In dieser Woche habe ich mir einen freien Tag gegönnt, an dem ich mich nicht um das allgegenwärtige Chaos um uns herum gekümmert habe. Das passiert selten, erweist sich aber immer wieder als äußerst hilfreich: Anstatt Börsenkurse und die Nachrichten über bevorstehende Staatspleiten zu verfolgen, war ich in den Bergen meiner oberbayerischen Heimat unterwegs: Während ganz Deutschland unter eine dicken Nebeldecke verschwand, besuchte ich bei Traumwetter, 200 Kilometern Fernsicht und fast 20 Grad im Schatten einige Gipfel im Voralpenland. Die Aussicht war in etwa so gigantisch, wie auf diesem Foto aus dem Zillertal:

Und soll ich Ihnen etwas sagen? Die Krise hat mir überhaupt nicht gefehlt. Auch nicht das Gerede über den Regierungswechsel in Griechenland oder die Schuldensituation in Italien - und wie lange es wohl dauern wird, bis das Land zahlungsunfähig sein wird.

Doch die erstaunlichste Entdeckung war: Das Leben dort oben in den Bergen geht ganz genauso seinen Gang wie in jedem Herbst: Es ist jetzt ganz still dort, die Tiere bereiten sich auf einen langen Winter vor und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Was für ein Frieden...

Aus eigener Erfahrungen kann ich Ihnen nur empfehlen, sich ab und zu auszuklinken aus diesem Wahnsinn. Denn was sollte es ändern, wenn ich wir uns andauernd Sorgen darüber machen, wie das alles wohl weiter gehen wird? Nach Lage der Dinge wird am Ende eine Währungsreform stehen. Doch davon wird die Welt nicht untergehen und das Leben geht auch mit einem „Nord-Euro“ weiter, oder wie immer unser Geld dann auch heißen mag.

Man kann es drehen und wenden wir man will: Wir werden uns mit den Dingen, die da gerade geschehen, irgendwie arrangieren müssen. Und das fällt umso leichter, je optimistischer man die Dinge herangeht. Gedanken erzeugen Realitäten, da ist schon etwas dran. Beobachten Sie das nur einmal in Ihrer unmittelbaren Umgebung: Wer mit griesgrämiger Mine durch die Welt wandelt, der zieht negative Entwicklungen geradezu magisch an. Umgekehrt ist es genauso.

Doch da die Menschen sehr verschieden sind, hat auch jeder seine eigene Methode entwickelt, um mit den Problemen fertig zu werden. Von Optimismus ist da nicht immer die Rede. Das mag allerdings auch daran liegen, dass sich „Horrornachrichten“ (leider) besser verkaufen lassen als erfreuliche Meldungen.

Bill Bonner etwa schreibt: „Meine Prognose: Eine Depression wird zum verstärkten Drucken von Geld führen...was wiederum letztlich zu einer Hyperinflation führen wird“.

Nobelpreisträger Nouriel Roubini sagt: „Der Rettungsschirm ist schon jetzt viel zu klein. Die 440 Milliarden reichen höchstens bis Ende des Jahres. Der Fonds muss auf mindestens zwei Billionen Euro erweitert werden."

Für Nobelpreisträger Paul Krugman ist die Marschrichtung bereits klar: "Die Europäische Zentralbank muss radikale Dinge tun." Die EZB solle alle Regeln vergessen und einfach so viele Anleihen kaufen wie nötig ist, um die angeschlagenen Staaten zu stabilisieren.

Das Handelsblatt fragt: „Die EZB ist längst die größte Bad Bank Europas. Nun erschüttert eine Debatte die Notenbank in den Grundfesten: Soll sie unbegrenzt Geld drucken, um taumelnden Staaten zu helfen? Es wäre ein Tabubruch mit Folgen“.

Das alles mag richtig sein, hilft uns aber bei Licht besehen keinen Millimeter weiter.

Eine ganz andere und weitaus wohltuendere Sicht der Dinge vertritt der sehr geschätzte Kollege Jochen Steffens. Über eine Reise nach Südamerika berichtet er:

„Ich hatte den Eindruck, dass dort einfach die hier übliche Aufgeregtheit fehlt. Man lässt die Dinge auf sich zukommen. Sollte es zu einer Krise kommen, wird man sich auch damit arrangieren – das Leben geht halt weiter. Und bis dahin genießt man noch ein wenig die Sonne oder das Leben oder was sonst noch so auf einen zukommt“.

Ein Leser des Antizyklischen Börsenbriefs, Herr Theo Z., hat mir in dieser Woche eine Mail geschickt, mit der er seine Sicht der Dinge folgendermaßen zusammenfasst:

„Wir verlieren die (vermeintliche) Sicherheit im Außen. Und es geht darum, die Sicherheit in uns selbst zu finden. Es geht um die Zentrierung in uns“. Frieden und Sicherheit in uns selbst zu finden, das scheint mir ein weitaus hilfreicherer Rat zu sein als die X-te Warnung vor einem Währungskollaps oder einer Mega-Krise.

Wir sollten uns dabei allerdings auch darüber im Klaren sein, dass wir uns hier in Mitteleuropa nach wie vor mit „Luxusproblemen“ beschäftigen. Wenn der eine oder andere, vielleicht sogar die meisten von uns, in den kommenden Jahren wegen dieser Krise möglicherweise viel Geld verlieren, dann ist das bitter – aber es ist nichts im Vergleich zu dem, was jene Menschen zu ertragen haben, die an dieser Krise am allerwenigsten Schuld sind:

Wenn Mütter in der Dritten Welt zusehen müssen, wie ihre Kinder verhungern, weil die Nahrungsmittelpreise steigen, und die Preise für Weizen und Reis auch deshalb steigen, weil einige Spekulanten den Hals nicht voll bekommen, dann sind das die wahren Tragödien in dieser Krise.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/rohstoffe/wie-banken-mit-nahrungsmitteln-zocken/5203876.html?p5203876=all

http://www.youtube.com/watch?v=oroCChrKnIQ

Übrigens: Um ein Kilogramm Fleisch zu erzeugen, müssen sieben Kilogramm Getreide verfüttert werden. Anstatt zu beklagen, wie schlecht es um unsere Banken und um die Staatsfinanzen der südlichen Euro-Länder bestellt ist, könnten wir uns bei unserem nächsten Einkauf ja auch einmal an die eigene Nase fassen...

Kritiker mögen jetzt wieder einwenden, dass die Spekulanten ja „nur“ auf den fahrenden Zug aufspringen, an den Preissteigerungen für Nahrungsmittel aber vollkommen unschuldig sind. An der Börse gehe es schließlich um Profit und nicht um Ethik und Moral.

Das stimmt allerdings überhaupt nicht. Denn am Ende der Geschichte geht es immer um Ethik und Moral und überhaupt nicht um Profit. Man muss nur weit genug denken...

Mehr dazu in der November-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die vor wenigen Tagen erschienen ist.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de