Das Ereignis der Woche war zweifellos der Sprung des DAX über die 5.000-Punkte-Marke. Auch wenn es nur ein kurzer Ausflug war, signalisiert der Aktienmarkt damit: Alles wieder im Lot, oberhalb von 5.000 Punkten ist Bullen-Terrain. Da dies nun schon seit einigen Jahren so ist, dürften sich die Sorgen bald wieder verflüchtigen, sollte sich der DAX oberhalb von 5.000 Punkten festbeißen.
Und auch sonst ist die Welt wieder in Ordnung. Na ja, nicht ganz vielleicht. Großbritannien etwa ist ja schon seit einiger Zeit im Gerede. Jetzt plant die Rating-Agentur Standard & Poor`s offenbar, die Bonität des Landes herabzustufen.

Dem Pfund, das sich zuletzt zum Euro erstaunlich stark präsentiert hat, dürfte das nicht sonderlich gut bekommen. Hier der Kursverlauf:

Die jüngste Stärke der britischen Währung ist bemerkenswert. Allerdings war das Pfund im vergangenen Jahr deutlich ins Trudeln geraten. So gesehen ist die aktuelle Stärke womöglich technisch bedingt. Hierfür spricht auch die Tatsache, dass sich die fundamentale Lage Großbritanniens keineswegs entspannt hat, im Gegenteil:

Zwar haben sich die konjunkturellen Indikatoren leicht stabilisiert, oder anders gesagt: Die Fallgeschwindigkeit hat sich verlangsamt. Die weiteren Aussichten bleiben jedoch düster. Neben den Bonitätssorgen und der starken Abhängigkeit vom Finanzsektor droht den Briten eine handfeste Deflation.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Verschuldung der privaten Haushalte in Großbritannien mit über 180 Prozent des verfügbaren Einkommens noch über dem Vergleichswert in den USA liegt. Mittelfristig ist deshalb mit einem deutlich schwächeren Pfund zu rechnen. Der Dollar ist bereits voraus geeilt und hat zuletzt rasant abgewertet. Beim Pfund könnten mutige Anleger jetzt ebenfalls auf einen bald einsetzenden Schwächeanfall spekulieren.

Doch sehen wir uns noch einmal den DAX an. Die folgende Abbildung zeigt dass der Sprung über die 5.000er-Marke aus charttechnischer Sicht in dieser Woche nicht das einzige bedeutende Ereignis für den Deutschen Aktienindex war. Gleichzeitig ist das
Marktbarometer über die langfristig wichtige 200-Tage-Linie (rot) geklettert.

Das ist aus verschieden Gründen bedeutsam: Zum Einen ist es der erste Ausflug des DAX über diese wichtige Zone seit Januar 2008. Dabei muss man aber berücksichtigen, dass derart wichtige gleitende Durchschnittslinien nur in den seltensten Fällen im ersten Anlauf überwunden werden. Da die Anleger ohnehin schon wieder recht übermütig geworden sind, dürfte eine Korrektur nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Als zusätzliche Beruhigungspille wirkte sich in dieser Woche die Nachricht aus, dass der lahmende Autokonzern General Motors (GM) mit der US-Gewerkschaft UAW eine vorläufige Einigung erzielt hat. Keine Rettung gab es dagegen für BankUnited, die größte Bank Floridas. Mit einer Bilanzsumme von 12,8 Milliarden Dollar ist es der größte Insolvenzfall in diesem Jahr – und die 62. Bankenpleite in den USA seit Beginn der Finanzkrise. Doch das ist in dieser Woche völlig untergegangen.

Es wäre schon ein Treppenwitz der Geschichte, wenn ausgerechnet General Motors in einem solchen Umfeld noch einmal die Kurve kriegen sollte: Die größte Hürde für den Konzern bleibt vorerst der immense Schuldenberg. Derzeit hat der Konzern Verbindlichkeiten in Höhe von 54 Milliarden US-Dollar. Keine Kleinigkeit bei einem Börsengewicht von 870 Millionen...

Bis Ende Mai muss GM der US-Regierung einen Rettungsplan präsentieren. Andernfalls droht die Insolvenz. Doch hier könnte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Presseberichten zufolge wird hinter den Kuliessen fieberhaft an einer Rettung des Konzerns gearbeitet.

Und in der Tat könnte schon bald eine Überraschung ins Haus stehen. Am Donnerstagabend hatte die US-Regierung eine weitere Finanzspritze von 7,5 Milliarden Dollar für die ehemalige GM-Finanzsparte GMAC angekündigt.

Auch im Kursverlauf zeigen sich einige Signale, die für eine bevorstehende Trendwende sprechen. Achten Sie etwa auf den extrem starken Umsatzanstieg in der vergangenen Woche (rote Markierung).

Positive Divergenzen bei MACD und RSI weisen ebenfalls in diese Richtung (blaue Linien). Klar ist aber auch: Da sich die Anleger mehrheitlich bereits auf eine Pleite bei GM eingestellt haben, könnte eine überraschende Wende die Märkte regelrecht beflügeln.

Dann könnte das eintreffen, was wir bereits seit einiger Zeit anvisieren: Die Anleger gehen zum Tagesgeschäft über und legen die Finanzkrise mehrheitlich zu den Akten. Auf solche Signale achten wir jetzt besonders genau – weil die Risiken wieder sehr deutlich ansteigen werden, wenn die große Herde wieder mutiger wird.

Dass der US-amerikanische Immobilienmarkt weiterhin deutliche Schwächesignale zeigt, das haben die Anleger in dieser Woche vollständig ausgeblendet. Der dramatische Einbruch bei den Baubeginnen interessierte niemanden so recht.
Passend hierzu war in dieser Woche in einem Börsenkommentar zu lesen, die Märkte seien nun wieder auf dem Weg zur Normalität. So ist es – und wenn dies erst wieder genügend Anleger glauben, dann sind die Gefahren deutlich größer als noch vor einigen Wochen als nackte Angst die Szene dominierte.

Während also „die Normalität“ Einzug hält, sollten antizyklisch agierende Anleger jetzt wieder besonders wachsam werden. Denn nichts ist an der Börse gefährlicher, als eine galoppierende Hammelherde, die glaubt, alles sei in bester Ordnung...
Wie wir die Lage jetzt einschätzen und was wir unseren Lesern raten, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die in Kürze erscheint.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de