Unbedingt in jedes Depot gehören Rohstoffe, sowohl wegen ihrer portfoliotechnischen Eigenschaften (keine Korrelation mit Aktien oder Renten) als auch wegen ihres nachhaltigen fundamentalen Potentials. Beides schützt freilich nicht vor kurzfristigen Einbußen; „Commodities“ sind eine hochvolatile Anlageklasse, von der man bei aller Phantasie genauso wenig einen kontinuierlichen Anstieg erwarten darf wie von DAX, EURO STOXX 50 & Co. Die jüngsten Preisrückgänge sind für Langfrist-Investoren also kein Alarmsignal, sondern allenfalls ein Anlass, um die bestehende Allokation zu überprüfen und ggfs. nachzukaufen oder umzuschichten. Dies gilt umso mehr, als die Flut der Rohstoff-Produkte nach wie vor ungebrochen ist, wofür vor allem Goldman Sachs sorgt: Das US-Haus präsentiert erstmals Bonus-Zertifikate auf sämtliche Subindizes seiner GSCI-Familie, was wir zum Anlass nehmen drei optimale Rohstoff-Portfolios vorzustellen.

Den Anfang macht dabei eine stark sicherheitsorientierte Strategie – denn trotz ihres unzweifelhaften „Megatrend“-Charakters leiden Rohstoffe noch immer unter dem „Schmuddelimage“ dubioser Terminmarkt-Buden („500 Prozent mit Schweinebauch-Futures“). Mit dem „Commodity“-Markt an sich hat das zwar nichts zu tun, trotzdem ist es nur allzu verständlich, wenn manch einer sich hier nur in „Vollkasko-Manier“ engagieren will. Basis unserer defensiven Allokation ist folglich ein Garantieprodukt, das „GSCI Rainbow“-Zertifikat von Goldman Sachs. Bei Fälligkeit im Oktober 2010 wird das Papier auf jeden Fall zu 100,00 Euro zurückgezahlt (in Relation zum aktuellen Briefkurs von 101,53 Euro beläuft das finanzielle Risiko sich also auf lediglich 1,5 Prozent); hinzu kommt eine 95prozentige Partizipation an der positiven durchschnittlichen Wertentwicklung der fünf GSCI-Sektoren Energie, Industriemetalle, Edelmetalle, Agrarwirtschaft und Vieh. Der „Rainbow“-Mechanismus sorgt dabei für eine rückblickende Optimierung: Der beste Sub-Index wird am Ende mit 30, der zweitbeste mit 25 und der drittbeste mit 20 Prozent gewichtet; für die beiden „Flop-Sektoren“ bleiben also nur noch 10 bzw. 15 Prozent übrig.

Aus heutiger Sicht haftet dem Papier natürlich der für Garantie-Investments typische Steuermalus an, was einen wirklich auf Sicherheit bedachten Anleger indes nicht allzu sehr stören sollte – erstens ist es immer noch besser, Gewinne zu versteuern als Verluste zu erleiden; zweitens könnte die fiskalische Benachteiligung kapitalgarantierter Produkte ja in den nächsten fünf Jahren beseitigt werden und weil der gesamte Ertrag erst am Ende fließt (keine zwischenzeitlichen Kupons!), würde man von einer eventuellen Neuregelung voll profitieren. Außerdem gefällt das „GSCI Rainbow“ durch seine breite Diversifikation; der Mechanismus vermeidet die dem „großen“ GSCI innewohnende Klumpenbildung und deshalb können hier auch ruhig bis zu 40 Prozent des für Rohstoffe vorgesehenen Kapitals investiert werden.

An zweiter Stelle (35 Prozent Gewichtung) steht das konservativste Bonus-Zertifikat auf den GSCI. Die Schwelle des im Herbst 2003 emittierten Produkts ist bei 327,51 Punkten platziert, über 50 Prozent unter dem aktuellen Index-Stand. Damit hat man zwar keine definitive Garantie, aber immerhin eine attraktive „Teilkasko-Versicherung“ gegen anhaltende Preisrückgänge. Geld verdient wird allerdings nur, wenn die Rohstoff-Preise weiter steigen – der Bonus-Betrag beläuft sich lediglich auf 140,00 Euro, das Zertifikat kostet bereits 135,77 Euro. Sofern die Schwelle jungfräulich bleibt, wird bis zur Fälligkeit im November 2009 also gerade einmal ein Rendite-Sockel von 0,67 Prozent geboten. Doch es geht ja um Sicherheit und da diese sich hier mit einer unbegrenzten 100 Prozent-Partizipation an steigenden Kursen paart, verdient das Papier durchaus Beachtung.

