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    Update (15:34 Uhr): Die Währungskrise in der Türkei spitzt sich weiter zu. Auch politische Beschwichtigungsversuche konnten den dramatischen Wertverlust der türkischen Lira am Freitagnachmittag nicht aufhalten sondern führten zu zusätzlichem Druck auf die türkische Lira. Zudem autorisierte US-Präsident Trump eine Verdopplung der Zölle auf türkischen Stahl und Aluminium.

    Nach einer Rede des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und der Vorstellung eines "neuen Wirtschaftsmodells" durch Erdogans Schwiegersohn und Finanzminister Berat Albayrak stürzte die Lira erneut auf neue Rekordtiefs gegenüber Dollar und Euro ab. Der Dollar legte zeitweise um mehr als 25 Prozent gegenüber der türkischen Lira zu.

    US-Dollar gegenüber der türkischen Lira (USD/TRY) im Intraday-Chart

    Erdogan gab dem Westen die Schuld an der Währungskrise der Türkei und forderte die Türken auf, ihre Gold- und Dollarbestände in türkische Lira umzutauschen, um so die heimische Währung zu stützen. "Die, die Dollar, Euros, Gold unter dem Kissen haben - geht und wechselt es in türkische Lira in unseren Banken", sagte Erdogan im nordtürkischen Bayburt. Die Türkei befinde sich in einem "Wirtschaftskrieg" mit Westen und sei dabei, ihre Handelspartner zu diversifizieren, "von China bis Russland". Der "Zinslobby" werde es nicht gelingen, die Türkei zu Fall zu bringen.

    Der türkische Finanzminister Berat Albayrak äußerte sich gemäßigter und betonte, dass man eine volle Unabhängigkeit der Notenbank erreichen wolle. Zuletzt hatte Erdogan allerdings die Unabhängigkeit der Notenbank de facto abgeschafft. Albayrak betonte außerdem, dass man ernsthafte Disziplin in der Haushaltspolitik wolle und dass strukturelle Reformen Priorität erhalten sollen. Ziel sei es, dass die Türkei in die erste Liga beim BIP pro Kopf aufsteige. Man werde eine realistische Politik betreiben und das Vertrauen in die Lira wiederherstellen. Der Kampf gegen die Inflation und der Einsatz für Wachstum seien kein Widerspruch.

    Die Währungskrise in der Türkei belastet auch die Aktienmärkte in der Eurozone sowie in den USA. Besonders bei Bank-Aktien gab es am Freitag deutliche Kursverluste. Ausländische Banken haben Kredite im dreistelligen Milliarden-Euro-Volumen in der Türkei ausstehen. Sollte die türkische Währung weiter abwerten, besteht die Gefahr, dass diese Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden können. Dann müssten wohl auch die Finanzinstitute außerhalb der Türkei Milliardenverluste verbuchen.


    Ursprünglicher Artikel (Stand 08:36 Uhr): Die Währungskrise in der Türkei spitzt sich zu. Am Morgen sank der Wert der türkischen Lira auf neue Rekordtiefs gegenüber Euro und Dollar. Der Dollar legte zeitweise um 13,5 Prozent und auch der Euro um mehr als 10 Prozent gegenüber der Lira zu. Anschließend kam es allerdings wieder zu einer Korrektur der heftigen Bewegung. Die türkische Währung schwächelt tatsächlich schon seit Jahren. Doch in den vergangenen Wochen und Monaten hat sich die Abwertung noch einmal dramatisch beschleunigt.

    Euro gegenüber der türkischen Lira (EUR/TRY) im langfristigen Chart

    Verantwortlich für die Schwäche der türkischen Währung ist vor allem, dass der türkische Präsident Erdogan das Vertrauen in die Währung massiv beschädigt hat und der Streit zwischen Washington und Ankara über einen in der Türkei festgehaltenen Geistlichen eskaliert ist. Der Streit gefährdet inzwischen auch die militärische Allianz der Türkei mit dem Westen im Rahmen der NATO.

    US-Dollar gegenüber der türkischen Lira (USD/TRY)

    Zu großer Verunsicherung hat auch Erdogans Wirtschaftspolitik in den vergangenen Monaten und Jahren geführt. Erdogan lehnt offenbar trotz einer hohen Inflation weitere Zinserhöhungen ab und hat zudem die Unabhängigkeit der Notenbank de facto abgeschafft. Auch Aussagen Erdogans, wonach Zinssenkungen zu einem Rückgang der Inflation führen könnten, sorgten für Stirnrunzeln.

    Inzwischen zeichnet sich eine dramatische Vertrauenskrise ab und Kapital wird in großem Stil aus der Türkei abgezogen. Die türkische Währung hat seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel an Wert verloren und befindet sich auf einem Rekordtief gegenüber Euro und Dollar. Am Morgen konnte der Dollar zeitweise um 13,5 Prozent und der Euro um mehr als 10 Prozent gegenüber der türkischen Lira zulegen, nachdem die Lira bereits in den vergangenen Tagen stark abgewertet hatte. Anschließend kam es allerdings wieder zu einer Korrektur der heftigen Bewegungen.

    US-Dollar gegenüber der türkischen Lira (USD/TRY) im Intraday-Chart

    Am Freitag wollte der türkische Finanzminister Berat Albayrak um 11.00 Uhr eigentlich ein "neues ökonomisches Modell für die Türkei präsentieren. Der Termin wurde nun aber offenbar kurzfristig verschoben.

    Der Verfall der türkischen Währung könnte auch Banken in der Eurozone bedrohen, die zum Teil hohe Summen an Euro- und Dollar-Krediten in der Türkei vergeben haben. Viele türkische Kreditnehmer dürften sich nicht ausreichend gegen den Kursverfall der heimischen Währung abgesichert haben und könnten deshalb Probleme bei der Rückzahlung der Kredite in Euro und Dollar bekommen. Nach einem Bericht der "Financial Times" sorgt sich deshalb die Europäische Zentralbank (EZB) vor allem um die Großbanken BBVA , BNP Paribas und Unicredit. Spanische Banken sollen in der Türkei Kredite über rund 83 Mrd. Dollar vergeben haben, französische Banken im Umfang von 38 Mrd. Dollar und italienische Institute in Höhe von 17 Mrd. Dollar.


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