Das Webinar von Montag, den 09. November, stand erneut im Zeichen der Technischen Analyse der Finanzmärkte und, daraus abgeleitet, der strategischen und taktischen Einschätzung. Die beiden Marktanalysten und Charttechniker der DZ BANK, Dirk Oppermann und Armin Kremser, beleuchteten die aktuelle Situation an den Märkten und gaben einen Ausblick auf die kommenden Wochen und Monate. Stefano Angioni, Derivateexperte und Produktspezialist der DZ BANK, moderierte die Veranstaltung und war für die Auswahl geeigneter Handelsinstrumente zur Umsetzung der unterschiedlichen Strategien verantwortlich.

    WERBUNG

    Aktienmarkt

    Charttechniker und Marktanalyst Armin Kremser begann seine Analysen mit einer aktuellen Einschätzung des Aktienmarktes. Wie gewohnt richtete sich sein Blick zunächst auf den weltgrößten Aktienmarkt in den USA. Die aktuelle Rally bei US-Aktien (gemessen am S&P 500 Index) verläuft nach Ansicht des Experten schon fast zu stark. Das Kursbild im S&P ähnelt dabei ein wenig der Situation im November 2014. Damals kam es im Anschluss an eine solche Rally zunächst zu einem stärkeren Rücksetzer, bevor die Märkte weiter klettern konnten. Mit einem solchen Rücksetzer rechnet Kremser auch in der aktuellen Situation. Der marktbreite S&P 500 Index notiert inzwischen nur knapp unter seinen Jahres- bzw. Allzeithochs. Selbst ein kurzfristiger Ausbruch auf neue Hochs, würde nun nicht mehr zwangsläufig ein neues Kaufsignal bedeuten. Denn die Rally im S&P 500 wird aus Gesamtmarktsicht eher nicht untermauert. So fällt die Erholung bei den US-Nebenwerten, gemessen am Russell 2.000 Index, nicht so stark aus, wie bei den BlueChips (S&P500). Der Nebenwerte-Index ist zudem noch relativ weit von seinem Hoch entfernt und notiert aktuell in der Nähe einiger wichtiger charttechnischer Widerstände. Eine mögliche Jahresendrally sollte zunächst also gedeckelt sein. Auch der NYSE Composite Index, der den gesamten US-Aktienmarkt abbildet, notiert knapp unterhalb wichtiger Widerstandsmarken. Anders das Bild beim Dow Jones Industrial Average. Hier könnte die laufende Rally sogar noch einmal zu neuen Hochs führen. Mit der Elliot-Wave-Analyse lassen sich im Dow Kursziele von 18.250 und sogar 18.590 Punkte ableiten. Die Gefahr kurzfristiger Rücksetzer bleibt jedoch hoch.

    Was Markttechniker Kremser skeptisch macht, ist die fehlende Marktbreite der aktuellen Rally. So bildet beispielsweise der DJ Transportation Index (Index der Transport-Werte) eine bearische „Mega-Divergenz“ zu den Industrieaktien im Dow Jones Industrial Average aus. Während die Industrieaktien momentan eher steigen, fallen die Transportwerte bzw. laufen seitwärts. Solche Divergenzen haben in der Vergangenheit sehr oft Marktwendepunkte angezeigt. Auch die Advance/Decline-Linie, also das Verhältnis steigender zu fallender Aktien, weist im S&P auf die fehlende Marktbreite hin.

    Von der Marktzyklik kommt bis Ende des Jahres hingegen grünes Licht in punkto Jahresendrally. Die letzten Monate eines Kalenderjahres sind statistisch gesehen eher gute Monate. Kremser sieht jedoch für die erste Hälfte des kommenden Jahres eher ein gemischtes Bild für den US-Aktienmarkt. In einem US-Wahljahr verläuft das erste Halbjahr für den Aktienmarkt eher wackelig. Zudem erreichen die kreditfinanzierten Aktienkäufe derzeit ein Niveau, welches sogar noch höher liegt als im Jahr 2000, kurz vor dem Platzen der TMT-Blase. Diese kreditfinanzierten Käufe könnten eine mögliche Abwärtsbewegung bei US-Aktien beschleunigen, wenn beispielsweise die Sicherheiten für diese Finanzierungen nicht mehr ausreichen und Anleger und Investoren dadurch ihre Investitionen deutlich und schnell zurück fahren müssen.

