"Buy the dips" - "Bei Kursrücksetzern kaufen" - ist eine bei Tradern und aktiven Anlegern beliebte Strategie, die in den vergangenen Jahren auch wunderbar funktionierte und fast schon ein Garant für schnelle Kursgewinne war. Befinden sich die Aktienmärkte in einem ausgeprägten Bullenmarkt, eilen die Kurse also langfristig von einem Hoch zum nächsten, dann lohnt es sich einfach, kleinere und temporäre Kursrücksetzer für den billigen Einstieg zu nutzen.

    Tatsächlich funktionierte eine gewisse Ausprägung der "Buy-the-dip"-Strategie sogar 13 Jahre lang sehr gut, wie eine statistische Auswertung von Morgan Stanley zeigt. Die Strategie funktionierte sogar im Jahr 2008, also dem Jahr der Finanzkrise, als die Kurse in den Keller rauschten und kein Bullenmarkt weit und breit zu erkennen war.

    Morgan Stanley untersuchte im Rahmen eines Research-Reports für ihre Kunden das Kursverhalten des S&P 500. Genau genommen nahmen die Analysten der US-Bank die durchschnittliche Tagesperformance des S&P 500 unter die Lupe, wenn der Index in der Vorwoche eine negative Performance hatte. In den vergangenen 13 Jahren galt: Hatte der S&P 500 in der Vorwoche eine negative Performance, dann war die anschließende durchschnittliche Tagesperformance deutlich positiv.

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    Wer also nach einer negativen Woche im S&P 500 eine Long-Position aufbaute, konnte in den vergangenen 13 Jahren gutes Geld mit einer schnellen Erholung verdienen. Doch diese Strategie, die sogar während der Finanzkrise 2008 funktionierte, funktioniert in diesem Jahr zum ersten Mal seit dem Jahr 2004 nicht mehr, wie Morgan Stanley zeigt.

    Dass die Buy-the-dips-Strategie nicht mehr funktioniert, ist schon länger ein Thema an der Wall Street. Der bekannte Börsenbriefschreiber Dennis Gartman warnte bereits im Juli davor, sich weiter auf diese Strategie zu verlassen (Link: "Genau so muss man in diesem Markt handeln!").

    Statt Kursrücksetzer für den Aufbau von Long-Positionen zu nutzen, sollten Trader lieber Erholungen für neue Short-Positionen nutzen, so die Empfehlung von Gartman: "Stärke sollte verkauft werden, Schwäche sollte nur gekauft werden, nachdem der Markt verkauft wurde. Wenn jemand tausend Aktien angesichts von Stärke verkauft, könnte man bei Schwäche vielleicht nur die Hälfte davon zurückkaufen, mit der Absicht, bei jeder weiteren Stärke noch einmal tausend zu verkaufen. Dies ist jetzt ein Bärenmarkt, handeln Sie dann auch entsprechend!", schrieb Gartman an seine Leser.