Hinzu kommt (für Kapitalschützer gerade zu ein Muss) ein Engagement im Edelmetall-Bereich, gleichzeitig eines der „Highlights“ im Sortiment von Goldman Sachs: Das Bonus-Zertifikat auf den GSCI Precious Metals Index. Diese Bezeichnung ist freilich etwas irreführend, denn von vier Edelmetallen sind nur zwei mit von der Partie und Gold beansprucht satte 90 Prozent Gewichtung (der klägliche Rest entfällt auf Silber). Unter Diversifikationsaspekten kann man da kaum noch von „Index“ sprechen, pragmatisch gesehen bekommt der Anleger damit eine absolute Innovation serviert, nämlich ein währungsgesichertes (!) Bonus-Papier auf Gold. Mit 25 Prozent Abstand zur Barriere und einer Bonus-Rendite von ebenfalls 25 Prozent entsprechend 3,8 Prozent p.a. ist das am kommenden Montag in den Börsenhandel eingeführte Produkt zwar keine Rendite-Maschine; die Tatsache, dass ein solches Zertifikat überhaupt lanciert wird, kommt jedoch bereits einer Sensation gleich. Gold hat eine maue Volatilität, zahlt keine Dividenden, bringt keine attraktiven Leihesätze und auch die Terminmarkt-Kurve ist nicht übermäßig attraktiv – und trotzdem machen die „Goldmänner“ ihrem Namen alle Ehre und bieten dem Anleger zusätzlich zur unbegrenzten Partizipation und zur Quanto-Komponente noch die Chance auf einen Renditesockel. Mit diesen Eigenschaften macht das bis April 2011 laufende „Precious Metals Bonus“ die laufzeitbegrenzten Quanto-Zertifikate auf Gold (etwa ISIN DE 000 TB9 709 2) von HSBC Trinkaus & Burkhardt) zumindest aus Sicht des Langfrist-Anlegers überflüssig.

Wer nicht ganz so stark auf Sicherheit setzen will, wird sich dagegen eher mit unserem renditeoptimierten Strategie-Vorschlag anfreunden können. Hier versuchen wir, durch eine Mischung verschiedener Strukturen auf die drei Sektoren Energie (35%), Agrarwirtschaft (40%) und Industriemetalle (25%) eine risikogepufferte Überrendite zu Indizes wie dem GSCI oder dem sehr breiten RICI Rogers International Commodity Index („Open End“-Zertifikat von ABN Amro: ISIN NL 000 042 780 5) zu erwirtschaften. Das Schwergewicht kommt erneut aus dem Hause Goldman Sachs – ein ebenfalls frisch emittiertes, aber bereits seit einigen Tagen börsennotiertes Bonus-Zertifikat auf den GSCI Agriculturals Index. Dass die Agrarprodukte für die nächsten Jahre das größte Potential versprechen, haben wir bereits mehrfach erörtert; das Bonus-Investment ist nun die passende „Teilkasko-Versicherung“ für den Fall, dass die Renaissance von Weizen, Mais & Co. etwas länger dauert als gedacht: Sofern der Agrar-Index in den nächsten sechs Jahren niemals auf 46,24 Punkte fällt (die Schwelle liegt 26,5 Prozent unter dem aktuellen Index-Stand und 18,2 Prozent unter dem historischen Tief!), winkt im März 2011 eine Bonus-Rendite von 36,8 Prozent bzw. immerhin 5,47 Prozent p.a. Auch hier gibt es selbstverständlich keinen Cap nach oben.

