Eurokritiker haben gute Argumente. Der Euro führt unter anderem dazu, dass Länder wie Italien nicht einfach ihre Währung abwerten können. Genau das wäre aber notwendig, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Die Gemeinschaftswährung schadet aber nicht nur den Problemländern, sondern auch denen, die angeblich profitieren.

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Über das Zahlungsausgleichssystem (Target2) sitzen Länder wie Deutschland indirekt auf horrenden Forderungen gegenüber Ländern wie Italien. Ob diese Forderungen jemals wieder ausgeglichen werden, ist ungewiss. Sie sind ein Pulverfass. Zerbricht der Euro, werden wir das Geld nie wiedersehen.

Dieses Ungleichgewicht ist nicht das einzige. Die Zinsen sind im Norden zu niedrig, im Süden zu hoch. Eine zu schwache Währung im Norden führt dazu, dass weniger in produktivitätssteigernde Maßnahmen investiert wird. Für den Süden ist die Währung immer noch zu stark und verhindert eine wirtschaftliche Erholung über den Export.

Der Fall liegt irgendwie klar auf der Hand. Die Welt wäre ohne Euro besser.

Stellen wir uns einfach einmal diese Welt ohne Euro vor. In dieser Welt gibt es keine Maastricht-Kriterien, die Anfang der 90er Jahre eingeführt wurden. Sie sollten dafür sorgen, dass Staaten ihre Schulden abbauen und Defizite in den Griff bekommen. Das hat tatsächlich funktioniert (Grafik 1). Staaten senkten ihre Verschuldung deutlich.


Ohne Maastricht kann man sich vorstellen, was geschehen wäre. Staaten hätten niemals gespart. Sie taten es ja nur, damit sie beim Euro dabei sein konnten. Ohne die Euroeinführung hätte es keinen Anreiz gegeben. In diesem Fall hätte sich der Trend der 80er Jahre einfach fortgesetzt.

Italiens Verschuldung wäre nie von 120 % der Wirtschaftsleistung auf 100 % zurückgegangen. Stattdessen wären sie bis Ende der 90er Jahre auf 150 % angestiegen. Das gilt auch für andere Länder. In der Welt ohne Euro steigt die Verschuldung munter an, da es keine Regeln gibt, die das unterbinden.

Anleger haben Anfang der 90er Jahre eine Verschuldung von 100-120 % in heutigen Problemländern mitgemacht. Das ist immer so. Anleger machen mit, bis es ein Ereignis gibt, welches die Risiken aufdeckt. Das wäre in diesem Fall wohl das Platzen der Internetblase und die Rezession Anfang des neuen Jahrhunderts gewesen. Anstatt einer Krise, die vom US-Subprime Markt ausgeht, hätte es eine rein europäische Krise gegeben.

Die Euroeinführung hat diese Krise verzögert. Ohne Euro wäre sie einfach früher gekommen – und weitaus heftiger. Es gab keinen europäischen Rettungsschirm und keine indirekten Haftungen. Es gibt unzählige Beispiele für Staatsbankrotte. In jedem einzelnen Fall kam es zum Währungskollaps und einer Vervielfachung der Armutsquote.

Hätten da Deutschland und andere Länder einfach zugesehen, wie Italien in der Armut versinkt? Vermutlich nicht. Die Regierung hätte natürlich auch eine extreme Rezession bekämpfen müssen, da ein Großteil der Exporte in die Eurozone geht. Trotzdem wäre wohl auch Geld übrig geblieben, um Italien, Spanien usw. zu helfen.

Nationale Notenbanken hätten die Lage übrigens nicht beruhigen können. Ist ein Land zu hoch verschuldet und greift die Notenbank über QE ein, kommt so etwas wie in Venezuela heraus. Ohne die EZB, die von allen Ländern getragen wird und für eine indirekte Haftung steht, lässt sich ein Kollaps nicht verhindern.

Die Welt ohne Euro hätte Europa in eine nie dagewesene Wirtschaftskrise gestürzt. Der Norden hätte auch ohne Euro gezahlt. Immerhin wäre es danach vielleicht besser als heute. Der Euro ist ja nun auch nicht das Gelbe vom Ei. Da darf man sich nichts vormachen. Dass ohne Euro alles rosig wäre, halte ich allerdings für eine sehr einseitige Vorstellung.