Globaler Überblick: Der weitere Verlauf der Infektions- und Sterberaten und die Dauer und Schärfe der Gegenmaßnahmen werden bis auf Weiteres die entscheidenden Einflussgrößen für die Finanzmärkte sein. Je nachdem, welches Szenario man unterstellt, sind die Kurse bei Aktien und Anleihen vieler Schwellenländer attraktiv bis sehr günstig einzuschätzen oder noch mit erheblichen Abwärtsrisiken behaftet.

Ein nachhaltiger Aufschwung ist zu erwarten, wenn das Ende des wirtschaftlichen Ausnahmezustands absehbar ist.

Problem "Knappheit an Dollar-Liquidität":
Mit den riesigen neuen Fiskalprogrammen der US-Regierung erfordern zusätzlich große Dollarmengen. Die US-Notenbank hat auch deshalb faktisch unbegrenzte Staatsanleihekäufe angekündigt und richtete ähnlich wie 2008/2009 Dollar-Swap-Linien im Umfang von hunderten Milliarden Dollar für Notenbanken ein. Ob damit das Problem ausreichend entschärft werden kann, bleibt abzuwarten. Je länger die derzeitige Ausnahmesituation andauert, umso mehr werden aus Liquiditätsproblemen Solvenzprobleme.

Zur aktuellen Aktien-Bewertung: Die Bewertungen bei Schwellenländer-Aktien sind auf historischer Basis attraktiv. Wenn die Pandemie noch für längere Zeit anhält, könnte der Boden aber noch nicht erreicht sein. Im Übrigen würden die Bewertungen auf künftiger KGV-Basis bei einem dauerhaften Wegbrechen der Gewinne natürlich sehr viel höher liegen als derzeit.

Zur aktuellen Anleihe-Bewertung: Auf Basis der Renditeaufschläge gegenüber US-Staatsanleihen handeln Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen auf vergleichbaren Niveaus wie zur globalen Finanzkrise 2008/2009. Auf absoluter Basis liegen die Renditen natürlich noch deutlich unter den damaligen Werten. Bei den Lokalwährungsanleihen ist bei den Renditen (noch) gar nicht einmal so viel nach oben passiert; hier haben vor allem die Währungen reagiert. Die Währungen etlicher lateinamerikanischer Staaten sowie Südafrikas, Indonesiens und Russlands werteten seit Jahresbeginn an die 20 % zum US-Dollar ab.

Einschätzung zur "Post-Corona-Welt": Das Einpreisen künftiger Entwicklungen ist kaum möglich. Hohe Kursschwankungen dürften uns für längere Zeit begleiten. In dem Zsh. ist festzuhalten, dass auch vor Covid-19 die Weltwirtschaft bereits mit niedrigem Wachstum und zu hohen Schuldenbergen kämpfte. Die Schuldenberge werden jetzt noch sehr viel größer. Gleichzeitig stellen die jetzigen imposanten Fiskalpakete kaum echte Investitionen in künftiges Wachstum dar, sondern sollen v.a. das Schlimmste verhindern helfen. Daher ist derzeit auch kaum abschätzbar, wie ein „normalisiertes“ globales Wachstumsbild aussehen wird.