Die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen sagte vor nicht allzu langer Zeit, dass es eine neue Finanzkrise zu unseren Lebzeiten nicht mehr geben wird. Ob das zutrifft, kommt wohl aufs Alter an... Generell liegt sie aber nicht ganz falsch. In den letzten 100 Jahren gab es in den USA zwei außergewöhnliche Krisen.

Die erste fand zur Zeit der Großen Depression in den 1930er Jahren statt. Die Wirtschaft schrumpfte im zweistelligen Bereich und die Arbeitslosigkeit lag bei 20 %. Eine Bank nach der anderen meldete Insolvenz an.

Die zweite Krise eskalierte 2008. Sie hatte einen anderen Ausgangspunkt als damals. Pauschal kann man sagen, dass einfach zu viel Kredit gegen zu wenig Sicherheiten vergeben wurde. Ein solches Problem kann immer wieder auftreten. Das gab es auch schon einmal in den 80er Jahren.

In den 80er Jahren verloren Banken zwar mehr Geld (siehe Grafik), aber das Problem weitete sich nicht zu einer großen und globalen Krise aus. Keiner kann garantieren, dass sich eine solche Krise nicht wiederholt, doch die Behörden versuchen aus den Krisen zu lernen.

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In den 80er Jahren lag das Hauptproblem darin, dass Bausparkassen zu laxe Standards anwandten und ein hohes Zinsänderungsrisiko trugen. In den 70er und 80er Jahren stiegen die Zinsen rapide an, weil die Inflation so hoch war. Bausparkassen hatten zu viel Kredit zu niedrigen Zinsen vergeben. Sie mussten sich zu den hohen Zinsen refinanzieren und konnten auf der Kreditseite zu wenig einnehmen.

Heute dürfen Banken nicht mehr das volle Zinsänderungsrisiko nehmen. Dies wurde durch Regulation eingeschränkt. Ebenso wurden nach 2008 die Eigenkapitalvorschriften angepasst. Das Eigenkapital, relativ zur Bilanzsumme der Banken, lag vor 30 Jahren gerade einmal bei 6,6 %. Heute sind es über 10 %.

Die höheren Anforderungen reduzieren natürlich die Eigenkapitalrendite. Diese lag vor der Krise 2008 bei 15 %. Heute sind es 10 %. US-Banken bleiben allerdings unterm Strich Geldmaschinen mit vergleichsweise hohem Eigenkapitalpolster. Solange das so bleibt, ist eine neue Finanzkrise praktisch ausgeschlossen.

Die Politik will die Regeln wieder lockern. Man kann nur hoffen, dass die Lockerung bescheiden ausfällt. Andernfalls wiederholt sich das Schlamassel früher oder später wieder. Bis dahin wird es aber wohl keine neue Krise geben.

Es gibt im US-Finanzsystem mehrere Problemfelder, doch keines reicht aus, um das System in Schieflage zu bringen. Aktuell gibt es zwei Subprime Krisen: Studienkredite und Autokredite. Erstere liegen größtenteils bei der Regierung. Autokredite, vor allem Subprime-Kredite, liegen vor allem in den Bilanzen von Nicht-Banken, die relativ klein sind.

Ob ich persönlich, wie von Yellen vorausgesagt, zu meinen Lebzeiten keine Krise mehr sehen werde, sei dahingestellt. Zumindest aber steht keine Krise unmittelbar bevor, weder heute noch in den 20er Jahren.