Shamik Dhar, Chefökonom, BNY Mellon Investment Management (Foto anbei)

Dieses Wahlergebnis ebnet den Weg zum Brexit und bringt die Klarheit, nach der sich Unternehmen und Märkte seit drei Jahren sehnen. Ein Brexit Ende Januar ist jetzt wahrscheinlicher geworden, und es dürfte auf eines der „härteren“ Szenarien hinauslaufen, etwa auf ein Freihandelsabkommen.

Für die zukünftigen Beziehungen Großbritanniens zur EU halte ich eine Regelung nach dem Modell des Abkommens zwischen der EU und Kanada für wahrscheinlich und könnte mir gut vorstellen, dass das Land die Zollunion verlässt. Das würde den Handel mit Großbritannien für eine Reihe von Ländern wie die USA, Australien und Japan sehr attraktiv machen. Der Schwerpunkt wird sich ziemlich schnell von den Verhandlungen über ein Abkommen mit der EU auf Drittländer und andere Organisationen verlagern.

Kurzfristig muss der Brexit der Wirtschaft in gewissem Umfang schaden, langfristig nicht unbedingt. Die jetzige stabile Mehrheitsregierung könnte das Interesse auf Investorenseite wieder anfachen, und die lange erwartete Planungssicherheit könnte britischen Unternehmen den Freiraum geben, sich langfristig auf ihre Produktivität zu konzentrieren. In technologischer Sicht könnten wir zudem an der Schwelle zu einer Produktivitätssteigerung stehen, die vom Brexit-Ergebnis weitgehend unabhängig wäre.

Emma Mogford, Fondsmanagerin für britische Aktien, Newton Investment Management

Das Wahlergebnis verschafft uns einen klareren Ausblick für Großbritannien. Kurzfristig können inländische Unternehmen und konjunktursensible Marktsegmente wie Banken und Bauwirtschaft profitieren. Das Pfund erlebt ebenso wie britische Unternehmen seit August einen Aufschwung, doch insgesamt verharren die Bewertungen auf niedrigem Niveau, und einige britische Unternehmen werden weiter mit Abschlag gehandelt.

Längerfristig wird ein EU-Handelsabkommen nötig, und bis zu dessen Abschluss wird die Unsicherheit weiter zunehmen und sich kurzfristig auch wieder auf britische Unternehmen auswirken. Nach Ende Januar, wenn wir mit der EU in die Verhandlungen eintreten, dürfte das Pfund volatil sein, bis klar ist, wie die zweite Phase des Brexit aussieht. Die konservative Mehrheit beendet zudem die Unsicherheit in Sektoren, die unter Labour vielleicht verstaatlicht worden wären, etwa Wasserversorgung und Breitband-Infrastruktur, so dass der Markt einen Teil dieses Rabatts wieder kassieren dürfte.

Howard Cunningham, Fondsmanager Anleihen, Newton Investment Management

Nach dem konservativen Wahlprogramm sollten die laufenden Ausgaben und Steuereinnahmen jeweils rund drei Milliarden Pfund über den bisherigen Haushaltsprognosen liegen. Für Gilts und Sterling bedeutet das wenig Veränderung. Eine Rallye bei Aktien und dem Pfund Sterling ist angesichts des Wegfalls der Unsicherheit verständlich, ebenso wie eine leichte Abschwächung des Goldmarktes. Allerdings hatte der Markt eine konservative Mehrheit bereits eingepreist, so dass wir kurzfristig keine große Veränderung erwarten.

2020 kann es wegen der schwierigen Verhandlungen über die künftigen Handelsbeziehungen mit der EU ganz anders aussehen. Bis zu einem Ergebnis dürften Unternehmensinvestitionen aufgeschoben werden, und der nächste Haushalt dürfte kaum fiskalische Impulse bringen. Mit ihrer Absage an Steuererhöhungen haben sich die Konservativen die Finanzierung großer öffentlicher Ausgaben erschwert, etwa für den NHS oder im Falle eines Brexit-Abschwungs. Der Ausweg wäre dann eine zusätzliche Kreditaufnahme, die in erster Linie über Staatsanleihen finanziert würde.