Was halten Sie vom folgenden Angebot? Sie leihen einem Unternehmen für fünf Jahre lang für 0 % Zinsen Geld. Nach fünf Jahren bekommen Sie das geliehene Geld zurück oder dürfen es in Aktien tauschen. Der Aktienkurs, zu dem Sie tauschen dürfen, liegt 70 % über dem aktuellen Kurs. Klingt das attraktiv? Für die meisten klingt es wahrscheinlich wie ein Scherz oder ein schlechter Deal...

Der Musik-Streaming Anbieter Spotify konnte so aber 1,3 Mrd. Dollar aufnehmen. Damit erreicht die Verzweiflung von Anlegern wohl einen neuen Höhepunkt. Sie wissen nicht mehr wohin mit dem Geld, verleihen es für 0 %. Rendite gibt es nur, wenn der Aktienkurs des Unternehmens um über 70 % steigt. Alternativ könnte man das Geld auch in Unternehmensanleihen stecken und dort relativ sichere 3 % pro Jahr generieren. Man könnte die Aktie von Spotify auch einfach kaufen.

Wandelanleihen wie sie von Spotify begeben wurden, sind ein altbekanntes Instrument. Normalerweise sind die Bedingungen aber ganz andere. Für gewöhnlich zahlen Unternehmen einen Zins und der Kurs, zu dem die Anleihe in Aktien getauscht werden kann, ist unter oder nur knapp über dem aktuellen Kurs an der Börse.

Wenn Unternehmen dringend Geld benötigen, können die Bedingungen sogar sehr attraktiv sein. Der Kreuzfahrtanbieter Carnival begab vor einem Jahr eine Wandelanleihe mit einem Zins von 5,75 % und einem Umwandlungskurs von 10. Die Aktie steht inzwischen bei 28 Dollar. Das war ein guter Deal für Investoren der Wandelanleihe.

Wandelanleihen waren 2020 beliebt, weil viele Unternehmen anders nicht mehr an Geld kamen. Unternehmen sammelten so knapp 200 Mrd. ein. 2021 hat sich der Trend noch einmal beschleunigt. Geht es in diesem Tempo weiter, kann 2021 ein neuer Rekord erreicht werden (siehe Grafik).


Nun beschaffen sich größtenteils nicht mehr Unternehmen Geld, die es dringend brauchen, sondern Firmen wie Spotify. Sie machen von den sehr günstigen Bedingungen und purer Verzweiflung von Anlegern Gebrauch. Zu so miserablen Bedingungen wie jetzt (0 % Zins, enormer Aufschlag des Umwandlungskurses auf den aktuellen Aktienkurs) haben Anleger wohl noch nie zugegriffen.

Wandelanleihen sind dabei nicht unbedingt das Instrument der Wahl von Kleinanlegern, die ja manchmal aus Unwissenheit bei fragwürdigen Geschäften mitmachen. So hätte der bankrotte Autovermieter Hertz über eine Milliarde durch eine Kapitalerhöhung einsammeln können, wenn der Regulator nicht dazwischengekommen wäre.

Nun machen auch Großanleger und Institutionelle bei diesem Wahnsinn mit. Es ist tendenziell diese Investorengruppe, die Wandelanleihen zeichnet. Damit lassen sich nun wirklich alle über den Tisch ziehen.

Clemens Schmale


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