    Das Sentiment, also die Stimmung der Börsianer, zeigt ebenfalls ein gemischtes Bild. Während der Anteil der bullish gestimmten Marktteilnehmer mit der aktuell laufenden Rally weiter anzieht und somit, gepaart mit der Saisonalität, für kurzfristig neue Hochs spricht, hält Kremser den nur recht kleinen Anstieg bei den Zahlen der bearish gestimmten Börsenbriefe Ende September für zu klein, als dass sich daraus schon ein „belastbares“ und zyklisches Tief im Aktienmarkt gebildet haben könnte. In Folge rechnet Kremser mit neuen Verlaufstiefs im kommenden Jahr.

    Beim deutschen Aktienindex DAX stellt sich die Lage ähnlich dar wie an den US-Börsen. Die aktuell laufende Rally stößt im Bereich um 11.070 bis 11.100 Punkte zunächst auf Widerstand. Zusätzlich bremst die 200-Tage-Linie einen weiteren Anstieg aus. Charttechniker Kremser rechnet auch beim DAX zunächst mit einem Kursrücksetzer. Dieser sollte idealtypisch bei rund 10.500 (10.400) Punkten sein Ende finden. Dreht dort dann der Markt, könnte der zweite Teil der Jahresendrally starten. Mit dem Erreichen neuer Allzeithochs rechnet Kremser so schnell zwar nicht, bis auf 11.600 oder 11.800 Zähler könnte der DAX hingegen durchaus klettern. So positiv die kurzfristige
    Einschätzung von DZ BANKer Armin Kremser auch ist, seine skeptische Haltung auf Sicht der nächsten Monate behält der Chartexperte bei. Der Blick auf das Sentiment zeigt beispielsweise, dass der strategische Optimismus weiterhin recht hoch ist und im Zuge des „Herbst-Crashs“ kaum zurückgegangen ist. Auch der „Titelblatt-Indikator“ einschlägiger Börsenmedien ist laut Kremser immer noch viel zu optimistisch, als dass der Markt bereits im Oktober ein belastbares Tief gesehen hätte.

    Fazit

    Einen Großteil der Jahresendrally hat der Markt bereits gesehen. Es bleibt jedoch, nach einem kleineren Rücksetzer, noch restliches Aufwärtspotential bis etwa 11.600/11.800 DAX-Punkte vorhanden. Im ersten Halbjahr 2016 wird sich dann zeigen, ob die Aktienmärkte ein Top ausbilden oder vielleicht sogar in einen Bärenmarkt einschwenken. Bevor Stefano Angioni eine daraus abgeleitete Handelsstrategie vorstellte, beantwortete Armin Kremser zunächst noch Fragen aus dem Publikum. Dabei ging es vor allem darum, „richtige und bedeutende“ Tiefs zu erkennen und die Wahrscheinlichkeiten vom Erreichen bestimmter Fibonacci-Levels herauszuarbeiten.

    Derivate-Spezialist Stefano Angioni griff die Aktienmarktanalysen von Armin Kremser auf und erläutere anhand des Guidants-Desktops der DZ BANK die Auswahl geeigneter Handelsprodukte. Dabei ging Angioni sehr umfassend und ausführlich auf die Frage ein, ob eher Turbo-Zertifikate oder doch klassische Optionsscheine die geeigneten Handelsprodukte sind. Anleger und Trader die auf den zweiten Teil der Jahresend-Rally setzen möchten, finden im Bereich der Hebelzertifikate die besseren Chancen. Bei Optionsscheinen beeinträchtigt der Zeitwertverlust die Rendite einer solchen Handelsstrategie, wenn sich das entsprechend positive Szenario über einen längeren Zeitraum entwickelt, so Produktspezialist Angioni. Anleger sollten daher eher Turbozertifikate nutzen. Ein mögliches Handelsszenario sähe folgendermaßen aus.

