Der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan ist an den Märkten eine Legende. Greenspan leitete die US-Notenbank Fed von 1987 bis 2006. Kritiker werfen Greenspan noch heute vor, dass er mit seiner (für damalige Zeiten) lockeren Geldpolitik erst die Internet-Blase im Jahr 2000 und indirekt auch die US-Immobilienblase im Jahr 2008 beförderte. Greenspan warnte zwar bereits im Jahr 1996 vor "irrationalem Überschwang" an den Märkten, zog aber keine Konsequenzen daraus.

Trotz seines betagten Alters von 91 Jahren ist Greenspan noch immer ein Marktkommentator, der viel Aufmerksamkeit erfährt. Aktuell sieht Greenspan nicht nur eine, sondern gleich zwei riesige Blasen an den Finanzmärkten.

"Es gibt zwei Blasen: Wir haben eine Aktienmarktblase, und wir haben eine Anleiheblase", sagte Greenspan in einem Bloomberg-Interview am Mittwochabend. "Am Ende des Tages wird die Anleihenblase wohl die kritische Angelegenheit sein, auf kurze Sicht ist es aber nicht all zu schlecht." Mittelfristig werde es aber einen "starken Anstieg der langfristigen Zinsen" geben. "Das hat einen sehr starken Einfluss, wie Sie wissen, auf die gesamte Struktur der Wirtschaft."

Seit Anfang der 80er Jahre befinden sich die langfristigen Zinsen im Sinkflug. Sinkende Zinsen bzw. Renditen von Staatsanleihen entsprechen steigenden Anleihekursen. Seit mehr als 25 Jahren ist das Zinsniveau nicht nur in den USA, sondern so gut wie weltweit gefallen. Dieses sinkende Zinsniveau entspricht einem Bullenmarkt bei Anleihen - der nun aber zu Ende gehen könnte, wie auch Greenspan erwartet.

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Die Entwicklung des Anleihemarkts ist auch für andere Anlageklassen wie Aktien und Immobilien entscheidend. Denn die Zinsen sind sozusagen der Maßstab, ab dem alle anderen Vermögenswerte gemessen werden. Der Wert einer Aktie ist nichts anderes als die Summe aller künftigen auf die Aktie entfallenden Unternehmensgewinne bzw. Cashflows. Diese künftigen Erträge müssen anhand der sogenannten Barwertmethode abgezinst bzw. diskontiert werden. Der Abzinsungsfaktor schwankt dabei mit dem Zinsniveau. Steigen die Zinsen, bedeutet dies automatisch, dass der heutige Barwert künftiger Gewinne bzw. Cashflows sinkt. Damit sinkt auch automatisch der Wert von Aktien, Immobilien und anderen langfristigen Vermögenswerten. Sollten die Zinsen also nachhaltig steigen, würde das wohl auch andere Anlageklassen schwer belasten.

Das Hauptproblem für die US-Wirtschaft sieht Greenspan in den stark gestiegenen Pensionsansprüchen, die einerseits nur unzureichend finanziert sind, andererseits aber auch zu einer sinkenden Produktivität führen. Gleichzeitig habe das Defizit im US-Haushalt ein auf lange Sicht unhaltbares Niveau erreicht. "Die Verschuldung ist sehr signifikant gestiegen und wir beachten das einfach nicht genug", so Greenspan.

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