In der vergangenen Woche hatten wir vermutet, dass die Erhöhung des Diskontsatzes in den USA, anders als von den meisten Kommentatoren vermutet, noch keine Zinswende einleiten wird. Prompt beteuerte Notenbankchef Ben Bernanke wenige Tage später in seiner Anhörung vor dem Kongress, dass die Zinsen noch „für einen längeren Zeitraum“ niedrig bleiben werden. Dem Zinsschritt würden nicht zwangsläufig weitere Zinsanhebungen folgen – was an der Wall Street umgehend zu Kursgewinnen führte. Damit ist klar: Zumindest freiwillig wird die Fed die Zinsen so schnell nicht anheben.

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Das ist auch vollkommen logisch, wenn man sich die aktuelle Entwicklung ansieht. Man kann es mit wenigen Worten zusammenfassen: Die überall gefeierte „tolle Erholung“ der Konjunktur findet vor allem in den Medien statt. Die Realität sieht anders aus:

Negativ fielen in dieser Woche etwa die Verkaufszahlen neuer US-Immobilien auf. Gegenüber dem Vormonat ergab sich ein Abschlag von 11,2 Prozent, nach 348.000 Eigenheimen wurden nur noch 309.000 Häuser verkauft. Analysten hatten einen Anstieg auf 355.000 Einheiten erwartet. Damit sind die Verkaufszahlen auf das niedrigste Niveau seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1963 gefallen.
Die erzielten Verkaufspreise rauschten ebenfalls weiter in die Tiefe. Wenn der Immobilienmarkt Zahlen liefert, die schlechter sind als auf dem bisherigen Höhepunkt der Krise vor einem Jahr, dann ist irgendetwas faul. Offenbar gerät die Erholung auf dem US-Häusermarkt sofort ins Straucheln, wenn die US-Regierung ihre Stützungsmaßnahmen für den Immobilienmarkt einschränkt.

Die Zahlen vom Arbeitsmarkt waren ebenfalls keine Offenbarung: Fast 500.000 US-Bürger hatten Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung bestellt. Damit liegen die Zahlen wieder auf Krisenniveau.

Für Sorgenfalten sorgte auch der angeschlagene Immobilienfinanzierer Freddie Mac (FRE). Im vierten Quartal hat der Konzern das nette Sümmchen von 7,8 Milliarden US-Dollar in den Sand gesetzt. Ein Verlust von 2,39 US-Dollar je Aktie.

Dennoch waren die Anleger nur mäßig enttäuscht: Im Vorjahreszeitraum hatte Freddie Mac die unglaubliche Summe von 23,9 Milliarden oder 7,37 US-Dollar je Aktie verloren. So ändern sich die Zeiten: Ein Verlust von 7.800 Millionen US-Dollar wird heutzutage als Erfolg verbucht. Dabei wird gerne übersehen, dass diese „phänomenale Verbesserung“ schlicht auf Basiseffekte zurückzuführen ist, entstanden aus dem Vergleich mit dem desaströsen Vorjahresquartal.

Auch die Kreditausfälle bei gewerblichen Immobilien in den USA geben Anlass zur Sorge: Im vierten Quartal war die Ausfallrate von 1,6 Prozent im Vorjahreszeitraum auf jetzt 3,8 Prozent gestiegen. Ein Anstieg um mehr als 100 Prozent. hat. Hier steht weiterer Abschreibungsbedarf bei den kleineren Banken und den genossenschaftlichen Finanzinstituten in den USA bevor.

Doch dass die Aktien trotzdem steigen, muss nicht einmal ein Widerspruch sein: In der Januar-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs hatten wir untersucht, was dran sein könnte an der Theorie der „Katastrophenhausse“: Wenn die Aktienmärkte nach oben klettern, obwohl die konjunkturellen Daten lausig sind, dann ist das ein ernst zu nehmender Hinweis in diese Richtung. Und da die Zinsen wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage noch längere Zeit in der Nähe der Null-Linie bleiben werden, könnte das Spielchen sogar noch eine Weile weiter gehen.

Beim Dow Jones jedenfalls ist der Trend auf dem Point & Figure Chart weiterhin aufwärts gerichtet. Sollte der Index in der kommenden Woche die Marke von 10.439 Punkte überwinden, könnte der Trend weiter Fahrt aufnehmen.

Ob man sich darüber freuen sollte, das lassen wir einmal dahingestellt. Vor allem im Hinblick auf die jüngsten Entwicklungen in Europa: Für Deutschland lässt sich die aktuelle Lage recht gut anhand einer einzigen Kennziffer zusammenfassen, den Nettoanlageinvestitionen, die sich nominal in etwa auf dem Niveau der frühen 1970er-Jahre befinden. Entsprechend sind die Ausrüstungsinvestitionen auf den niedrigsten Stand im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Erfassung im Jahr 1970 gefallen.

Und dann ist da ja noch die „spannende“ Entwicklung in Griechenland. Nahezu täglich gibt es neue Schlagzeilen, die andeuten, dass die Hellenen in Kürze größere Probleme mit der Refinanzierung ihrer exorbitanten Schulden bekommen könnten.
So berichtet die "Financial Times Deutschland", dass zahlreiche deutsche Banken nicht mehr bereit sind, griechische Staatsanleihen zu kaufen. Kann Griechenland seine Anleihen aber nicht mehr platzieren, dann müsste das Land höhere Zinsen bezahlen – in der Folge würde sich die Schuldenspirale noch weiter beschleunigen.

Nach Lage der Dinge wird es nicht mehr lange dauern, bis es soweit ist. Und dann könnten die Aktien sogar noch stärker steigen: Die Angst vor Staatsbankrotten und Geldentwertung könnte die Flucht in Sachwerte immer stärker anheizen. Es könnte ein heißer Sommer werden...

Wie wir die Lage jetzt einschätzen und was wir unseren Lesern raten, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die in Kürze erscheint.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de