Man hört es immer wieder: Wir leben in ungewöhnlichen Zeiten. Das liegt nicht nur an der Pandemie, sondern auch an der Geldpolitik. Nach 2008 dachte niemand, dass so viel frisches Geld keinen Inflationsanstieg provoziert. Es hätte auch niemand gedacht, dass die Zinsen für viele Regierungen in Europa stark negativ sein würden. Selbst die Rendite für 5-jährige griechische Anleihen waren kurzfristig im Dezember im negativen Bereich. Viel lockerer als jetzt kann die Geldpolitik kaum noch werden. Die EZB hat in dieser Krise QE aufgestockt, aber nicht die Zinsen gesenkt. Mit -0,5 % ist der Einlagensatz wohl am unteren Ende des Möglichen angekommen. Wollen Notenbanken die Geldpolitik noch lockerer gestalten, bleiben nur zwei Möglichkeiten. Sie können QE entweder ausweiten oder sie können – so paradox es wirkt – QE reduzieren. QE kann nicht für immer und ewig ausgeweitet werden. Die Notenbank braucht Anleihen, die sie kaufen kann. Trotz Rekordverschuldung schrumpft der frei verfügbare Anteil an Staatsanleihen. Notenbanken halten noch lange nicht 100 % der Anleihen. Insofern könnte man gelassen sein, doch der Finanzmarkt braucht Staatsanleihen.

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