Für den Energiebereich sind wir zwar ebenfalls optimistisch; das kürzlich von den Goldman Sachs-Analysten herausposaunte Preisziel von 100 US-Dollar pro Barrel erscheint jedoch selbst mittelfristig deutlich zu hoch gegriffen und sollte eher als Indiz für ein hohes spekulatives Interesse vieler Marktteilnehmer gelten. Realistischer erscheint eine Stabilisierung der Notierungen im Rahmen des langfristigen Aufwärtstrends. Auf diese Erwartung resultiert eine duale Strategie; die vorgesehenen 35 Prozent werden zu gleichen Teilen auf den „Brent Crude Oil Rolling Discount“ von ABN Amro sowie ein „Oil Buffer“-Zertifikat von JPMorgan verteilt. Mit Blick auf den „Roller“ bevorzugen wir allerdings eindeutig die nicht währungsgesicherte Variante, und zwar nicht nur aus Gründen der Diversifikation (alle anderen Papiere der Allokation kommen mit Quanto-Komponente daher), sondern vor allem wegen der Kosten: Durch das Zinsgefälle zwischen dem Dollar- und den Euro-Raum drückt die Umgehung des Wechselkurs-Risikos zu stark auf die jeweils für drei Monate fixierte maximale Rendite.

Die „Oil Buffer“-Zertifikate werden dagegen momentan von einer gemessen an den Verhältnissen der letzten Monate sehr ungewöhnlichen Entwicklung am Terminmarkt beeinflusst. Nachdem die kurzfristigen Futures lange Zeit teurer waren als die langfristigen Kontrakte (sog. „Backwardation“-Situation) hat die Preisstruktur sich nun ins Gegenteil verkehrt – plötzlich ist Öl „am langen Ende“ teurer als bei schneller Lieferung. Das spricht einerseits dafür, dass augenblicklich keine Versorgungsengpässe mehr bestehen oder befürchtet werden; andererseits scheinen die Marktteilnehmer mittel- bis langfristig kein großartiges Abwärtspotential zu sehen. Gleichzeitig hat diese auch als „Contango“ bezeichnete Konstellation der Futures-Preise dazu beigetragen, dass die „Oil Buffer“-Zertifikate in den letzten zwei Wochen deutlich weniger eingebüßt haben als das „schwarze Gold“ selbst. Kehrseite der Medaille: Abgesehen vom bis September 2008 laufenden Papier mit einer Schwelle bei 27,20 US-Dollar liegen die erzielbaren Bonus-Renditen weiterhin unter sechs Prozent p.a. Das von uns ausgewählte Zertifikat bringt es immerhin auf 9,24 Prozent p.a.; wer die längerfristige Bindung nicht mag (unser früherer Favorit mit der ISIN GB 00B 01V 807 6 wird schließlich schon ein Jahr früher fällig), muss dagegen zunächst auf einen weiteren Preisrückgang und eine Rückkehr in das „Backwardation“-Szenario abwarten.

Die Industriemetalle schließlich sind der wohl problematischste Sektor – keine andere Rohstoff-Kategorie hängt dermaßen an der Weltkonjunktur sowie der wirtschaftlichen Dynamik in China. Das ist langfristig sicher positiv, kann kurzfristig jedoch auch zu erheblichen Einbrüchen führen. Hinzu kommt, dass Aluminium, Kupfer & Co. sich (im Gegensatz zu Energieträgern und Agrarprodukten) perfekt recyceln lassen, so dass das Argument der endlichen Vorräte hier nicht wirklich „zieht“. Weil das Segment aber trotzdem noch Potential hat, setzen wir auf zwei Produkte, die einen hohen Risikopuffer mit unterschiedlichen Ansätzen zur Renditeoptimierung verbinden: Das im ZertifikateJournal 01/05 vorgestellte Zertifikat der Société Générale hat per Fälligkeit im Januar 2010 einen 40prozentigen „Airbag“ gegen eventuelle Verluste und zudem eine doppelte Partizipation an der positiven Performance der Industriemetalle; das bis April 2011 terminierte Bonus-Zertifikat auf den GSCI Industrial Metals Index geht nach oben nur „eins-zu-eins“ mit, kann aber mit einer Sockelrendite von 25 Prozent entsprechend 3,8 Prozent p.a. punkten. Diese ist freilich nur sicher, wenn die Schwelle hält – und der Abstand von 35 Prozent erscheint zwar recht komfortabel, deckt trotzdem gerade einmal den Anstieg der letzten 18 Monate.

