Dass es den allermeisten Fondsmanagern nicht gelingt, mit ihren Anlageentscheidungen den Markt zu schlagen, also eine Überrendite im Vergleich zum Gesamtmarkt zu erzielen, ist inzwischen allgemein bekannt. Insbesondere diese Erkenntnis hat in den vergangenen Jahrzehnten zum Aufstieg des passiven Investierens geführt. Die dahinterstehende Philosophie: Statt einen Fondsmanager für seine Anlageentscheidungen zu bezahlen, die ohnehin keinen Mehrwert bieten, wird einfach passiv ein möglichst breiter Marktindex nachgebildet, insbesondere mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs).

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Doch ist die Einschätzung, dass Anlageentscheidungen von Fondsmanagern keinen Mehrwert bieten, tatsächlich richtig? Eine neue Studie nährt jetzt Zweifel an dieser Sichtweise. In einer Studie von drei Wissenschaftlern an US-Universitäten wurden insgesamt 2.000 Aktien-Transaktionen von US-Investmentfonds im Zeitraum von Januar 1998 bis März 2015 ausgewertet. In der Studie wurden insbesondere die Handelsentscheidungen von Fonds rund um die Veröffentlichung von Quartalszahlen untersucht.

Ein überraschendes Ergebnis der Studie: Die Entscheidungen der Fondsmanager haben sehr wohl einen Mehrwert. Zwar gelingt den Fonds insgesamt tatsächlich keine Überrendite, was sich mit zahlreichen früheren Studien deckt. Allerdings: Betrachtet man ausschließlich "aktive Trades" der Fonds, sieht die Bilanz erheblich anders aus.

Unter "aktiven Trades" verstehen die Autoren der Studie Transaktionen, die durch Entscheidungen der Fondsmanager ausgelöst wurden, und die nicht deshalb ausgeführt wurden, weil dem Fonds Mittel zu- oder abgeflossen sind. Werden neue Fondsanteile von Anlegern gekauft, so fließt einem Fonds frisches Geld zu, das der Fonds dann investiert. Der Fonds kauft also mitunter Aktien, weil er einfach mehr Geld zur Verfügung hat, das er anlegen muss. Werden Fondsanteile verkauft, so fließt Geld aus dem Fonds ab, und der Fonds muss Wertpapiere verkaufen. Diese mechanischen Transaktionen, die der Fonds nur deshalb durchführen muss, weil Anleger Geld in den Fonds stecken oder wieder abziehen, sind laut Studie schuld an der schlechteren Performance von Investmentfonds gegenüber ihren Benchmarks.

Laut Studie sind Fondsmanager insbesondere auch gut darin, Aktien von Unternehmen auszuwählen, die bei den folgenden Quartalszahlen bessere Gewinne als erwartet melden werden. "Große aktive Trades von Investmentfonds vor dem Monat der Bekanntgabe von Quartalszahlen haben signifikante positive abnorme Renditen in den nachfolgenden Zeithorizonten von einem, zwei und drei Monaten", heißt es in der Studie.

Schuld an der schlechteren Performance von Investmentfonds gegenüber ihren Benchmarks ist also nicht, dass Fonds die falschen Aktien kaufen. Schuld daran sind vielmehr falsche Entscheidungen der Anleger: Sie entscheiden sich tendenziell zum falschen Zeitpunkt, Fondsanteile zu kaufen bzw. wieder zu verkaufen. Diese Käufe und Verkäufe von Fondsanteilen führen dazu, dass auch die Fonds Aktien kaufen oder verkaufen müssen. Und genau diese "mechanischen Transaktionen" verursachen offenbar die schwächere Performance von Investmentfonds.

Dass Anleger offenbar immer zum falschen Zeitpunkt in den Markt investieren und dann wieder aussteigen, ist also laut Studie das eigentliche Problem der Investmentfonds und führt dazu, dass diese bei der Performance nicht mit Marktindizes mithalten können. Dieses Problem wird aber durch passive Produkte wie ETFs nicht gelöst, sondern womöglich sogar noch verschärft.

Link zur Studie:


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