    DZ-BANK-Webinar-Aktuelle-Rally-bei-US-Aktien-schon-fast-zu-stark-Kommentar-DZ-Bank-GodmodeTrader.de-1

    DAX long
    Einstieg: Limit ca. 10.450 Punkte
    Kursziel: 11.100 Punkte
    Stopp: ca. 10.200 Punkte

    Rentenmarkt

    Den strategischen und taktischen Ausblick auf den Rentenmarkt, den Dollar und die wichtigsten Rohstoffe wagte anschließend Dirk Oppermann. Der DZ BANKer betonte noch einmal die Wichtigkeit der Analysen verschiedener Märkte (Intermarket-Analyse), um so die künftigen Trends und Entwicklungen noch besser abschätzen zu können. Neben Öl und Gold gab der Marktanalyst diesmal auch seine Einschätzung zu den Preisentwicklungen der Edelmetalle Silber und Palladium bekannt. Diese beiden Rohstoffe wurden von Webinarteilnehmern explizit nachgefragt.

    Doch zunächst zum Rentenmarkt. Laut Charttechniker Oppermann zeigt sich der Bund Future aktuell in einer spannenden Ausgangssituation. Der kurzfristige Aufwärtstrend wurde mit den Marktbewegungen nach Bekanntgabe der letzten Arbeitsmarktdaten aus den USA zunächst einmal verlassen. Aus charttechnischer Sicht präsentiert sich der Rentenmarkt damit angeschlagen. Zwar stützt das letzte Tief (Montagstief) noch ein denkbar bullishes Szenario, dieses Tief sollte jedoch unbedingt gehalten werden, sonst dreht der Chart erst einmal gen Süden und spricht für steigende Zinsen (= fallende Bund-Notierungen). Die weiterhin fallenden Rohstoffpreise, gemessen am CRB-Rohstoff-Index, sprechen hingegen für weiter fallende Zinsen. Hier ist eine Trendwende oder auch eine Bodenbildung im Chartverlauf nicht einmal ansatzweise erkennbar. Diese deflationären Tendenzen dürften steigende Zinsen auf kurze und mittlere Sicht unwahrscheinlich machen. Auch das Sentiment ist derzeit eher pessimistisch für den Bund-Future eingestellt, das spricht nach Ansicht des Börsenexperten Oppermann aus antizyklischer Sicht eher für fallende Zinsen und damit steigende Bund-Notierungen.

    Währungen und Rohstoffe:

    Bei den Währungen sieht Dirk Oppermann mittelfristig einen weiter steigenden US-Dollar, respektive einen fallenden Euro. Zwar spricht die Marktzyklik des zweiten Halbjahr tendenziell eher für einen schwächeren Dollar, die jüngste Stärke der US-Währung, „politisch initiert“, sollte sich lauf Charttechniker Oppermann aber weiter fortsetzen. So unterstützt beispielsweise die Entwicklung der Zinsdifferenz das Aufwärtspotential der US-Währung. Während jenseits des Atlantiks die FED in Kürze die Leitzinsen anheben dürfte, zeigt sich die EZB weiterhin expansiv und deutet weitere Liquiditätsspritzen an. Dies spricht für moderat steigende Zinsen in den den USA und für weiter fallende Zinsen in der Eurozone. Allerdings ist das Sentiment aktuell extrem pessimistisch für den Euro und damit stark optimistisch für den US-Dollar eingestellt. Diese deutliche Positionierung spricht laut Oppermann zunächst einmal dafür, dass sich der Kurs der Gemeinschaftswährung kurzfristig erholen sollte. Viel mehr als eine kleine Erholung in den Bereich von rund 1,09 USD traut Oppermann dem Euro allerdings nicht zu. Denn aus charttechnischer Sicht hat der Euro die bis dato gültige Flaggenbewegung nach unten hin aufgelöst. Nach einem moderaten Pullback sollte sich die Abwärtstendenz beim Euro fortsetzen und schließlich sogar Kursziele im Bereich von 0,97 USD erreicht werden. Die Stärke der US-Währung wird in den kommenden Monaten also eher weiter zunehmen. Diese Situation wird laut Oppermann einen gravierenden Einfluss auf die Entwicklung der Rohstoffpreise haben. Denn der feste Dollar untergräbt den Bodenbildungsprozess beim Ölpreis. Hier läuft die Preisentwicklung des Rohölpreises und beim EUR/USD nahezu parallel. Setzt sich die Dollar-Stärke weiter fort, sollte Öl ebenfalls weiter fallen. Auch das zyklische Umfeld spricht derzeit gegen steigende Rohölpreise. Die letzten drei Kalendermonate eines Jahres sind tendenziell schlecht für den Ölpreis. Zudem ist das strategische Sentiment für Öl weiterhin recht optimistisch gestimmt. Diese Gemengelage macht neue Tiefstkurse beim Schwarzen Gold in den kommenden Monaten sehr wahrscheinlich.