Der rein chancenorientierte Anleger achtet währenddessen auf volle zeitliche Flexibilität und simple „eins-zu-eins“-Partizipation an der Preisentwicklung. Deshalb finden sich in der Allokation fast ausschließlich „Open End“-Zertifikate – neben der „Rolling Discount“-Strategie auf Öl und dem bekannten „Industrial Metals Basket“ auch der neue „Soft Commodity Basket II“. Mit diesem Produkt hat ABN Amro auf unsere Kritik an der etwas „beschränkten“ Zusammensetzung des Debüt-Produkts (ISIN NL 000 040 585 0) reagiert, das ohne Soja, Mais und Baumwolle auskommen musste. In der Neuauflage sind diese drei wichtigen Agrarprodukte dagegen genauso wie Kaffee, Kakao, Weizen, Zucker und Orangensaft mit jeweils 12,5 Prozent von der Partie.

Abgerundet wird die Allokation durch den AMEX Gold Bugs Index, die spekulativere Variante der Partizipation am gelben Edelmetall. Da Gold und die EUR/USD-Relation in den letzten Monaten eine stark negative Korrelation gezeigt haben, wird hier allerdings ausnahmsweise auf die währungsgesicherte Variante zurückgegriffen. Unabhängig davon gilt für alle „Open End“-Zertifikate: Wo es keinen Risikopuffer gibt, mit dem man das leidige „Timing“-Problem zumindest entschärfen könnte, ist ein Investment in Tranchen erste Bürgerpflicht. Der Umweg über einen Sparplan funktioniert leider nur teilweise, weshalb man wohl oder übel „auf eigene Faust“ loslegen muss. Auch dabei empfiehlt sich natürlich ein statischer Rhythmus – um diese Strategie mit einem Kapital von 24.000 Euro umzusetzen, können Sie zwölf Monate lang alle vier Wochen 2.000 Euro alternierend in eins der vier „Open Ends“ investieren. Mit dieser Größenordnung dürften sich dann auch die Mindestprovisionsregelungen ihrer Depotbank umschiffen lassen.

Als „Sahnehäubchen“ können aktive Anleger dieser Strategie noch charttechnische Trading-Positionen auf einzelne „Commodities“ oder Engagements in Rohstoff-Aktien beimischen. Eine gute Gelegenheit bietet sich gerade beim Gewinner der letzten „ZertifikateJournal DiskontWahl“ – BHP Billiton. Das seit Dienstag ausschließlich im Frankfurter „Smart Trading“-Segment gelistete Zertifikat der Deutschen Bank bezieht sich auf die in New York gehandelten Aktien des weltgrößten Rohstoff-Konzerns und ist mit einem Cap bei 28,00 US-Dollar ausgestattet. Da die Aktie aktuell mit 25,93 US-Dollar gehandelt wird, läuft dies auf eine gemäßigt offensive Positionierung hinaus: Bis zur Fälligkeit im Juni 2006 muss BHP Billiton lediglich knapp acht Prozent zulegen, um die maximale Rendite von derzeit 20,5 Prozent entsprechend 17,3 Prozent p.a. zu vereinnahmen. Die Seitwärtsrendite beläuft sich auf ansehnliche 11,6 Prozent, der Discount beträgt 10,4 Prozent. Wie bei allen Zertifikaten auf in Fremdwährung gehandelte Basiswerte sind diese Kennzahlen natürlich mit Vorsicht zu genießen, denn sie gelten nur bei unveränderter Wechselkursrelation. Ein Anstieg des EUR/USD-Kurses auf 1,40 würde das Renditepotential halbieren; bei einer Renaissance des „Greenback“ Richtung 1,20 wären dagegen auch 30 Prozent Ertrag drin. In Verbindung mit der fundamentalen Potenz des Basiswerts kann das Papier also ein lohnendes Ergänzungsinvestment für dollaroptimistische Investoren darstellen.

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