Der „Dreijahres-Tender“ der EZB fand diese Woche reißenden Absatz. Über 500 europäische Banken wollten sich die langlaufenden Kredite holen, die es in dieser Form noch nie gab. Annähernd 500 Mrd. EUR schrieb die EZB den Geschäftsbanken gut – natürlich gegen „Sicherheiten“.

Was eine hinterlegungsfähige Sicherheit ist, legt die EZB fest. Aber was passiert eigentlich, wenn eine Bank Kredit will, aber gar keine vernünftigen Sicherheiten anzubieten hat? Dann muss man tief in die „Ich schnitz mir eine Sicherheit“-Kiste greifen. So geschehen im Fall einiger italienischer Banken.

Man nehme eigene „Schuldscheine“, geht damit zur Regierung und beantragt eine Staatsgarantie. Et voilà! Schon ist die EZB zufrieden. Der eigentlich gar nicht so lustige Gag an dieser Konstruktion: Sollte die Bank, die zu diesem Instrumentarium greift, in die Pleite gehen, dann ist der Garantiegeber – der italienische Staat in diesem Fall – mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit zur Erfüllung der Garantieansprüche gar nicht mehr in der Lage. Man könnte es auch drastischer ausdrücken: Die EZB könnte ebenso gut gar keine Sicherheiten verlangen.

Knapp 500 Mrd. EUR sind durchaus eine respektable Summe, die den Banken einiges an Planungssicherheit verschafft. Die Intentionen der Politik und wohl auch der EZB hinsichtlich der Verwendung der Mittel sind aber leicht zu durchschauen: Die Liquidität soll zum Teil in europäische Staatsanleihen fließen. Und trotz aller Bedenken und Skepsis: so unwahrscheinlich ist das gar nicht. Hierbei sind zwei Aspekte zu beachten:

- Hinsichtlich der höheren Eigenkapitalanforderungen der Banken, die bis Mitte 2012 erreicht werden müssen, erfüllt das Herunterfahren von Staatsanleihen-Positionen keine Funktion. Denn diese sind nach wie vor per Definition ausfallsicher und zählen nicht zu den risikobehafteten Aktiva, auch wenn wir inzwischen alle wissen, dass das graue Theorie ist.
- Erworbene Staatsanleihen können im Rahmen weiterer Refinanzierungsgeschäfte wiederum als Sicherheit hinterlegt werden. Der nächste Dreijahres-Tender der EZB steht bereits im Februar 2012 an!

Die Frage, ob die Banken nun massiv in Anleihen gehen hängt im Wesentlichen davon ab, ob in ihnen die Überzeugung reift, dass die Regierungen und die EZB die Währungsunion unter allen Umständen erhalten wollen. Wenn ja, dann werden sie der Versuchung kaum widerstehen können. Es gab allerdings schon Stimmen von Bankvorständen, die entsprechenden Hoffnungen eine klare Absage erteilten. Man wird es abwarten müssen. Irgendwann wird sich die riesige Liquiditätsreserve einen Weg an die Märkte suchen. Gut möglich, dass diese vorher nochmal einbrechen. Aber dann eröffnet sich eine gigantische Chance – und die sollten wir nutzen!

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle ein schönes und erholsames Weihnachtsfest wünschen! Ein paar Tage ohne Börse sollen ja auch ganz gut tun – wurde mir jedenfalls erzählt….

Ihr
Daniel Kühn