Sehr geehrte Damen und Herren,

    kommen wir zunächst zum Palladium, das an dieser Stelle vergangenes Wochenende ein "Strong Buy"-Rating bekommen hat. Um es kurz zu machen: Palladium fiel vergangene Woche um in der Spitze um 12%. Ich sehe es aber weiterhin positiv. Die für mich entscheidende Marke von 721,10 Dollar pro Unze hat gehalten. Diese Unterstützung sollte nicht gebrochen werden, um das Aufwärtspotenzial zu erhalten. Ich sehe Palladium angesichts der in diesem Artikel genannten Gründe mittel- bis langfristig weiterhin überaus positiv.

    Kommen wir zur vergangenen Woche - was waren das für Kursentwicklungen! Die haben schon an die schlimmsten Tage der Finanzkrise im Jahr 2008 erinnert. Doch es gibt jetzt mehrere Unterschiede zu damals:

    • Unterschied Nummer 1: Die US-Notenbank hat ihre Munition verspielt, QE2 wird von vielen Marktbeobachtern als wirkungslos bezeichnet. Die Zinsen sind außerdem schon bei Null. Im Jahr 2000, als die Internetblase platzte, lag der Leitzins der US-Notenbank bei 6,5%. Sie senkte damals den Zins rasant auf 1%. Das stützte, erzeugte aber die Subprime und Immobilienblase. Im Jahr 2007, als der Markt wieder zusammenbrach, war der Leitzins in den USA bei 5,25%. Jetzt sind die Zinsen bei 0,25%. Spielraum Gleich Null.
    • Unterschied Nummer 2: Unsere Politiker haben eine Bankenschuldenkrise in eine ausgewachsene Staatsschuldenkrise verwandelt mit der Folge, dass sie keinerlei Möglichkeit mehr haben, Geld für Konjunkturprogramme freizuschaufeln. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie klamm die Kassen der Regierungen sind, erinnern wir uns nur eine Woche zurück – da waren viele Politiker in Washington doch tatsächlich gewillt, die Vereinigten Staaten Pleite eher gehen zu lassen, anstatt das Schuldenlimit anzuheben. Im Jahr 2000, als die Internetblase platzte, hatte die US-Regierung einen Haushaltsüberschuss. Im Jahr 2007 lag das Haushaltsdefizit bei 300 Milliarden Dollar. Jetzt liegt das Haushaltsdefizit in den USA bei 1,4 Billionen Dollar.
    • Unterschied Nummer 3: Die Öffentlichkeit hat keine Lust mehr auf Bankenrettung, Bailouts oder sonstige Sondermaßnahmen zur Kostenübernahme durch ihre Steuergelder.

    In anderen Worten: Die Möglichkeiten der Regierungen, irgendwas gegen diesen Crash zu unternehmen, sind ernsthaft eingeschränkt. Das Wall Street Journal zitiert heute Morgen mehrere Analysten und Händler, die den Crash damit begründen, dass die Märkte schlichtweg daran zweifeln, dass Politiker und Zentralbanken noch Herr der Lage werden können. Ich weiß nicht wie es Ihnen dabei geht, wenn Sie so was hören, aber mir lief da ein kalter Schauer über den Rücken, als ich das heute Morgen als Begründung las. Der DAX ist jetzt in acht Handelstagen um 1268 Punkte oder 17% nach unten durchgereicht worden. Der DAX wäre wieder in einem Bärenmarkt, wenn er unter 6000 Punkte fallen würde. Dann wäre nämlich die Definition eines Bärenmarktes eines Rückgangs vom Hoch zum Tief um 20% erfüllt.

