Los ging es in Deutschland am 11. April 2000. Wir zeichnen die Entwicklung einer Erfolgsgeschichte nach, deren Ende noch lange nicht in Sicht ist.

Dem Kindesalter ist der deutsche ETF längst entwachsen. Die Geburtsstunde an der Deutschen Börse war am 11. April 2000. Die beiden ersten auf Xetra handelbaren ETFs bezogen sich auf die Referenzindizes Euro Stoxx 50 und Stoxx Europe 50. Diese ETFs waren gleichzeitig europaweit die ersten. Emittent der beiden Produkte war Merrill Lynch International. Die Produktfamilie gehört heute zu iShares (Blackrock). Ein Jahr später war dann der Dax an der Reihe. Investierbar macht ihn die damalige Hypovereinsbank-Tochter Indexchange. Allerdings übernahm auch hier später Blackrock. Der erste ETF weltweit wurde jedoch schon etliche Jahre zuvor aus der Taufe gehoben. So wurden bereits 1990 die ersten ETFs in Kanada gelistet. Nummer eins in New York war der Standard & Poor’s Depositary Receipt, aufgrund seines Börsenkürzels SPDR auch Spider genannt. Er richtete sich vor allem an institutionelle Anleger.

Wie hat sich der Markt entwickelt?

Anfangs noch wenig von Privatanlegern beachtet, erfreuten sich ETFs in den Folgejahren steigender Beliebtheit. Eindrucksvoll ist der Blick auf das ETF-Fondsvermögen im XTF-Segment. Ende des ersten ETF-Jahres 2000 lag das Volumen bei 0,4 Milliarden Euro. Ende Dezember 2019 konnte der Markt die Rekordmarke von 709,8 Milliarden Euro erreichen. Die jährliche Wachstumsrate des Fondsvermögens über die vergangenen zehn Jahre liegt im Übrigen bei 20 Prozent. Unterstützend dürfte auch das immer größer gewordene Angebot gewesen sein, welches weitere Anlegergruppen angezogen hat. So gab es etwa im Xetra-Handel im Jahr 2000 lediglich zwei ETFs. Ende 2019 waren es schon 1.505. Und auch die Intensität des Handels ist mit steigender Bekanntheit des Produkts nach oben geschnellt. So lag die Anzahl der in einem Monat ausgeführten ETF-Orders bis zum Jahr 2007 bei weit unter 100.000. Ende 2019 verzeichnete die Deutsche Börse schon mehr als 627.000 Stück.

Gründe für diese Explosion

Um ein sinnbildhaftes Beispiel zur Effizienzsteigerung zu geben, sehen wir uns die Schiffswirtschaft an. Früher wurden die Güter mehr oder weniger chaotisch im Schiffsbauch untergebracht. Zwischen den einzelnen Gütern war dabei „viel Luft“. Hier heißt das revolutionäre Werkzeug Container. Ein Blick auf einen mit Containern beladenen Frachter zeigt bereits, wie kompakt und damit effizient ein solcher Transport im Vergleich zu früher ist. Die Verbraucher freut der höhere Umschlag genauso wie die Produzenten. Preise purzeln und die Weltwirtschaft brummt. Genauso verhält es sich in der ETF-Branche.

ETFs werden immer günstiger

Für Privatanleger hat der hohe Zustrom zwei Vorteile: Die Gebühren sinken und das Angebot steigt. Beides ist über die vergangenen Jahre gut belegbar. Dazu eignet sich zum Beispiel ein Blick auf das sogenannte XLM. Das Xetra-Liquiditätsmaß (XLM) stellt implizite Handelskosten dar. Aber nicht nur die Handelskosten sind rückläufig, auch die Gesamtkostenquote (TER) ist längst auf dem Rückmarsch.

Gerade ETFs auf populäre Indizes lassen sich effizient betreiben, was die Gebühren purzeln lässt. Die Anbieter sind auch wirtschaftlich gezwungen, auf die Preise zu achten, denn die Konkurrenz schläft nicht. Dennoch sind die drei großen Anbieter iShares, Xtrackers und Lyxor in Deutschland tonangebend. Aber international große Vermögensverwalter tummeln sich mittlerweile auch hierzulande. Dazu zählen Vanguard und State Street. Bekannte neue Gesichter aus der aktiven Fondswelt sind Fidelity, Franklin Templeton, J.P. Morgan und Goldman Sachs. Es gibt aber auch ganz neue Anbieter im ETF-Sektor wie Expat und Tabula. Hierunter fallen aber auch themenorientierte Anbieter wie HANetf und Rize ETF. Das Angebot in Sachen ETFs wird immer bunter. „Der Fokus hierbei lag vor allem auf Faktor- Strategien und Nachhaltigkeit, der mit Abstand erfolgreichsten Kategorie im Jahr 2019“, sagt Stephan Kraus, Leiter des ETF-Segments der Deutschen Börse.

Fazit:

Der ETF-Markt ist weiter in Bewegung. Beinahe wöchentlich sehen wir neue ETFs, auch neue Emittenten drängen in den Markt. Sowohl bei Groß- als auch bei Privatanlegern ist das Interesse ungebrochen vorhanden. Die Fakten sind schließlich auf ihrer Seite. Auch die Berichterstattung nimmt zu und macht ETFs so bekannter.