Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Seit 2019 sind die Notierungen für Eisenerz stark gestiegen und haben im Juli mit knapp 220 US-Dollar pro Tonne ein neues Allzeithoch erreicht. Ein Grund für die Rally ist aus Sicht der Postbank die chinesische Stahlproduktion, die seit Ende 2015 durchschnittlich um 5,7 Prozent jährlich wachse. Trotz einer Verlangsamung im zweiten Quartal dürfte die Stahlnachfrage in China im ersten Halbjahr 9 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen und die Eisenerzpreise stützen, erwarten die Analysten. Die starke Nachfrage aus der Automobil- und Bauindustrie habe außerdem dazu geführt, dass die chinesischen Eisenerz-Lagerbestände im zweiten Quartal um 8 Mio. Tonnen gesunken seien.

Auch in anderen Ländern ist die Stahlnachfrage kräftig angezogen. So haben indische Unternehmen laut Postbank ihre Produktion von Januar bis Mai im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent ausgeweitet. Die US-Stahlwerke kämen auf eine Kapazität von knapp 84 Prozent - so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Auch die meisten Anlagen in Europa seien zu mehr als 90 Prozent ausgelastet. Insgesamt stieg die Produktion außerhalb Chinas in den ersten 5 Monaten um 14 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2021.

Die Postbank erwartet, dass die Nachfrage auf den westlichen Märkten vorerst stark bleibt. Für das zweite Halbjahr sei aber mit einem deutlichen Anstieg der Eisenerzexporte der großen Produzenten zu rechnen – allen voran aus Brasilien. Im Zusammenspiel mit der Verlangsamung der Stahlproduktion in China könnte diese Entwicklung zu rückläufigen Notierungen bei Eisenerz führen. Eine scharfe Korrektur sei aber nicht zu erwarten.