Noch nie in der Menschheitsgeschichte waren die Zinsen so niedrig wie jetzt. In den USA gehen die Daten über 200 Jahre zurück. In Großbritannien gehen die Daten über 300 Jahre zurück und auch dort lässt sich keine Periode finden, in der die Zinsen jemals niedriger gewesen wären.


Einige Untersuchungen gehen sogar in das 13. Jahrhundert zurück. Die Schlussfolgerung bleibt die gleiche: nie waren die Zinsen niedriger. Gleichzeitig kann man auch festhalten, dass in mehreren Jahrhunderten Zinsgeschichte die Zinsen „vor kurzem“ noch nie so hoch waren. Noch Anfang der 80er Jahre konnte man mit langweiligen Staatsanleihen eine Rendite von 17 % einfahren.

Die jetzt historisch niedrigen Zinsen sind allerdings keine Konsequenz der Hochzinsphase. Es gibt andere Gründe. Die globale Nachfrage wächst immer langsamer. Das hat mit dem demographischen Wandel zu tun.

Der Wandel der Gesellschaft ist ein Grund, die Schuldenberge sind ein anderer. Staaten haben die Nachfrage über Jahrzehnte mit hohen Ausgaben angeschoben. Nun sind die Schulden so hoch, dass das nicht mehr so einfach möglich ist.

Immer niedrigere Zinsen ermöglichen lediglich, dass der Status Quo aufrechterhalten wird. Die Schuldenberge der Staaten können weiter getragen werden. Es bringt aber keinen Zusatznutzen, da tiefe Zinsen die Nachfrage nicht automatisch beleben.


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Das ist heute ein bedeutender Unterschied zu früher. Heute macht die Industrie nur noch 10-20 % der Wirtschaft aus. In der Mitte des 20. Jahrhunderts waren es noch 50 %. Das klingt zwar wenig spektakulär, hat aber weitreichende Folgen.

Niedrige Zinsen sollen dazu beitragen, dass investiert wird. Früher hat das aus zwei Gründen funktioniert. Zum einen war es tatsächlich attraktiv, wenn die Zinsen für einen Kredit nicht bei 8 %, sondern nur noch bei 4 % lagen. Zum anderen brauchte ein viel größerer Prozentsatz der Wirtschaft (Industrie) diese Kredite.

Plakativ ausgedrückt: früher wurden Fabriken gebaut. Das kostete viel Geld. Wenn heute investiert wird, geht es um neue Büromöbel. Für die Nachfrage und Beschäftigung sind das zwei vollkommen unterschiedliche Dinge.

Für einen immer größeren Teil der Wirtschaft sind Zinsen unwichtiger. Daher verliert die Zinspolitik an Wirkung. Wir befinden uns auch in einer Phase, in der es nicht an Kapazität mangelt. Wenn es überhaupt ein Problem gibt, dann dass die Kapazitäten zu hoch sind. Schon aus diesem Grund wird wenig investiert. Ob die Zinsen da nun bei 2 % oder 0 % liegen, ist fast unbedeutend.

Es gibt einen Grund, weshalb in Japan 20 Jahre niedriger Zinsen nicht gewirkt haben. Anleger jubeln derzeit zwar, wenn die Zinsen gesenkt werden, doch der realwirtschaftliche Effekt ist so begrenzt, dass er eine Rezession nicht verhindern wird, schon gar nicht in Europa.


Negativzinsen dämpfen ab einem gewissen Zeitpunkt sogar die Nachfrage. Konsumenten müssen immer mehr sparen, wenn sie keine Rendite generieren können. Kurz gesagt: die Geldpolitik ist machtlos. Optisch mögen Zinssenkungen interessant sein. Faktisch sind sie wirkungslos. Absurderweise könnte der Handelskrieg dafür sorgen, dass Geldpolitik wieder Wirkung erzielt. Mehr dazu in meinem Guidants ProMax-Stream.


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