Wien (Godmode-Trader.de) - Der Deal war zum Greifen nah. Das Ölkartell OPEC und seine Verbündeten in der Allianz OPEC+ standen kurz vor einer Vereinbarung, die monatlichen Fördermengen zwischen August und Dezember um 400.000 Barrel pro Tag zu erhöhen, um einem weiteren Rohölpreisanstieg im Zuge einer steigenden Nachfrage zuvorzukommen.

Doch in letzter Minute kamen die Vereinigten Arabischen Emirate ums Eck und legten Einspruch ein. Nun wird darüber gestritten, von welcher Berechnungsgrundlage aus die Erhöhung stattfinden soll. Laut Bloomberg-Informationen habe der Einwurf der VAE alte Grabenkämpfe ausgelöst und den unguten Geist des letztjährigen Preiskriegs zwischen Saudi-Arabien und Russland heraufbeschworen, der in Kombination mit der coronabedingt einbrechenden Nachfrage die Rohölpreise kurzzeitig in den negativen Bereich gedrückt habe.

Ein Scheitern der Einigung bedeutet, dass die OPEC+ mit den aktuell geltenden Förderniveaus fortfährt, was den Preisdruck weiter erhöhen würde. Dies aber könnte Inflationsängste in der Weltwirtschaft schüren und eine Gegenreaktion der USA und anderer großer Ölverbraucher, die sich vor negativen Auswirkungen auf den konjunkturellen Aufschwung fürchten, provozieren.

Es gibt noch weitere unberechenbare Faktoren. Ein Abkommen zur Wiederbelebung des Atompakts mit Iran könnte neue Öllieferungen auf den Markt bringen, sofern die USA die Sanktionen aufheben. Und: Die Ausbreitung der Delta-Variante schickt zahlreiche Volkswirtschaften zurück in den Lockdown, was die Nachfrageaussichten erheblich eintrüben könnte.

Während die diplomatischen Kanäle zwischen den Hauptakteuren heißlaufen, steht die aus 23 Ländern bestehende Ölstaaten-Allianz vor einem Entscheid, der weltweite Auswirkungen mit sich bringen könnte. Es könnte eine politische Intervention auf höchster Ebene (Putin?) nötig sein, um einen Kompromiss zu finden.