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    Meine Damen und Herren – ich habe bereits im Frühjahr damit gerechnet, dass die US-Notenbank QE3 bringen wird – und nach den Geschehnissen an den Märkten in dieser Woche steht es fast fest, dass ein QE3 kommen wird. Mehr Gelddrucken könnte die Märkte wieder stützen, aber es wird keine tragbare langfristige Lösung bringen. Anders ausgedrückt: Wir sind verdammt, wenn wir QE3 nicht bringen, und wir sind verdammt, wenn wir QE3 bringen. Auch die Devisenmarktinterventionen Japans und der Schweiz, die Ankündigung der EZB gestern, außerordentliche Maßnahmen aus der Zeit der Finanzkrise wieder zu ergreifen und auch ein mögliches QE3 ändern an der fundamentalen Schuldenproblematik nichts. Man kann nicht zu viel Schulden durch noch mehr Schulden bekämpfen.

    Aber die alles entscheidende Frage – meine Damen und Herren – ist: was tun Sie mit ihrem Geld? Haben Sie einen Plan? Wir Deutsche können diese Frage noch mit einer relativen Gelassenheit abtun – aber auch unsere Gelassenheit hat ihre Grenzen. Wie muss es da erst einem Italiener, einem Belgier, einem Spanier gehen? Was tun die wohlhabenden Menschen Europas mit ihrem Geld? Lassen sie es auf dem Konto oder ziehen sie das Geld ab? Würden Sie Ihr Geld auf einer griechischen Bank lassen? Auf einer spanischen? Einer italienischen? Meine Damen und Herren – nicht Trichet, nicht Bundeskanzlerin Merkel, nicht Sarkozy und auch nicht Berlusconi werden über die Zukunft der Eurozone entscheiden – sondern Sie und ich und alle Europäer entscheiden über die Zukunft der Eurozone. Und zwar einfach über die Entscheidung, ob sie ihr Geld auf der Bank lassen, oder eben auch nicht. Seit dem Jahr 2008 haben unsere Politiker, aber auch die Politiker in den Vereinigten Staaten eine Bankenkrise in eine ausgewachsene Staatsschuldenkrise umgewandelt. Die Zentralbanken halten jetzt den Banken den Kopf über dem Wasser. Die EZB hat gestern den Leitzins beibehalten und stoppt wie erwartet die Zinserhöhungen, da sie sich um den Wirtschaftsausblick sorgt. Die UBS rechnet sogar damit, dass die EZB die Rolle rückwärts machen und bis Ende 2012 den Leitzins wieder auf 0,75% senken wird – von derzeit 1,5%. Die UBS rechnet mit einer Rezession in Euroland. Trichet fordert, dass die Staaten der Eurozone nun schnell handeln, um die am 21. Juli beschlossenen Maßnahmen aus dem Euro-Krisengipfel umzusetzen. Klar, die Situation muss sich jetzt schnell wieder beruhigen, denn wenn den Leuten die Hutschnur platzt, dann gibt es neue Bank Runs. Und ein Bank Run bedeutet für die betroffene Bank, dass sie alle möglichen Anlagegüter abstoßen muss, um die Bargeldabhebungen ihrer Kunden bedienen zu können. Regierungen und die EZB werden alles tun um ein solches Szenario für Italien oder Spanien abzuwenden, weil Liquidation Vermögenswerte auf ihren Inneren Wert zurückbringen, und dieser Innere Wert ist bei den meisten Anlagegütern wahrscheinlich weit geringer als der derzeit in den Bilanzen ausgewiesene Wert.

