Helsinki (GodmodeTrader.de) - Der Handelskrieg zwischen den USA und China dürfte sich verschärfen, da die Gespräche auf dem G20-Gipfel vermutlich scheitern werden. Wenn der Handelskrieg seinen Höhepunkt erreicht, wird er in den USA, Indien und Europa erhebliche Chancen bieten, wie Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, in einem Ausblick auf das Zweite Halbjahr 2019 schreibt. Galy rät dazu, die Widerstandsfähigkeit des Portfolios zu erhöhen.

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US-Aktien – durch raue Gewässer

„Die Auswirkungen der Zölle dürften sich im nächsten Jahr verstärken und Wachstumsaktien wie Apple und Konsumgüter wie Nike und einige Hotels erschüttern. IT-Aktien könnten in einer Zeit, in der der Aktienmarkt teilweise einen Deal eingepreist hat, turbulent bleiben. Vergeltungsmaßnahmen dürften besonders Prestigetitel treffen, z. B. FedEx, gegen das derzeit eine Untersuchung läuft, und Apple, das mit Huawei konkurriert“, so Galy.

Daher sei im Vorfeld des G20-Gipfels ein defensiverer Portfoliomix wahrscheinlich eine gute Entscheidung. Aber jenseits dieser rauen Gewässer seien die Aussichten für Wachstumswerte positiv. Betrachte man die US-Wirtschaftslandschaft, so stelle man fest, dass das vom Dienstleistungssektor angeführte Wachstum in den USA robust bleiben sollte. Zwar würden die Verlangsamung in China und die chinesischen Zölle sicherlich das verarbeitende Gewerbe treffen, aber die USA seien im Wesentlichen eine Dienstleistungswirtschaft. Die Erschütterung sorge für eine geringe Deflation in Bezug auf die Wirtschaft, während die Zölle eine gewisse importierte Inflation implizierten, die mit der Ausweitung der Zölle zunehmen dürfte, heißt es weiter.

„Die Fed wird dies munter ignorieren und sich weiterhin verstärkt auf das anhaltend niedrige Inflationsniveau konzentrieren. Dies hängt zu einem großen Teil mit der Kostensenkung von Schwergewichten in reifen Sektoren zusammen. Sie verschlanken sich, passen sich an und sind innovativ (z. B. Bestellautomaten bei McDonald's). Das Ergebnis ist eine produktivere Wirtschaft und eine Fed, die sich möglicherweise auf dem besten Weg befindet, mehr als die beiden vom Markt erwarteten Zinssenkungen durchzuführen. Dies würde Aktien stützen“, so Galy.

Festverzinsliche US-Anlagen

Bei den festverzinslichen US-Anlagen sei das Thema nun eine Rezession im Jahr 2021. Der US-Konjunkturzyklus werde zu einem großen Teil vom Dienstleistungssektor angetrieben, der sehr beständig sei. Nur die Art der Dienstleistungen ändere sich. Apple durchlaufe eine Berg- und Talfahrt. Uber erreiche ein reiferes Stadium und liefere immer noch negative Cashflows. Sein Börsengang habe ein unglückliches Ende genommen. Amazon und ALDI rückten in den US-Einzelhandel vor, um das Segment im Kern zu erschüttern, während Unternehmen aus reiferen Branchen versuchten, Kosten zu senken und Innovationen voranzutreiben, heißt es weiter.

„Infolgedessen zeigt die Produktivität in den Vereinigten Staaten immer mehr Anzeichen eines Anstiegs, ein Merkmal, das sich auf andere Länder ausweiten dürfte. Ausgehend von einer Portfolioposition in festverzinslichen Anlagen würden die Erwartungen an eine Rezession, die durch eine Erschütterung in den Schwellenländern verstärkt wird, Absolute-Fixed-Income-Renditestrategien attraktiv machen, da die Absicherung von festverzinslichen US-Anlagen einige Kosten verursacht“, so Galy.

Indische Aktien

Die Wahl von Narendra Modi biete eine stabile politische Plattform. Die Verbrauchernachfrage habe sich angesichts der Liquiditätskrise im Schattenbankensektor etwas abgekühlt. „Wir betrachten dies jedoch als vorübergehend, da Maßnahmen ergriffen werden. Eine Erholung der Verbrauchernachfrage als Teil einer breiteren Erholung, die von der Infrastruktur und den Staatsausgaben getrieben wird, dürfte dazu beitragen, dass die Gewinne wieder ansteigen. Die demografische Entwicklung sowie vergangene und zukünftige Reformen dürften ebenfalls zum Wachstum beitragen. Daher bleiben indische Aktien auf einem teuren Niveau, was letztendlich durch eine Erholung der Gewinne unterstützt wird, während die Indische Rupie weitgehend stabil bleibt und sich gegenüber dem US-Dollar etwas abschwächt“, so Galy.

Europäische Aktien

Der europäische Aktienmarkt sei dem Risiko einer Abkühlung der Schwellenländer und – mit geringer Wahrscheinlichkeit – von Zöllen aus den USA ausgesetzt. Dies sei teilweise eingepreist. Nicht eingepreist sei jedoch die Verschärfung des Handelskrieges zwischen den USA und China. Diese werde Auswirkungen auf deutsche Autoexporteure bis hin zu den europäische Banken haben, die in Asien tätig seien und dort viele Erträge generierten, heißt es weiter.

„Dennoch entwickelt sich die europäische Wirtschaft zunehmend besser, angetrieben von einer Reihe von Ländern, vorerst jedoch nicht von Deutschland. Diese anhaltende Erholung dürfte sich positiv auf das Ergebnis auswirken. In Europa werden die Bewertungen günstiger, und mit der Verschärfung des Handelskrieges dürfte sich diese Entwicklung fortsetzen. Aber jenseits des G20-Gipfels lassen sich höchstwahrscheinlich sowohl in der Eurozone als auch in den skandinavischen Ländern Gelegenheiten finden“, so Galy.

Europäische Festzinsanlagen – Schuldtitel mit großer Nachfrage

Europäische Festzinsanlagen sollten in einem zunächst schwierigen Umfeld Zuflucht bieten. „Wir bevorzugen gedeckte Anleihen von Dänemark bis Italien angesichts ihrer großen Sicherheit und der Chancen auf eine weitere Lockerung durch die EZB. Die italienische Kurve ist im mittleren Abschnitt nach wie vor attraktiv für geduldige Anleger, die warten, bis die Anleihen fällig werden. Wir glauben nicht, dass der restriktive Erkki Liikanen – wahrscheinlich der nächste Vorsitzende der EZB – die Politik der EZB grundlegend verändern wird“, so Galy.

Er werde einer Lockerung zurückhaltend gegenüberstehen, aber angesichts der anhaltend niedrigen Inflation werde er schließlich lockernde Maßnahmen ergreifen müssen. Das Mittel der Wahl würden wahrscheinlich keine Negativzinsen sein, da sie sich auf den Euro auswirkten (darauf konzentrierten sich die USA), aber auch, weil sie in Deutschland höchst unbeliebt seien. Wahrscheinlicher sei vielmehr die Lockerung der Kreditvergabe, die die Kreditrisikoprämien in der Eurozone verringern dürfte, heißt es weiter.

Schlussfolgerung: Erhöhung der Widerstandsfähigkeit

„Wir schlagen vor, die Widerstandsfähigkeit im Vorfeld des G20-Gipfels zu erhöhen. Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht, wird jedoch, wenn es so weit ist, von Europa über die USA bis nach Indien erhebliche Chancen bieten“, so Galy abschließend.