So schnell, wie die Notenbank Anlegern zur Hilfe gesprungen ist, konnte man gar nicht schauen. Es dauerte nun ein paar Wochen bis das Anleger auch begriffen haben, dabei war eigentlich schon nach der Notenbanksitzung im Dezember klar, dass die Fed Gewehr bei Fuß steht. Es brauchte noch zusätzliche Beteuerungen, bis das auch begriffen wurde.

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Jetzt hat sich diese Erkenntnis immerhin durchgesetzt. Im Dezember war noch die Rede vom Ende des Fed-Puts. Jetzt kann man guten Gewissens sagen: der Put lebt und ist so quicklebendig wie noch nie. Doch auch die Fed kann eine Rezession nicht einfach magisch verhindern. Was nützt das alles, wenn es schon zu spät ist?

Genau davor haben Skeptiker Angst. Es ist ja schön und gut, wenn die Fed die Zinsen auch senken kann und die Wertpapierverkäufe drosselt, doch wenn das Monate zu spät kommt, hilft es wenig. Wir wissen meist erst Monate nach Beginn einer Rezession, dass wir überhaupt in einer stecken. Jede Hilfe kann also schon längst zu spät sein.

Persönlich habe ich davor wenig Angst. Im Normalfall sehen wir eine klare Systematik. Eine Rezession lässt die Zinsen steigen. Das betrifft natürlich nicht den Leitzins. Dieser sinkt. Vielmehr weitet sich die Differenz zwischen Staats- und Unternehmensanleihen aus. Sind Anleger risikoscheu, verkaufen sie Unternehmensanleihen. Dort steigen die Zinsen, bei Staatsanleihen sinken sie.

Während einer Rezession kann man daher die Ausweitung dieses Spreads beobachten (Grafik 1). Es gibt nur wenige Fälle, in denen das nicht der Fall war. Der umgekehrte Fall – der Spread steigt ohne Rezession – kommt häufiger vor. Das können wir an der Börse als Korrektur wahrnehmen.


Nun steigt der Spread unzweifelhaft an. Wir wissen nicht, ob das an einer Rezession liegt oder ob es lediglich vorübergehende Risikoscheu ist. Das wissen wir erst hinterher. Wir können aber eine Ahnung entwickeln, indem wir den Spread mit dem Wirtschaftswachstum vergleichen (Grafik 2).


Derzeit liegt der Spread genau auf der Trendlinie. Die Streuung ist durchaus beachtlich. Das ändert jedoch wenig daran, dass der Spread im Verhältnis zum Wachstum alles andere als beunruhigend ist. Selbst eine Wachstumsverlangsamung auf 2 % oder 1,5 % lässt die Alarmglocken nicht schrillen.

Was die Notenbank jetzt tun kann (und muss), ist die Beruhigung des Marktes. Der Spread darf nicht massiv ansteigen. Das hätte sonst den Effekt einer Kreditklemme, der dann zum Abschwung führt. Genau das tut die Notenbank in diesen Tagen auch. Sie beruhigt den Markt und hält damit das Zinsniveau für Unternehmen auf tragbarem Niveau.

Die Zinsen sind immer noch niedrig und solange der Markt nicht außer Kontrolle gerät und den Marktzins radikal steigen lässt, bleibt alles in Ordnung. Danach sieht es aktuell aus. Eine Rezession ist damit 2019 in den USA sehr unwahrscheinlich.

Clemens Schmale

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