Vielen Regierungen mangelt es derzeit nicht an Mut zu großen Ausgaben. Zusammen mit Kreditgarantien hält Deutschland aktuell den Spitzenplatz (Grafik 1). Großbritannien, Spanien und Frankreich lassen sich auch nicht lumpen. Erst danach kommen die USA mit ihrem zwei Billionen Hilfspaket.


Die USA haben zwar das größte Programm, allerdings liegt es im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung bei 10 %. Andere Länder mobilisieren höhere Prozentsätze. Nicht alle Regierungen sehen bisher großen Handlungsbedarf. Russland ignoriert das Thema bisher. Es wurden gerade einmal vier Milliarden Dollar freigegeben. Auch Japan hielt sich überraschend deutlich zurück. Im Normalfall ist Japan das erste Land, das Hilfen für die Wirtschaft beschließt. Das dürfte sich allerdings bald ändern. Die bisher beschlossenen Maßnahmen sind kaum der Rede wert. Bald dürfte jedoch das größte Konjunkturprogramm der Landesgeschichte offiziell werden.

Die Hilfen sind heute größer als zur Zeit der Finanzkrise. Vieles belastet die Staatshaushalte aber nicht sofort. Es braucht Zeit, um überhaupt festzustellen, ob eine Kreditgarantie zieht und wie viel am Ende ausfällt. Dennoch dürfte die Verschuldung Ende 2020 sehr viel höher stehen als noch zu Jahresbeginn (Grafik 2).


Da die Wirtschaftsleistung in den meisten Ländern sinken wird, erhöht das automatisch die Verschuldung. Hinzu kommen die Mehrausgaben des Staates und Kreditausfälle. Der Anstieg der Verschuldung steht der in 2008 und 2009 in nichts nach. In Deutschland stieg die Verschuldung 2009 um 7 Prozentpunkte und ein Jahr später um 9 Punkte. Der gleiche Anstieg ist diesmal zu erwarten, allerdings innerhalb eines Jahres.

Deutschland dürfte dennoch kein Problem bei der Finanzierung der Schulden haben. Vielmehr trifft es die Länder, die es auch während der Eurokrise getroffen hat (Italien, Spanien, Griechenland). Im Gegensatz zu damals kauft die EZB fleißig Anleihen. Das schadet nicht und entlastet die meisten Staaten.

Italien bräuchte aber ein sehr viel größeres Programm zur Rettung seiner Wirtschaft als es derzeit angedacht ist. Leisten kann sich das Italien nicht. Damit droht sich die Krise zu wiederholen, wenn es keine externe Hilfe gibt.

Aktuell steht eine neue Schuldenkrise noch nicht auf den Titelblättern. Das war 2008 nicht anders. Die Lage eskalierte erst 2011 und 2012. Heute ist das genauso. Die Euroländer haben also noch Zeit, um die nächste Krise diesmal gar nicht eskalieren zu lassen. Sie müssen das aber auch dringend tun. Daran führt kein Weg vorbei. Andernfalls gibt es eine Neuauflage der Eurokrise. Daran besteht überhaupt kein Zweifel.

Immerhin dürfte das Problem auf die Eurozone beschränkt bleiben. Global sind die meisten Staaten in besserer Verfassung. Das liegt nicht unbedingt an besseren Staatsfinanzen, sondern daran, dass die jeweiligen Notenbanken freier agieren können als die EZB. Eine globale Schuldenkrise ist daher nicht zu befürchten.