Die deutschen Einzelhandelsumsätze sind im Januar real um 4,5 Prozent gegenüber dem Vormonat zurückgegangen. Gegenüber dem Vorjahres- und damit auch Vorkrisenwert beträgt der Rückgang sogar 8,7 Prozent. Damit ist der Umsatzrückgang in etwa so stark wie im April vergangenen Jahres und der Einzelhandel steht in etwa wieder dort, wo er schon im letzten Lockdown stand. Das ist nicht verwunderlich – schließlich haben ja quasi alle Geschäfte geschlossen. Im Detail zeigen sich die altbekannten Muster: Umsätze mit Bekleidung mussten einen Rückschlag von mehr als 75 Prozent hinnehmen. Lebensmittelgeschäfte (plus 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr) profitierten von geschlossenen Restaurants und Kantinen und der Gewinner war der Internethandel mit einem Plus von 31,7 Prozent.

Wie sind die weiteren Aussichten? Im vergangenen Jahr hat der Handel insgesamt rund 5 Prozent gegenüber 2019 zugelegt. Wird sich dies in diesem Jahr wiederholen? Es gibt natürlich einen riesigen Nachholbedarf, sobald die Geschäfte wieder geöffnet haben. Nur: In diesem Jahr kann es sich noch einige Zeit hinziehen, bis das passiert. Vor dem Hintergrund der immer noch hohen – und zuletzt sogar leicht steigenden – Inzidenzzahlen sind wir per Stand jetzt skeptisch, dass sich die Ministerpräsidenten im Rahmen der morgigen Videokonferenz mit der Kanzlerin auf eine rasche Öffnung einigen werden. Diese Perspektive fehlt dem Handel aber dringend. Ein Hoffnungsschimmer bieten die Schnelltests, die – intelligent eingesetzt – einige Lockerungen möglich machen sollten.

Hinzu kommt: Wenn die Geschäfte wieder öffnen, dürften auch zahlreiche Dienstleistungen wieder möglich werden. Im vergangenen Jahr hat der Handel ja auch davon profitiert, dass es wenig alternative Konsummöglichkeiten gab. Das dürfte dieses Jahr anders werden. Mit Fortschreiten der Impfkampagne werden auch mehr und mehr Restaurant- und Kinobesuche oder Urlaubsreisen möglich sein.

Fazit: Alles in allem keine guten Aussichten für den stationären Einzelhandel. Interessant wird sein, wie sich in den kommenden Monaten und Jahren die Innenstädte verändern werden.