US-Präsident Donald Trump besetzt Spitzenpositionen am liebsten mit Menschen, die nicht nur wohlhabend, sondern geradezu reich sind. Der von Trump für das Amt des Fed-Chefs nominierte Jerome Powell ist da keine Ausnahme, verfügt Powell doch über ein privates Vermögen von mehr als 100 Mio. Dollar.

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Powells Reichtum stammt aus seiner beruflichen Zeit im Privatsektor. Nach seinem Jura-Studium arbeitete Powell als Investmentbanker und war anschließend Partner der Private-Equity-Gesellschaft The Carlyle Group. Anders als die promovierten Ökonomen, die zuvor meist an der Fed-Spitze standen, hat Powell nicht sein gesamtes Berufsleben an Universitäten und öffentlichen Institutionen verbracht, sondern hatte Spitzenpositionen im Finanzsektor inne.

So ist es auch kein Wunder, dass Powell zu Beginn seiner Zeit als Fed-Chef deutlich wohlhabender sein wird als seine Vorgänger. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg hat das Privatvermögen der letzten fünf Fed-Chefs recherchiert. Paul Volcker brachte es bei seinem Amtsantritt 1982 gerade einmal auf ein privates Vermögen von 0,1 Mio. Dollar. Seine drei Nachfolger Alan Greenspan (4,5 Mio. Dollar), Ben Bernanke (2,7 Mio. Dollar) und Janet Yellen (14,6 Mio. Dollar) waren da schon deutlich reicher.

Doch mit einem Privatvermögen von 112,3 Mio. Dollar übertrifft Powell wohl all seine Vorgänger um ein Vielfaches. Powells Vermögen wird oft nur mit 55 Mio. Dollar angegeben, doch diese Zahl ist nach Bloomomberg-Recherchen deutlich zu niedrig. Sie berücksichtigt nicht Powells größten Vermögenswert: Eine Investition in einen Indexfonds (Vanguard Total Stock Market Index Fund). Die Anteile Powells dürften nach Bloomberg-Informationen ungefähr 58 Mio. Dollar wertvoll sein.

Den größten Teil seines Vermögens hat Powell also in einem Indexfonds am US-Aktienmarkt angelegt. Powells privates Vermögen dürfte damit deutlich stärker als das seiner Vorgänger von der Performance des US-Aktienmarktes abhängen.

Um Interessenskonflikte zu vermeiden, lassen hohe US-Amtsträger ihre privaten Vermögenswerte während ihrer Amtszeit meist treuhänderisch verwalten. Powell dürfte während seiner Amtszeit als Fed-Chef also kaum Zugriff auf seinen privaten Reichtum haben. Doch das ändert nichts daran, dass Powell ein großes Interesse daran haben dürfte, die Aktienkurse immer weiter steigen zu lassen.

Auch aus Sicht von US-Präsident Donald Trump dürfte es zu Powells wichtigsten Aufgaben gehören, dafür zu sorgen, dass die Zeit der wirtschaftlichen Expansion und steigender Aktienkurse in den USA wohl möglichst nie zu Ende geht. Schließlich verweist Trump schon heute regelmäßig darauf, dass in seiner Regierungszeit der US-Aktienmarkt von einem Rekordhoch zum nächsten eilt. Auch wenn Trump und Powell gebetsmühlenartig die Unabhängigkeit der US-Notenbank betonen: Powells Aufgabe dürfte vornehmlich darin bestehen, die langsam wieder in Gang kommende Party an der Wall Street möglichst nie wieder enden zu lassen.

Powells wichtigstes Instrument muss dabei nicht unbedingt die Geldpolitik sein. Geldpolitisch dürfte Powell sogar etwas weniger taubenhaft als seine Vorgänger sein. Aber Powell könnte - wie von Trump gewünscht - eine neue Deregulierungswelle für die US-Banken unterstützen. Bereits direkt nach der Finanzkrise, als die Schrauben für die Finanzkonzerne gerade in den USA stärker angezogen wurden, warnte Powell davor, dass ein Übermaß an Regulierung das Wirtschaftswachstum schwächen könnte.

Trumps Wunschzettel an Powell dürfte ungefähr so aussehen: Powell soll dabei helfen, die Regulierung im Finanzsektor wieder zurückzudrehen und die Zinsen im Rahmen der jetzt anstehenden geldpolitischen Straffung nicht zu schnell anzuheben. Powells wichtigste Aufgabe dürfte sein: Dafür sorgen, dass die Party an der Wall Street so schnell nicht endet!

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