wenn das Inflationsversprechen nicht mehr glaubhaft wirkt. Ich halte dieses Zinsrisiko netto für eher gering. Im Großen und Ganzen sollten Staatsanleihen nach oben gedeckelt bleiben, denn die Risikoaversion wird langfristig nicht abnehmen.

4) Liquiditätsrisiko. Aufgrund des starken Wachstums kann man davon ausgehen, dass sich im Schrottsegment viel „zittriges“ Geld tummelt, welches anfällig für Stimmungsschwankungen ist.

Sollte nun das Nervenkostüm der Anleger, aus welchem Grund auch immer Schaden leiden, dann könnte es zu einem Event wie beispielsweise zwischen August und Oktober im Jahre 2011 kommen, als der Zins aufgrund der in den Fokus geratenen Staatsschulden innerhalb eines Monats von rund 8% auf 12% stieg.

Jeffrey Gundlach sieht hier übrigens die größten Gefahren für den Ramschmarkt schlummern:

„I’m not worried as much about interest rate risk and credit risk, I’m worried more about liquidity risk and naively owned positions.”

Wäre die Implosion der mutmaßlichen Junk-Bubble systemrelevant?

Ganz klar nein. Der Markt für Schrottanleihen ist schnell gewachsen aber im Vergleich zu anderen Märkten relativ klein. Ich sehe auch nicht, wie es aufgrund schnell steigender Zinse zu einem Nachfrageschock und damit zu einem Durchschlagen auf die Realwirtschaft kommen sollte. Wer hier investiert hat schließlich genug Geld übrig, und ein auf den High Yield-Markt beschränkter Kollaps dürfte daher eher Dot-Com-Charakter haben.

Soweit so (un)klar, aber was ist jetzt mit den im Titel versprochenen prophetischen Worten einer Pop-Ikone?

William Burroughs, einer der großen Schriftsteller Amerikas, und opiatabhängige Pop-Ikone, hatte schon 1957 die philosophische Blaupause für die modere Junk-Mania konstruiert:

"Junk is the ideal product . . . the ultimate merchandise. No sales talk necessary. The client will crawl through a sewer and beg to buy. . . . The junk merchant does not sell his product to the consumer, he sells the consumer to his product. He does not improve and simplify his merchandise. He degrades and simplifies the client. He pays his staff in junk."

Auf die imaginäre Frage, wie lange ein solcher Wahn anhalten kann, äußerte er sich leider nur schwammig:

„As long as we can keep it going.“

Auf deutsch: In einem Zentralbankkosmos ziemlich lange. Damit wäre dann auch wieder der Bogen zur Meinung von Clemens Schmale geschlagen ;).

Simon Hauser

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