Als im Frühjahr das öffentliche Leben in vielen Ländern der Welt "heruntergefahren" wurde, da hatte das den wohl schnellsten Konjunktureinbruch der Geschichte zur Folge. Die nun wieder in vielen Ländern geltenden strengeren Corona-Beschränkungen haben bisher aber keine vergleichbaren Auswirkungen. Das zeigen Echtzeitindikatoren zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland und den USA.

Der wöchentliche Aktivitätsindex (WAI) der Bundesbank soll die Entwicklung der deutschen Wirtschaft annähernd in Echtzeit abbilden. Neben traditionellen Datenreihen wie der monatlichen Industrieproduktion sowie dem vierteljährlichen Bruttoinlandsprodukt (BIP) fließen in den WAI verschiedene Indikatoren ein, die ohne große zeitliche Verzögerung in wöchentlicher Frequenz zur Verfügung stehen. Dazu gehören unter anderem der Stromverbrauch, das Passantenaufkommen in Einkaufsstraßen, die Anzahl der weltweiten Flüge, Fahrten von Lkws in Deutschland oder Google-Suchanfragen zum Beispiel nach Arbeitslosigkeit.

Der WAI ist so konstruiert, dass sein langfristiger Mittelwert bei null liegt. Der WAI entspricht der trendbereinigten Wachstumsrate der wirtschaftlichen Aktivität in den letzten 13 Wochen (ungefähr ein Quartal) gegenüber den vorangegangenen 13 Wochen. Ein Wert von größer null bedeutet eine überdurchschnittlich stark steigende Wirtschaftsaktivität, ein Wert unter null eine überdurchschnittlich stark sinkende Aktivität.

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Nach einem starken Einbruch im Frühjahr kam es beim WAI zu einer starken Erholung im Sommer und Herbst, die im September ihren Höhepunkt erreichte. Da der WAI jedoch immer die Entwicklung der letzten 13 Wochen abbildet, dürfte der Höhepunkt der Konjunkturentwicklung bereits Ende Juli erreicht worden sein.

Nach dem Hoch im September fiel der WAI wieder deutlich zurück, so auch in den vergangenen Wochen. Dieser Rückgang war allerdings zu erwarten. Erstaunlich ist eher, dass sich der WAI bis zuletzt deutlich im positiven Bereich halten konnte.

Betrachtet man die Veränderung der WAI-Wachstumsrate jeweils gegenüber der Vorwoche, so ergibt sich ein noch viel aktuelleres Bild der Entwicklung. Die Veränderungsrate liegt zwar seit Ende September (und damit bereits vor Beginn neuer Lockdowns) wieder im negativen Bereich, allerdings ist der Einbruch deutlich geringer als im Frühjahr, zudem zeigt sich seit Mitte November wieder eine leichte Erholung. Der Rückgang liegt damit zumindest bisher in dem Rahmen, der nach der Erholung in den Sommermonaten letztlich zu erwarten war.

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In den USA zeigt sich eine ähnliche Situation. Das GDPnow-Modell der Federal Reserve Bank von Atlanta signalisiert aktuell eine annualisierte Wachstumsrate der US-Wirtschaft von 11,1 Prozent für das vierte Quartal. Ohne Annualisierung entspricht dies einer Wachstumsrate von 2,7 Prozent. Allerdings beinhalten diese Daten noch nicht die Entwicklungen der letzten Wochen, da sich das GDPnow-Modell aus Wirtschaftsdaten speist, die erst mit einer gewissen Zeitverzögerung veröffentlicht werden.

Fazit: Die neuen Lockdowns lassen zumindest bisher keinen scharfen Wirtschaftseinbruch befürchten. Bisher signalisieren die Daten sogar, dass die Wirtschaft sowohl in Deutschland als auch den USA im vierten Quartal im Vergleich zum Vorquartal weiter gewachsen sein dürfte, auch wenn sich dies in den kommenden Wochen noch ändern kann. Sollten die Lockdowns allerdings noch viele Monate anhalten, könnte sich die Aussichten vermutlich wieder stark eintrüben.


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