Wer glaubt, dass es im gerade eskalierenden Nahost-Konflikt um Syrien oder um Giftgas geht, der wird schon bald sein blaues Wunder erleben. Denn wer etwas genauer hinsieht, der erkennt, dass es bei dem ganzen Kriegsgerede, das da gerade anhebt, genauso wenig um die angeblichen (und bislang nicht nachgewiesenen) Giftgas-Einsätze des syrischen Machthabers Assad geht, wie es im Irak-Konflikt trotz gegenteiliger Bekundungen keineswegs um die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Saddam Hussein gegangen ist.

Letztere mussten zwar als Begründung dafür herhalten, den Irak militärisch anzugreifen, konnten aber - trotz angestrengter Suche - nie gefunden werden. Tatsächlich, und damit kommen wir der Wahrheit schon ein ganzes Stück näher, hatte der irakische Diktator im Jahr 2000 erklärt, das Öl des Landes künftig nicht mehr gegen US-Dollar sondern gegen Euro zu verkaufen. Ein massiver Affront gegen das bestehende Finanzkartell und den US-Dollar als Weltleitwährung. Damit war das Ende des Irak besiegelt...

Und noch ein seltsamer „Zufall“ umgibt den Krieg von damals: Sozusagen als „Abfallprodukt“ des Irak-Konflikts hatten sich die Westmächte, allen voran die USA, den Zugriff auf die Ölreserven des Prügelknaben gesichert, den man, das sei am Rande erwähnt, wenige Jahre zuvor noch mit allen diplomatischen Mitteln hofiert hatte...

Jetzt ist also der Iran „dran“. Und damit das nicht sofort auffällt, wird der Brandherd Syrien, engster Verbündeter des Iran, sozusagen „vorgeschaltet“. Nicht Syrien sondern der Iran warnte deshalb in dieser Woche bereits vor einer „Katastrophe im Nahen Osten“:

http://www.sueddeutsche.de/politik/moeglicher-militaereinsatz-in-syrien-iran-warnt-vor-katastrophe-in-nahost-1.1757281
Was den USA und der NATO am Iran nicht gefällt, und was jetzt als einer der wirklichen Gründe für den geplanten Angriff auf Syrien vermutet werden kann, das ist ein Winkelzug der iranischen Regierung: Als Reaktion auf das Wirtschaftsembargo des Westens hat der Iran den US-Dollar als Zahlungsmittel für internationale Ölgeschäfte in seinem Wirkungsbereich ausgehebelt:

Seit geraumer Zeit tauscht das Land seine Öl- und Gaslieferungen in die Türkei, nach China oder Russland gegen Gold statt gegen grün bedrucktes Papier. Aus der Sicht des Iran ist das eine kluge Entscheidung – aus Sicht der Vereinigten Staaten ist es verheerend, weil damit (siehe oben) die weltbeherrschende Rolle des bestehenden Finanzkartells und des US-Dollar in Frage gestellt werden...

http://www.gegenfrage.com/oelmarkt-iran-moechte-nicht-mehr-in-dollar-und-euro-handeln/

Dass solche Entwicklungen der Obama-Regierung (an deren Spitze übrigens ein veritabler Friedensnobelpreisträger stehen soll) überhaupt nicht gefallen, liegt auf der Hand: Wo kommen wir denn da hin, wenn ölreiche Länder wie der Iran die Rolle des US-Dollar als Weltleitwährung untergraben!? Eine Währung, in der bis vor nicht allzu langer Zeit weltweit alle Rohstoffgeschäfte abgewickelt wurden.

