Die Stimmung an den Ölmärkten ist schon seit Wochen ziemlich mies. Der Abverkauf wurde getrieben von der Erwartung einer deutlich steigenden Ölproduktion außerhalb der OPEC-Länder, der geringen Besorgnis über die geopolitische Situation und dem Eindruck, dass die OPEC sich einem fallenden Ölpreis nicht in den Weg stellen werde. Die schwache Hurrikansaison in den USA und ein schwacher El Nino, der die Erwartung eines milden Winters in den USA und Europa nährt, trugen ihren Teil zum Abverkauf bei.

Die Stimmung ist gekippt. Die spekulative Überhitzung zur Jahresmitte, die fundamental nur noch schwer zu rechtfertigen und vornehmlich als Risikoprämie begründet war, wurde abgebaut. Aus rein sentimenttechnischen Gründen kann auf eine baldige Wende am Ölmarkt spekuliert werden. Es gibt aktuell auch kaum einen Grund mehr, warum die Ölpreise noch weiter fallen sollten. Die verbrauchsstarke Winterzeit beginnt und die Nachfrage nach Erdöl, aber auch Erdgas, wird durch den erhöhten Heizbedarf wieder ansteigen.

Außerdem müssen die USA mit der Auffüllung ihrer strategischen Lagerbestände fortfahren, um die Zielmarke von 700 Millionen Barrel wieder zu erreichen. Die Auffüllung nach den Entnahmen in der Hurrikansaison 2005/06 ist noch nicht abgeschlossen, es fehlen weitere 11,7 Millionen Barrel Erdöl. Diese Menge ist bei einem täglichen Erdölverbrauch der USA von 21 Millionen Barrel relativ gesehen gering. Allerdings darf die symbolische Wirkung an den Erdölmärkten nie unterschätzt werden.

Eine größere Auswirkung auf das Erdölangebot hat hingegen die Entscheidung der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) über eine Fördermengenkürzung im Bereich von 1,2 Millionen Barrel pro Tag. Das wird in den nächsten Wochen für ein fallendes Erdölangebot an den Weltmärkten sorgen. Nur kurzfristige Auswirkungen hat hingegen die Meldung, dass es im Oktober, also vor dem Beschluss der Förderkürzung, ein höheres OPEC-Ölangebot auf den Weltmärkten gegeben habe.

Aus saisonalen Gesichtspunkten ist besonders in der zweiten Monatshälfte des Novembers und der ersten Hälfte des Dezembers Vorsicht angebracht. In dieser Zeit kommt es immer wieder zu kräftigen Kursrückgängen, wenn Wetterprognosen einen mehr oder weniger milden Winter vorhersagen. Kurzfristig agierende Spekulanten haben Anfang November ihre Shortpositionen in US Light Crude Oil und Heizöl deutlich ausgebaut, setzen also auf weiter fallende Kurse. Sollte sich die Stimmungslage an den Erdölmärkten also aufhellen, so kann es aus diesem Grund kurzfristig zu impulsiven Kurssteigerungen kommen.

Saisonal steht die Monatsmitte des Dezember im Vordergrund der Aufmerksamkeit für jene Anleger, die sich auf der langen Seite des Marktes positionieren möchten. Zertifikateanleger, die auf Sicht von mehreren Jahren in Erdöl anlegen möchten, können die ermäßigten Kurse zum Einstieg in risikoabgesicherte Zertifikate nutzen. Kurzfristig agierende Anleger setzen auf eine kurzfristige Gegenbewegung auf die Abverkäufe in den letzten Wochen.

Autor: Jochen Stanzl, Chefredakteur des Rohstoff-Reports

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