    Was die Situation sichtbar dramatisch macht ist der nun fast schon panikartige Anstieg der Goldpreise. Sie scheinen sich mittlerweile unterbrochen von kurzen Pausen schon in fünf- oder 10-Dollar-Schritten aufwärts zu bewegen. Da verkommt es schon fast zur Randnotiz, darauf hinzuweisen, dass Gold auch gestern ein neues Rekordhoch bei 1682 Dollar erreichte. Im Juni und Juli haben die Zentralbanken Südkoreas, Kazachstans und Thailands fast 50 Tonnen Gold gekauft und man kann davon ausgehen, dass auch genau jetzt zu diesem Zeitpunkt einige Zentralbanken alle Hände damit zu tun haben, Gold zu kaufen. Seit Jahresbeginn haben Zentralbanken 203,5 Tonnen Gold gekauft – vor einem Jahr waren es noch 76 Tonnen – in den zwei Jahrzehnten davor haben Zentralbanken immer nur Gold verkauft, weil sie es als Relikt betrachtet haben. Dadurch, dass Zentralbanken zu Nettokäufern von Gold wurden, holen sie erst auf, was Privatanleger schon vor Jahren begannen. Private Investoren halten Informationen von GFMS zufolge heute 18,7% des weltweiten Goldes und damit mehr als Zentralbanken, die lediglich auf einen Anteil von 17,4% kommen. Die Zentralbanken haben eine zentrale Erkenntnis aus ihrer Reaktion auf die Finanzkrise gezogen. Sie haben gelernt, dass sie weitaus effektiver sind, wenn sie koordiniert agieren. Haben sie gewusst, dass die Japaner in den USA anrufen müssen, bevor sie Währungsinterventionen durchführen? Auch vor der gestrigen Währungsintervention haben sie in den USA angerufen, berichtet das Wall Street Journal. Die Frage an dem Ganzen ist natürlich: Warum wird das gemacht? Ich überlasse das einmal ihrer Interpretation. Auch die Schweiz hat sich offenbar mit den USA abgesprochen, bevor sie gegen den Schweizer Franken intervenierte, glaubt die Credit Suisse. Sie rechnet damit, dass die Zentralbanken an den Währungsmärkten jetzt damit beginnen werden sehr konzertiert an den Märkten zu intervenieren. Der US-Dollar stieg gestern gegenüber dem Yen um fast 4%, nachdem Japan 88 Milliarden Euro in die Hand nahm, um Yens zu verkaufen und weitere 88 Milliarden Euro für Assetkäufe und festverzinsliche Kredite freigab. Das Resultat sind immer noch mehr Schulden.

    Es ist jetzt zwar schon Wochenende und das Kurzzeitgedächtnis der Märkte ist ja bekanntlich extrem kurz – aber wenn wir uns an den Dienstag dieser Woche zurückerinnern: Da unterzeichnete der US-Präsident das Gesetz zur Anhebung der Schuldengrenze. Und seither gibt die US-Regierung wieder Vollgas, was die Neuverschuldung angeht. Wie ein Bericht des US-Finanzministeriums jetzt zeigt hat die US-Regierung wahrscheinlich nicht mal eine Stunde vergehen lassen, nachdem der US-Präsident das Gesetz unterzeichnete, um damit zu beginnen, neue Schulden zu machen. Insgesamt wurden von Dienstag auf Mittwoch die Schulden um 240 Milliarden Dollar erhöht – das ist der höchste Anstieg der Schulden jemals in einer so kurzen Zeit. Jetzt steht die Schuldenlast der USA bei 14,58 Billionen Dollar – womit das Bruttoinlandsprodukt von runden 15 Billionen Dollar nun fast erreicht ist. Die USA sind damit so stark verschuldet wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die Märkte scheinen sich dieser ganzen negativen Nachrichten auch bewusst zu werden. Oder es gibt einige Marktteilnehmergruppen, die ganz gezielt die Kurse nach unten drücken, um QE3 zu erzwingen. Ich kann mich dieses Eindrucks einfach nicht erwehren. Auch nach QE1 sind die Märkte eingebrochen, und das stattete Bernanke schließlich mit genügend Argumenten aus, QE2 zu verabschieden. Aber wie dem auch sei – das ist reine Spekulation und ich möchte mich hier an die Fakten halten.

    Meine Damen und Herren - Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende – geraten Sie nicht in Schieflage – Machen Sies gut – ein schönes Wochenende – Ciao Ciao und bis Montag!

    Autor: Jochen Stanzl, Chefredakteur Rohstoff-Report

    Der Rohstoff-Report ist eine Publikation der BörseGo AG

    Blog-Nugget der vergangenen Woche:

    Jon Hilsenrath verhinderte gestern einen DAX-Sell-Off

    Wer ist Jon Hilsenrath?