Wenn Länder wie der Iran, hinter den Arabischen Emiraten, Russland und den USA die Nummer vier unter den weltgrößten Ölproduzenten, ihre Rohstoffe gegen Gold eintauschen anstatt gegen US-Dollars, dann muss man doch einschreiten, nicht wahr? Damit die bunten Zettel auch weiterhin „Wohlstand“ in die ganze Welt transportieren können - und das tut man jetzt eben: Man schreitet ein – und weil das im Mai dieses Jahres verhängte US-Goldverbot für den Handel mit dem Iran offenbar zu wenig Wirkung zeigt, greift man jetzt zu härteren Bandagen...

http://www.goldreporter.de/kein-gold-mehr-fur-iran-usa-verhangen-verkaufsverbot/gold/32721/

Daneben gibt es noch einige weitere Aspekte, die den Verdacht nähren, dass nicht Syrien sondern der Iran der eigentliche Grund für das Säbelrasseln im Nahen Osten ist:

So hat der frühere US-General und NATO-Oberbefehlshaber im Kosovokrieg, Wesley Clark, schon im Jahr 2007 geäußert, das US-Verteidigungsministerium habe unmittelbar nach den Anschlägen des 11.September den Irak, Libyen, Syrien, Somalia, den Sudan, den Libanon und den Iran als Ziele von USA-NATO-Interventionen festgelegt. Nachdem die Liste nun fast vollständig "abgearbeitet" ist, bleiben als Kriegsziele noch Syrien und der Iran übrig. Im folgenden Video schildert der US-General die Unterredung im Pentagon:

http://www.youtube.com/watch?v=YNOWeUH1PDk
Gründe für die augenfällige Aggression finden sich genügend: So ist der Iran eines der wenigen Länder dieser Welt, dessen Zentralbank (noch?) nicht der Kontrolle durch die weltweit agierende Rothschild-Dynastie untersteht. Ohne „gewichtige Gründe“ wird sich daran auch nichts ändern, denn der Islam verbietet die Einforderung von Zinsen, was dem zinsbasierten Finanzsystem westlicher Prägung diametral entgegensteht.

Im Koran heißt es dazu in Sure 3, Vers 130: „Ihr Gläubigen! Nehmt nicht Zins, indem ihr in mehrfachen Beträgen wiedernehmt, was ihr ausgeliehen habt!“

Daher sind in islamischen Ländern sowohl festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen und Renten als auch Zinseinnahmen aus Bankprodukten verboten. Erlaubt sind dagegen alle Erträge, die auf Handel oder Investitionen beruhen. Die gebräuchlichste Investitionsform ist der Kauf von Aktien, denn Dividenden gelten im Koran nicht als Zinsen.

Man sieht also, die Sache ist weitaus vielschichtiger als uns die auffällig kriegsversessenen Massenmedien gerade glauben machen wollen. Unbeantwortet bleibt dort selbstredend die Frage, was Syriens Machthaber bewogen haben könnte, Giftgas gegen das eigene Volk einzusetzen, wohl wissend, dass damit exakt jene "rote Linie" überschritten werden würde, die einen Militärschlag der Vereinigten Staaten geradezu zwangsläufig heraufbeschwört...

Donnergrollen...
Was das alles für die Börsen bedeutet? Insbesondere die Daueroptimisten, die jetzt schon wieder davon faseln, man solle „kaufen, wenn die Kanonen donnern“, also etwa während eines vermeintlichen „Blitzkrieges“ gegen Syrien, die sollten mit ihren blumigen Empfehlungen besser etwas zurückhaltender sein: Dieser Konflikt hat das Potential, sehr viel höhere Wellen zu schlagen, als die meisten sich das heute vorstellen können.

Mit China und Russland haben der Iran und Syrien zwei potente Verbündete, die als einzige in der Lage wären, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Sollte den beiden Großmächten dabei jedes Mittel recht sein, könnte es ein längeres Donnergrollen werden. Man möchte den unschönen Begriff „Dritter Weltkrieg“ in diesem Zusammenhang ja gar nicht erwähnen. Sehr weit wäre es dann aber nicht mehr bis dorthin...

Ganz nebenbei werfen die Beobachtungen ein interessantes Schlaglicht auf den merkwürdigen Goldcrash vom Frühsommer: War die Attacke auf das Gold eine gezielte Aktion, um die „Ölwährung“ des Iran in ein schlechtes Licht zu rücken und dem Land damit weiteren wirtschaftlichen Schaden zuzufügen?

Alles ist möglich...

Wie schreibt mein Kollege Harald Weygand seit einiger Zeit mitunter so treffend am Ende seiner Artikel:

Passen Sie auf sich auf.

In der Tat, das ist ein kluger Rat in diesen Tagen...

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de