New York (GodmodeTrader.de) - Spannungen im Handelsstreit zwischen China und den Vereinigten Staaten, mögliche zusätzliche Sanktionen gegen Russland und die Volatilität am brasilianischen Aktien- und Währungsmarkt infolge des komplizierten Gesetzgebungsprozesses und der Reform des Sozialsystems: All diese Faktoren tragen nicht unbedingt zu positiven Aussichten für Aktien aus Schwellenländern bei, wie James Donald, Head of Emerging Markets Platform bei Lazard Asset Management, in einem Marktkommentar schreibt.

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„Angesichts der vielen Risiken, denen Investoren aus Schwellenländern weiterhin ausgesetzt sind, kann es schnell passieren, dass die positiven Aspekte übersehen werden“, sagt Donald.

Trotz der niedrigeren Weltwirtschaftsprognose des Internationalen Währungsfonds für das Jahr 2019, die von 3,9 Prozent auf 3,5 Prozent gesenkt wurde, sei es wichtig festzustellen, dass die Entwicklungsländer zunehmend den Großteil des globalen Wachstums antreiben könnten und dass der Abstand der Wachstumsrate gegenüber den entwickelten Märkten in diesem Jahr wieder zu Gunsten der Schwellenländer steigen dürfte, heißt es weiter.

„Dies war bereits in der Vergangenheit ein Katalysator für die Outperformance von Schwellenländeraktien“, sagt Donald. Die Fundamentaldaten in den Schwellenländern seien nach wie vor relativ solide, die volkswirtschaftlichen Bilanzen stabiler als erwartet, und die Haushaltsdefizite im Allgemeinen weiterhin in guter Verfassung. Die Realzinsen seien im Vergleich zu den entwickelten Märkten relativ hoch. Die Zinssätze lagen zuletzt auf ähnlichem Niveau wie im Jahr 2016, kurz bevor die Vermögenswerte über einen Zeitraum von zwei Jahren wieder stark anstiegen.

In Lazards Emeging Markets Strategie habe das Team einige Titel neu aufgenommen und bestehende Positionen ausgebaut, in denen risikoadjustierte Aufwärtstrends interessant seien. „Nachdem wir unsere Beteiligungen in der Türkei und in Brasilien, die sich aufgrund des Ergebnisses der Präsidentschaftswahlen erholt hatten, im dritten Quartal deutlich reduziert haben, haben wir uns stattdessen an einer chinesischen Bank, einem Stahlunternehmen mit Aktivitäten in ganz Lateinamerika sowie Unternehmen im Material- und Energiesektor in Indien beteiligt“, sagt Donald.

Während der breitere indische Markt relativ teuer sei, gäbe es preiswerte, überzeugende Möglichkeiten auf Bottom-up-Basis. Während Russland, Indonesien und die Türkei sowie die Bereiche Informationstechnologie, Finanzen und Energie übergewichtet würden, seien die Sektoren China, Taiwan, Malaysia und Konsumgüter, Immobilien und Gesundheitswesen aufgrund des allgemein erhöhten Bewertungsniveaus nach wie vor untergewichtet.

Während Südafrika aufgrund seines relativ schwachen Kreditwachstums und sinkenden Ertragserwartungen zeitweise als wirtschaftlich instabil angesehen werden könne, gelte Cyril Ramaphosa's Wahlsieg zum Präsidenten mit fast 60 Prozent der Stimmen, die er bei den Parlamentswahlen am 8. Mai 2019 erhalten habe, als positiver Katalysator. „Die letzten Wahlen dienten gleichzeitig als Referendum, und es besteht große Hoffnung, dass Ramaphosa die dringend benötigten Reformen durchsetzen kann, einschließlich einer wachstumsfördernden Agenda“, so Donald.

Es sei davon auszugehen, dass mehrere gut gemanagte, preiswerte und gewinnstarke Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Finanzen, Grundnahrungsmittel, Verbrauchsgüter, Gesundheitswesen und Kommunikationsdienstleistungen kurz- bis mittelfristig davon profitieren würden. Für die Zukunft sei zu erwarten, dass sich das US-Gewinnwachstum abschwächen werde, da die Auswirkungen der Steueranreize im Jahr 2019 nachließen, möglicherweise bis auf ein Niveau unterhalb dem der Schwellenländer.

Aufgrund der niedrigeren Bewertungen nach den Aktienrückgängen im Jahr 2018 sei der Abschlag des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) der Schwellenländer im Vergleich zu US-Aktien auf etwa den 20-Jahres-Durchschnitt von 25 Prozent gewachsen. Zum Ende des dritten Quartals des Vorjahres sei der Bewertungsabschlag auf US-Aktien mit knapp 40 Prozent am größten gewesen. „Damit bietet sich für langfristige Investoren ein besonders attraktiver Einstiegspunkt, um eine Beteiligung in branchenführenden Unternehmen mit potenziell höheren Wachstum als in den Industrieländern zu erhalten“, sagt Donald.

Aktien aus Schwellenländern böten außerdem attraktive Free-Cashflow-Renditen (5,5 Prozent gegenüber 4,7 Prozent in den entwickelten Märkten und 4,6 Prozent in den USA) und Möglichkeiten zur Dividendenerhöhung - die Dividendenrendite des MSCI Emerging Markets Index liege bei rund 2,7 Prozent gegenüber 1,8 Prozent für den S&P 500 Index. Im Gegensatz dazu liege die Dividendenrendite von Lazard Emerging Markets Equity bei knapp 4,1 Prozent, heißt es weiter.

„Obwohl makroökonomische und politische Fragen die Anlageklasse weiterhin beeinflussen werden, sei zu erwarten, dass eine Fokussierung auf die Fundamentaldaten von Unternehmen zu einer verbesserten Performance des Portfolios führen würde. Darüber hinaus dürfte sich das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern trotz des jüngsten Rückgangs der globalen Wachstumserwartungen fortsetzen und konjunktursensiblere Aktien dürften wieder attraktiver werden“, so Donald.