• EUR/USD - Kürzel: EUR/USD - ISIN: EU0009652759
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Im Tief sank der Euro in der Nacht bis auf 0,9807 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Oktober 2002. Kurzfristiger Auslöser der erneuten Euro-Schwäche ist die Erwartung schneller steigender Zinsen in den USA, was tendenziell gut für den Dollar und schlecht für den Euro ist. In den vergangenen Monaten wurde die europäische Gemeinschaftswährung auch von der Energiekrise belastet. Anders als inzwischen die USA ist Europa bei Energierohstoffen nicht autark, sondern auf Importe angewiesen.

Wegen der ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland und stark gestiegener Energiepreise dürfte Europa im kommenden Winter ohnehin vor einer schweren Wirtschaftskrise stehen. Der schwächelnde Euro könnte die Krise allerdings noch deutlich verschärfen, da Rohstoffe in der Regel in US-Dollar gehandelt werden und sich durch einen schwächeren Euro deshalb Energieimporte automatisch verteuern, was die Energiekrise noch vertiefen könnte.

Der schwache Euro sorgt dafür, dass sich Energiepreise in Euro gerechnet noch stärker verteuern als in Dollar. Andererseits begünstigen die hohen Energiepreise aber auch die Euro-Abwertung. Da Europa einen Großteil seiner Energie importieren muss, verschlechtern höhere Energiekosten die sogenannten "terms of trade" (das reale Güter-Austauschverhältnis) im Außenhandel. Die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise haben bereits dazu geführt, dass sich der traditionelle Handelsbilanzüberschuss der Eurozone in ein Defizit gewandelt hat.

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Im schlimmsten Fall droht ein Teufelskreis, bei dem sich steigende Energiepreise, schwächelnder Euro und eine Wirtschaftskrise gegenseitig befeuern: Zunächst lähmen die hohen Energiepreise die europäische Wirtschaft, was zu einem schwächeren Euro führt und damit die Energie- und Rohstoffimporte weiter verteuert, was wiederum die Wirtschaft und die Währung weiter belastet und damit die Rohstoffimporte weiter verteuert.

Für eine Volkswirtschaft mit Exportüberschüssen ist eine schwache Währung häufig positiv, weil sie die Exporte auf dem Weltmarkt verbilligt und wettbewerbsfähiger macht. Das war auch lange in Europa der Fall. Das Bild kehrt sich allerdings in sein Gegenteil um, wenn eine Volkswirtschaft deutlich mehr importiert, als sie exportiert, wie das inzwischen für die Eurozone der Fall ist. Hier bedeutet eine schwache Währung vor allem, dass sich die überlebenswichtigen (Rohstoff-)importe weiter verteuern und damit die Wirtschaft weiter belasten.

Fazit: Die Energiekrise könnte sich perspektivisch zu einer Währungskrise ausweiten, bei der sich steigende Energiepreise, schwächelnder Euro und eine Wirtschaftskrise gegenseitig verstärken. Andererseits könnte der Euro auch einiges an Erholungspotenzial haben, sollte die Energiekrise im kommenden Winter doch nicht so schlimm wie befürchtet werden.


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