    Ähnlich sieht DZ BANKer Oppermann die Lage beim Goldpreis. Auch hier belastet der steigende Dollar den Kurs des Edelmetalls. Steigende Zinsen in den USA deckeln ein mögliches Aufwärtspotential zusätzlich. Die Stimmung für Gold ist auf kurze Sicht eher negativ, dies lässt einen technischen Rebound wahrscheinlich werden. Doch nach einem kurzen Ausflug gen Norden bis maximal etwa 1.130 USD je Feinunze sollte auch der Goldpreis neue Tiefs erreichen und mittelfristig sogar bis auf ca. 1.000 USD fallen

    Silber präsentiert sich aus charttechnischer Sicht ein wenig besser als Gold. Hier ist der kurzfristige Aufwärtstrendkanal weiterhin intakt. Doch auch der Silberpreis wird von einem steigenden Kurs der US-Währung belastet. Oppermann rechnet hier ebenfalls mit weiteren Tiefs.

    Zuletzt richtete sich der analytische Blick von Herrn Oppermann auf Palladium. Das Edelmetall befindet sich ebenfalls, wie Gold und Silber, in einem langfristigen Abwärtstrend. Allerdings fallen Erholungsbewegungen bei Palladium wesentlich dynamischer und heftiger aus. Der Palladium-Preis zeigt sich deutlich volatiler als die beiden anderen Edelmetalle. Wichtig für die weitere Entwicklung ist, dass die Marke von etwa 600 USD kurzfristig gehalten werden kann, dann sollte Palladium zunächst noch einmal in Richtung 650 USD klettern. Bei Unterschreiten der Unterstützung um 600 USD ist jedoch ein Test der Jahrestiefs bei rund 525 USD wahrscheinlich.

    Mit einem Hinweis auf das kommende Webinar endete die Veranstaltung. Die detailreichen und ausführlichen Analysen der DZ BANK Marktexperten können Sie sich in der Videoaufzeichnung gern noch einmal anschauen.

    Den DZ BANK Guidants Desktop finden Sie hier.

    Sollten Sie noch nicht für das nächste Webinar angemeldet sein, können Sie sich jetzt anmelden.

    Die Aufzeichnung des gestrigen Webinars finden Sie auf YouTube.

    Hinweis:
    Die kurs plus GmbH und die DZ BANK AG übernehmen keinerlei Haftung für die getätigten Aussagen der Referenten in dieser Zusammenfassung des letzten Webinars, die im Rahmen einer mehrteiligen Webinarreihe „Trading für Berufstätige und Vielbeschäftigte“ geäußert wurden. Die Informationen stellen kein Angebot zur Zeichnung oder zum Erwerb von Wertpapieren dar und dürfen weder ganz noch teilweise verbreitet, vervielfältigt oder in sonstiger Weise veröffentlicht werden.