Die Pandemie trifft viele Emerging Markets hart. Daran besteht kein Zweifel. Viele hatten auch einfach nicht das Geld, um wie entwickelte Länder beim Bieterwettkampf um Impfstoff mitzumachen. Gesellschaftlich war und ist es eine schwierige Krise. Hier soll es allerdings um die Geldpolitik gehen.

Emerging Markets sind in Krisenfällen oft zu einer Wahl zwischen schlechten Alternativen gezwungen. Globale Krisen, sei es die Coronakrise oder die Finanzkrise, führen bei Investoren zu Panikreaktionen. Sie fürchten um ihr Kapital. Von heute auf morgen wird aus Risikofreude eine ausgeprägte Risikoaversion.

Für Emerging Markets (EM) bedeutet das, dass Investoren Kapital abziehen. Investoren wollen ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Sie verkaufen dafür z.B. Anleihen von EM und bringen das Geld nach Hause. Daher werten Währungen wie der Dollar, Yen oder der Euro in Krisenzeiten gegenüber Währungen wie dem brasilianischen Real oder südafrikanischen Rand auf.

EM sind häufig auf Importe wichtiger Güter angewiesen. Wertet die heimische Währung ab, steigt die Inflation. Nun muss sich die Notenbank entscheiden. Rettet sie die Währung oder die Wirtschaft? Für gewöhnlich erhöhen Notenbanken die Leitzinsen mitten in der Krise, um die Währungsabwertung zu stoppen. Hohe Zinsen verschlimmern den Abschwung.


Sie könnten die Zinsen auf tiefem Niveau belassen, doch dann gerät die Inflation außer Kontrolle. Auch das ist mittelfristig für die Wirtschaft nicht gut. Die meisten entscheiden sich daher für Zinserhöhungen. Diese locken wieder Kapital an und verhindern einen Währungskollaps.

Fließt Kapital ab, tauschen Investoren die lokale Währung gegen harte Währungen wie den Dollar. Das führt dazu, dass die Währungsreserven schwinden. Je mehr Währungsreserven ein Land hat, desto eher kann es eine Währungskrise verhindern. Reserven sind aus diesem Grund viel wert und wer kann, hält möglichst viel davon.

Während der Finanzkrise oder auch der Rohstoffkrise 2014-2016, als Rohstoffpreise regelrecht in einen Crash übergingen, reduzierten sich die Reserven vieler Länder. Kapital floss ab und Notenbanken intervenierten auf dem Devisenmarkt, um die Währung zu stützen.

Auch zu Beginn der Coronakrise floss zunächst so viel Kapital ab, dass die Reserven kleiner wurden. Dann gaben Notenbanken in den USA, Europa und Japan richtig Gas. Zinsen fielen und es wurden im ersten Krisenmonat über eine Billion Dollar gedruckt. Das beruhigte nicht nur den Finanzmarkt, sondern ermöglichte auch EM eine expansive Politik. Trotz expansiver Politik kollabierten die Währungen nicht und die Reserven stiegen.

Man kann nicht alle EM in einen Topf werfen. Die Türkei ist ein Sonderfall. Hier sinken die Reserven tendenziell weiter. Einige Rohstoffexporteure wie Sambia müssen auf Reserven zurückgreifen. Sambia exportiert zwar Kupfer, dessen Preis gestiegen ist, hat dafür jedoch andere Probleme. Gleiches gilt für Nigeria. Der Ölpreis ist für einen ausgeglichenen Haushalt nicht ausreichend.

Es gibt eine ganze Reihe an EM, die ihre Reserven massiv steigern konnten. In Bangladesch liegt das Niveau der Reserven heute 40 % über dem Vorkrisenniveau. Gleiches gilt für Namibia, Indien oder Chile. Auch Mexiko, Russland oder Thailand konnten ihre Reserveposition deutlich stärken (Grafik 2).

Ohne China und Japan (in Grafik 1 enthalten), konnten die übrigen Länder ihre Reserven um fast 300 Mrd. ausbauen. Das rüstet diese Länder für zukünftige Krisen. Gesponsert wurde es durch die ultralockere Geldpolitik insbesondere in den USA.

Clemens Schmale


Tipp: Als Abonnent von Godmode PLUS sollten Sie auch Guidants PROmax testen. Es gibt dort tägliche Tradinganregungen, direkten Austausch mit unseren Börsen-Experten in einem speziellen Stream, den Aktien-Screener und Godmode PLUS inclusive. Analysen aus Godmode PLUS werden auch als Basis für Trades in den drei Musterdepots genutzt. Jetzt das neue PROmax abonnieren!