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    Börse: FOREX / Kursstand: 12,01420 TL

Ankara (Godmode-Trader-de) - Die türkische Lira leidet unter der längsten Verlustserie seit 20 Jahren, allein am Dienstag dieser Woche waren es bis zu 18 Prozent an Wertverfall. Die Lira-Schwäche verleitete die Zentralbank CBRT zu der Aussage, der Kursverfall sei „völlig losgelöst von den wirtschaftlichen Fundamentaldaten“.

Das ist einseitig betrachtet gar nicht so falsch. Das Problem ist nur, dass der Markt davon ausgeht, dass sich die Inflation beschleunigt, was in den Wechselkursen eingepreist wird. Es sei denn die Zentralbank steuert gegen und erhöht die Zinsen wieder. Doch dies ist nicht in Sicht. Die Lira-Schwäche reflektiert also nicht die derzeitigen ökonomischen Bedingungen, vielmehr die Sorge, dass sich die Umstände weiter verschlechtern und die Lira-Schwäche insofern fundamentale Folgen haben könnte.

Doch die Politik bleibt starrsinnig. Präsident Recep Tayyip Erdogan, der sich selbst als „Zinsfeind" bezeichnet, ist der Überzeugung, dass hohe Kreditkosten eher die Ursache für die Inflation sind als deren Bremse, und hat sich zur Rechtfertigung seiner Haltung sogar auf die islamische Lehre berufen, die Wucher verbietet. Er setzt auf niedrigere Zinsen, um das Wachstum anzukurbeln und seine schwächelnde Popularität vor den Wahlen im Jahr 2023 aufzuhübschen.

Wenn er da mal nicht die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat. Die Lira-Abwertung macht Importprodukte teurer. Schulden in Hartwährungen sind jetzt deutlich belastender für Betriebe und Banken. Jeder Bürger des Landes spürt das. Auch die Veteranen der Zentralbank und Erdogans politische Rivalen warnen, dass die Inflation, die bereits bei 20 Prozent liegt, noch weiter ansteigen wird.

Während das kreditgetriebene Wachstum vor den Wahlen in der Vergangenheit für Erdogan gut funktioniert hat, bedeuten die kumulativen Auswirkungen dieser Politik und die durch die Pandemie verursachten Schäden, dass die potenziellen sozialen Kosten dieses Mal viel höher ausfallen dürften. Die galoppierende Lebensmittelinflation und die in die Höhe schießenden Mieten drücken derzeit auf die unteren Schichten - einschließlich Erdogans traditioneller Basis.

Meinungsforschungsinstitute sagen, dass auch die jüngsten Turbulenzen der Währungskrise unentschlossene Wähler in die Hände der Opposition treiben wird, sogar bis zu dem Punkt, an dem es für Erdogans AK-Partei kein Zurück mehr gibt.

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