Das wichtigste Ereignis der vergangenen Woche war aus antizyklischer Sicht zweifellos der Auftritt von US-Präsident George W. Bush am Donnerstag vor den TV-Kameras der versammelten Weltöffentlichkeit. Über das Heute-Journal des ZDF fand der wichtigste Politiker der Welt auch den Weg in die deutschen Wohnzimmer:

    Mit besorgter Mine und Kloß im Hals sprach der Präsident von der Kredit- und Hypothekenkrise, die das Land seit einiger Zeit durchschüttelt.

    Wichtig war dabei gar nicht so sehr, was George Bush sagte: Den verschuldeten Hausbesitzern wurde zugesichert, dass die Zinsen ihrer Immobilienkredite nun für fünf Jahre nicht mehr steigen werden. Damit war es raus: Auch die US-Regierung sieht hier eine veritable Krise, die mit allen nur denkbaren Möglichkeiten bekämpft werden muss. An der Börse wurde die Aussage natürlich gefeiert. Doch das war in diesem Moment völlig nebensächlich.

    Viel wichtiger als die eigentliche Nachricht war etwas ganz anderes: Die Tatsache nämlich, dass sich der Präsident überhaupt dergestalt zu der Krise bekannt und die Dinge beim Namen genannt hatte.

    Sagen wir es so: Es ist nicht unbedingt eine Stärke der Politik, offen Farbe zu bekennen. Das gilt nicht nur in den USA sondern ganz allgemein: In der Regel wird so lange vertuscht und abgewiegelt wie es nur irgendwie geht. Besonders in Krisenzeiten wird hiervon gerne Gebrauch gemacht. Sinn und Zweck der Übung: Die Menschen sollen sich möglichst lange in Sicherheit wiegen, Unruhen sind unter allen Umständen zu vermeiden.

    Deshalb kann im schlimmsten Fall sogar ein Krieg ausbrechen oder ein Atomkraftwerk in die Luft fliegen, wie etwa 1986 in Tschernobyl, für die Bevölkerung hat dennoch „zu keinem Zeitpunkt irgendeine Gefahr bestanden“, wie es dann immer so schön heißt…

    Die schlimmste Krise aller Zeiten...

    Aber zurück zur Börse. Warum der Auftritt von George W. Bush am Donnerstag so bedeutend war, das wird klar, wenn man ein wenig in den Geschichtsbüchern blättert.

    Sieht man sich die einschlägigen Medien an, dann gewinnt man den Eindruck, dass die gegenwärtige Krise eine der schlimmsten ist, die den Globus jemals heimgesucht hat. Das ist natürlich Unfug, wiederholt sich aber in schöner Regelmäßigkeit bei jeder Krise.

    Doch Situationen dieser Art, die hat es schon immer gegeben, und jetzt kommt eine sehr wichtige Beobachtung: Wie eingangs erwähnt, werden die Politiker stets alles tun, um die Öffentlichkeit bei Laune zu halten. Und zwar so lange wie nur irgendwie möglich. Ausgepackt wird erst, wenn es gar nicht mehr anders geht. Zu diesem Zeitpunkt, und das ist der springende Punkt, ist die Krise aber bereits so weit fortgeschritten, dass es von nun an bergauf geht.

    Oder anders gesagt: Sobald Präsidenten, Bundeskanzler oder andere bedeutende Personen der Zeitgeschichte die Dinge öffentlich beim Namen nennen, ist das Schlimmste meist überstanden.

    Es ist recht unterhaltsam, diese klassische antizyklische Beobachtung anhand einiger Beispiele aus der Börsengeschichte zu untermauern. Ganz nebenbei wird dabei deutlich, dass die Sache genauso gut auch anders herum funktioniert: Wenn Politiker in aller Öffentlichkeit von guten Zeiten schwärmen, ist höchste Gefahr im Verzug...

    1928: „Wohlstand für alle“

    Einen Volltreffer dieser Art landete etwa der 30. US-Präsident Calvin Coolidge im Jahr 1928. Wenige Monate vor dem größten Börsencrash aller Zeiten, der mit der anschließenden Weltwirtschaftskrise Millionen Menschen ins Elend stürzte, beschwor der Präsident „ruhige Zeiten“, sprach von einer „außerordentlich vielversprechenden Zukunft“ und versprach „Wohlstand für alle“. Auch weil Coolidge als ungewöhnlich ruhiger und zurückhaltender Zeitgenosse galt, sorgten seine Äußerungen für beträchtliches Aufsehen:

    Dass ausgerechnet dem Mann aus Vermont dieses Missgeschick unterlaufen musste, ist ein Treppenwitz der Geschichte: Coolidge ist der einzige US-Präsident der am amerikanischen Nationalfeiertag, dem 4. Juli, geboren wurde.

