Draghi hinterlässt der Eurozone vor allem eines: niedrige Zinsen. Vielleicht geht er in einigen Jahren als König der Negativzinsen in die Geschichte ein. Denkbar wäre es. Er hat gegen großen Widerstand eine Geldpolitik durchgesetzt, die den Preis des Geldes (Zinsen) abgeschafft hat.

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Für die Staaten der Eurozone war das ein Segen. Zunächst brachte der Euro vielen Ländern den Vorteil niedrigerer Zinsen. Obwohl die Eurozone nie als Haftungsgemeinschaft geplant war, haben Anleger es genauso gesehen. Die Renditen von Staatsanleihen waren praktisch austauschbar. Es war die Zeit der großen Konvergenz.

Die Verschuldung war zwar sehr unterschiedlich, die Zinsen dafür sehr ähnlich. Das führte im Vorfeld der Euroeinführung vor 20 Jahren dazu, dass die Zinszahlungen in vielen Ländern sanken. Der Trend hielt bis zur Finanzkrise weiter an. Dann merkten Investoren plötzlich, dass man die einzelnen Länder der Eurozone doch nicht in einen Topf werfen kann.

Die Zinsen divergierten. In Griechenland stiegen die jährlichen Zinszahlungen von 10 Mrd. auf 16 Mrd. Dann kam allerdings Draghi. „Whatever it takes“, Zinssenkungen und QE retteten die Eurozone und führten trotz explodierender Schulden dazu, dass die Zinsbelastung der Staaten fiel (Grafik 1 und 2).
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Es gibt kein Land, das davon nicht profitiert hat. Selbst in Ländern, in denen die Schulden stark gestiegen sind (Krisenländer, Frankreich), zahlen heute deutlich weniger Zinsen als noch vor wenigen Jahren. Es gibt sogar nur sehr wenige Länder, in denen der Staat heute mehr Zinsen zahlen muss als 1995 (Grafik 3).

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In Spanien, Irland und Portugal haben sich die Schulden teils mehr als verdreifacht. Das können selbst niedrigere Zinsen nicht mehr auffangen. Trotzdem ist ein Zaubertrick gelungen. Die Schulden sind sehr viel schneller gestiegen als die Wirtschaftsleistung. Das gilt auch für Länder wie Frankreich. Trotzdem sind die Zinszahlungen gesunken.


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Man kann gar nicht genug betonen wie sensationell dieser Zaubertrick ist. Besonders eindrücklich ist das in Italien. Vor der großen Konvergenz (Euroeinführung) zahlte Italien über 10 % Zinsen. Diese fielen mit der Euroeinführung auf 4 % (Grafik 4). Während der Eurokrise gab es unter Berlusconi eine Eskalation, die die Zinsen noch einmal kräftig anstiegen ließ. Davon ist heute nichts mehr zu spüren.

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Die Renditen italienischer Anleihen sind so tief wie noch nie. 10-jährige Anleihen fielen unlängst sogar unter die Marke von 1 %. Das alles hat Draghi ermöglicht und zwar ganz bewusst. Ziel der Übung war es, die Zinslast zu senken. Dahinter steckte die Hoffnung, dass eine niedrigere Zinslast bei der Sanierung der Staatsfinanzen hilft.

Frankreich spart im Vergleich zu 2011 etwa 17 Mrd. pro Jahr. Ähnlich hoch ist die Ersparnis in Italien. Über die Jahre sind so in einigen Ländern über 100 Mrd. zusammengekommen. Damit kann man eigentlich viel anfangen. Die Chance wurde leider verpasst. Damit gehört die Sanierung der Eurozone nicht zu Draghis Vermächtnis.


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