„Emerging Markets stellen in einer Zeit globaler Konvergenz eine renditeträchtige Anlagealternative dar“, so Dr. Dietmar Hornung, Volkswirt bei der DekaBank. Die Mechanismen der Konvergenz, die bisher insbesondere für die Entwicklung in Mittel- und Osteuropa prägend waren, würden nun im globalen Maßstab zu wirken beginnen, so der Experte auf einem Emerging Markets-Workshop der Sparkassenakademie und der DekaBank in Frankfurt. „Was wir derzeit erleben, ist ein mächtiger Aufholprozess. Länder wie China, Indien oder Brasilien stehen an der Schwelle zu etablierten Volkswirtschaften.“ Für Investoren gäbe es in diesem Umfeld auch nach drei Jahren Rallye in den Emerging Markets noch beträchtliche Chancen. Neben den DekaBank-Volkswirten Dr. Dietmar Hornung und Mauro Toldo referierten Dr. Paul Terres aus dem Fondsmanagement der Deka Investment sowie Prof. Dr. Markus Taube, Leiter des Fachgebiets Ostasienwirtschaft/China an der Universität Duisburg-Essen und Dr. Moritz Kraemer, Teamchef Europa bei Standard and Poor’s, London.

Die Region Mittel- und Osteuropa steht nach Ansicht von Hornung derzeit im Zeichen von Wahlen und Wachstum. Im Wahlreigen der Konvergenzländer machte Bulgarien Ende Juni den Anfang. Nach monatelangem Ringen wird das Land nun aus einer stabilen Koalition aus Sozialdemokraten und Zarenbewegung geführt. Einen Beitritt zur Europäischen Union (EU) im Jahr 2007 hält Hornung für wahrscheinlich.

Richtungsweisend für die mitteleuropäischen Reformstaaten würden die Parlamentswahlen in Polen am 25. September 2005 sein. Hornung rechnet bei diesem Urnengang mit einer bürgerlichen Mehrheit. Dies wäre für die Ambitionen des Landes, der Europäischen Währungsunion (EWU) beizutreten, ein positives Signal. 2006 folgen Parlamentswahlen in der Slowakei, der Tschechischen Republik und Ungarn. Mit einem Wirtschaftswachstum von 3 bis 6 Prozent haben diese mittel- und osteuropäischen Zugpferde Europas alte Wachstumslokomotiven zwischenzeitlich abgehängt.

„Auch die Türkei befindet sich nach wie vor auf gutem Kurs in Richtung Europa“, so Hornung. Ministerpräsident Recep Erdogan habe für den Weg in die EU in den vergangenen Jahren umfangreiche politische und institutionelle Reformen voran gebracht. Hornung rechnet in diesem Zusammenhang mit dem planmäßigen Beginn von Verhandlungen über einen Beitritt am 3. Oktober 2005. Neben der guten Kooperation mit der EU sei die enge Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) entscheidend für eine anhaltend gute wirtschaftliche Entwicklung. „Unser Risikomodell Deka Country Risk Indicator (DCRI) zeigt eine strukturelle Verbesserung des Landes. Auch wenn die Liquiditätssituation in der Türkei weiterhin eine offene Flanke darstellt“, betont der DekaBank-Volkswirt.

Mauro Toldo rechnet in Lateinamerika in den kommenden Monaten mit einer Fortsetzung der fundamentalen Verbesserung. Insbesondere die anhaltend hohen Rohstoffpreise sprächen für eine positive außenwirtschaftliche Entwicklung. Aber auch im Haushalt werde sich die Rohstoffhausse positiv auswirken. Venezuela sei aufgrund der hohen Öleinnahmen bereits Netto-Kreditgeber.

Neben den guten Exportaussichten zeichne sich die inländische Nachfrage als zweite Wachstumssäule in der Region ab. Eine weitere Erholung der Investitionen sollte mit der erwarteten Lockerung der Geldpolitik in Brasilien und Mexiko einhergehen.

Die Achillesferse der Region ist nach Ansicht der DekaBank-Volkswirte weiterhin die Politik: Im Vorfeld der Wahlen sei mit einem Reformstillstand zu rechnen. „Die Schlammschlacht in Brasilien und Mexiko hat schon angefangen und wird bis nach den Wahlen nicht aufhören“, sagt Toldo. Die politische Unsicherheit hemme die Wachstumsaussichten und dürfte auch fällige Heraufstufungen durch die Rating-Agenturen weiter verzögern. Jedoch hätten diese Länder die günstigen Refinanzierungskonditionen der vergangenen Monaten genutzt um ihre Verschuldungsstruktur weiter zu verbessern, und den Aufbau der lokalen Märkte voranzutreiben. Viele Länder hätten in der ersten Hälfte des Jahres den Finanzierungsbedarf für dieses Jahr abgedeckt und bereits die Vorfinanzierung für das nächste Jahr gestartet. So verhinderten sie Engpässe im Fall eines Stimmungsumschwungs an den Märkten. „Ein moderater Anstieg des internationalen Zinsniveaus ist bereits eingepreist. Eine deutliche Verschlechterung der Finanzierungslage der zentralen Emerging Markets ist daher nicht zu erwarten“, so Lateinamerika-Experte Toldo.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von rund 130 Mrd. Euro gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.