Wien (GodmodeTrader.de) - Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist nach wie vor der größte Unsicherheitsfaktor für die Weltwirtschaft und für die Finanzmärkte. Dies gilt allerdings nicht nur im negativen Sinn. Das haben nicht zuletzt die Entwicklungen im August gezeigt. Auf die beidseitigen Ankündigungen neuer bzw. höherer Zölle folgten unmittelbar beschwichtigende Worte, wie Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG, in ihren aktuellen Kapitalmarktkommentar schreibt.

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Entsprechend seien auch die Märkte hin- und hergerissen. Es scheine, dass keine der beiden Parteien als Verlierer vom Platz gehen möchte, immerhin könnte das vom politischen Gegner als Schwäche ausgelegt werden. Andererseits wollten weder die USA noch China eine Rezession. Ausgang daher: ungewiss. All das mache die Einschätzung der Kapitalmarktentwicklung nicht einfacher. Fest stehe allerdings: Wenn man mit einem Schlauchboot auf einen Wasserfall zufahre, gebe es einen bestimmten Punkt, an dem kein Gegenrudern mehr helfe. Dann werde man von der Strömung in die Tiefe gerissen, heißt es weiter.

„Diesen Punkt dürften wir momentan noch nicht erreicht haben. Das zeigen die Wirtschaftsdaten, die zwar im Produktionsbereich sehr schwach sind, im Dienstleistungsbereich aber noch recht robust aussehen. Die Unternehmen verdienen gut. Die – für die Finanzmärkte relevanten – Aussichten werden aber kontinuierlich nach unten revidiert. Die Signale aus dem Aktienmarkt selbst sind mehrheitlich negativ. Technische Indikatoren wie beispielsweise Momentum und Marktbreite haben sich spürbar verschlechtert. Die Daten zur Investorenstimmung sind unterdessen uneinheitlich. In Summe rechtfertigen die Indikatoren eine Reduktion der Aktienquote. Gold und Silber haben in den letzten Wochen nach jahrelangen Abwärtstrends ein Lebenszeichen von sich gegeben. Die guten Gründe für steigende Preise dürften nunmehr stärker wahrgenommen werden“, so Szeiler.

Die Zinskurve der zweijährigen und zehnjährigen US-Staatsanleihen sei im August erstmals seit Mai 2007 wieder invers, was ein unüberhörbares Rezessions-Warnsignal sei. Die gesamte deutsche Staatsanleihekurve weise eine negative Rendite aus und verspreche Hold-to-Maturity-Investoren einen fixen Verlust. Zudem bezahlten u.a. die aktuelle zehnjährige und 30-jährige deutsche Staatsanleihe keinen Kupon (null Prozent). Der Begriff „Fixed Income" fühle sich damit irgendwie nicht mehr richtig an. Die Renditesuche werde schwierig. In Erwartung sinkender Spreads setze man verstärkt auf Schwellenländer-Hartwährungs-Staatsanleihen, heißt es weiter.

„Die meisten Wirtschaftsindikatoren überraschten im August vor allem in der Eurozone wieder deutlich negativ. Die Risikoprämien von Unternehmensanleihen stiegen bis Mitte August. Mit einer abermaligen Entspannung an der Handelskriegsfront sanken diese gegen Monatsende wieder. Der erratische Newsflow rund um den Handelskonflikt USA vs. China bleibt der marktbewegende Faktor und sorgt in erster Linie für erhöhte Volatilität. Wir nehmen im Rahmen unseres Unternehmensanleihen-Exposures weiterhin Duration- und Spreadrisiko. Unser Übergewicht von EUR BBB & BB Credits vs. EUR HY Credits bleibt aufrecht“, so Szeiler.

Im August seien die Risikoprämien von Emerging-Markets-Hartwährungs-Staatsanleihen angestiegen. Die sich laufend ändernde Rhetorik hinsichtlich des Handelsstreits zwischen den USA und China habe zwar eine Rolle gespielt, zuletzt hätten aber vor allem lateinamerikanische – und hier argentinische – Papiere verloren. Wohl auch deshalb, weil der wirtschaftsliberale Präsidentschaftskandidat Mauricio Macri bei der anstehenden Wahl (27.10. 2019 sowie 24.11. 2019) wahrscheinlich doch nicht wiedergewählt werden dürfte und ein abermaliger Staatsbankrott nicht ausgeschlossen werden könne, heißt es weiter.

„Die entwickelten Aktienmärkte tendierten in den letzten Wochen seitwärts, wobei weiterhin weniger Fundamentaldaten im Mittelpunkt stehen, als vielmehr erneut politische Themen (Handelspolitik & Geldpolitik). Als wichtigster Unterstützungsfaktor erweisen sich einmal mehr die internationalen Notenbanken, während der Blick auf die Gewinndaten unverändert ernüchternd ausfällt“, so Szeiler.

Die Diskussionen inwieweit eine globale Rezession bevorstehe – Stichwort Zinskurveninversion in den USA – und das Hin und Her im Handelskonflikt seien eine Gemengelage, die für Emerging Markets nichts Gutes bedeuten könne. Daher sei der Monat August für Schwellenländer-Aktien recht enttäuschend auch im Vergleich zu den entwickelten Aktienmärkten gewesen. Zuletzt habe sich auch der Gewinntrend wieder verschlechtert. Daher bleibe man bei Emerging-Markets-Aktien weiter vorsichtig positioniert bis sich der Preistrend verbessere. Fundamental blieben Emerging-Markets-Aktien attraktiv bewertet, heißt es weiter.

„Die internationalen Rohstoffmärkte präsentierten sich in den letzten Wochen wieder stärker. Vor allem Edelmetalle konnten von der Aussicht auf erneut expansivere Geldpolitik profitieren. Dies zeigt sich auch an den anhaltenden Zuflüssen in börsennotierte Produkte auf Gold. Generell sind viele Segmente im Rohstoffbereich weiterhin von einer angespannteren Angebotssituation gekennzeichnet. Dies spiegelt sich auch in einer (für Investoren) positiveren Kurvenstruktur wider“, so Szeiler.