    1933: „Unglückliche Zeiten“

    Unter ganz anderen Vorzeichen wandte sich einige Jahre später Franklin Delano Roosevelt, 32. US-Präsident, an die Bürger seines Landes:

    Beim Amtsantritt Roosevelts, im März 1933, herrschte in Amerika eine tiefe Depression mit fast 13 Millionen Arbeitslosen. Die Industrieproduktion war seit 1929 um mehr als die Hälfte eingebrochen, der Dow Jones Index innerhalb von nur drei Jahren von rund 350 auf weniger als 50 Punkte zusammengeschmolzen. Man stelle sich vor, aktuell würde der Weltleitindex von 13.500 auf 1.800 Punkte abstürzen...

    In dieser Situation nun wandte sich Roosevelt mit sorgenvoller Stimme an die US-Bürger, verkündete „unglückliche Zeiten“ und beschwor den Zusammenhalt der Nation. „Wir müssen nichts fürchten, außer die Furcht“, lautete die griffige Formel. Das hatte gesessen: Der Dow Jones besann sich und legte bis 1936 um rund 300 Prozent (!) zu.

    Doch es geht auch weniger spektakulär: Als der 38. US-Präsident Gerald R. Ford im Januar 1975 klagte, „der Zustand der Wirtschaft ist schlecht“, da hatte der konjunkturelle Niedergang mit steigenden Inflationsraten und sinkender Produktivität seinen Höhepunkt bereits erreicht. In den folgenden Monaten kletterte der Dow Jones Index von 600 auf 1.000 Punkte...

    Und als Ronald Reagan im Januar 1983 die „Schwierigkeiten der Wirtschaft“ öffentlich machte, war der größte Bullenmarkt in der Börsengeschichte gerade ein paar Wochen alt.

    Diesen durfte dann Bill Clinton beerdigen, als er im Frühjahr 2000 die „stärkste Wirtschaft aller Zeiten“ feierte. Wenige Wochen später begann eine dreijährige Börsenbaisse, die auch den meisten Anlegern heute noch gut in Erinnerung sein dürfte.

    Was lernen wir daraus?

    Nachdem die Kreditkrise in den USA nun endgültig in den Adelsstand einer ernsten Bedrohung gehoben wurde, bestehen berechtigte Aussichten, dass wir das Schlimmste hinter uns haben.

    Es ist sicher kein Zufall, dass ausgerechnet die zuletzt so gescholtenen Banken derzeit an markanten unteren Trendwende-Formationen arbeiten. Gleiches gilt für viele Immobilienunternehmen. Nehmen wir etwa „Fannie Mae“ (US-Kürzel FNM) und „Freddy Mac“ (US-Kürzel FRE), die beiden populären staatlichen US-Immobilienfinanzierer. Beides sind reine Hypothekenbanken, folglich von der Krise ganz besonders hart getroffen, und gelten nebenbei als weltweit größte Institute in dieser Sparte.

    Bei „Fannie Mae“ war der jüngste Ausverkauf mit einem enormen Volumenanstieg verbunden (blaue Markierung), ein klassisches Sell-off-Signal:

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    Auch der Point & Figure Chart gibt seit Donnerstag grünes Licht für die US-Immobilien-Aktien:

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    Interessant ist, dass auch die kleinen US-Aktien aus dem Russel 2000 jetzt wieder auf die Überholspur wechseln. Wenn wieder Kapital in die Nebenwerte fließt, ist das für den breiten Markt ein gutes Zeichen:

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    Doch wir warnen vor übertriebener Euphorie. Eines muss man nämlich auch sagen: Trendwenden dieser Art geschehen nicht über Nacht. Es wird in den kommenden Wochen immer wieder herbe Rückschläge geben. Dann werden die Kassandra-Rufer wieder Hochkonjunktur haben und Weltuntergangs-Stimmung verbreiten.

    Wir würden deshalb nun auch nicht Haus und Hof auf steigende Kurse bei Immobilienaktien verwetten. Gerade längerfristige Trendwenden benötigen meist viel mehr Zeit als man sich das vorstellt.

    Da fällt mir ein: Sehen Sie sich bei der Gelegenheit doch einmal die Papiere der Deutschen Telekom an. Hier sehen Sie gerade eine sehr markante Trendwende, die im Vorfeld zahllosen Anlegern den letzten Nerv geraubt hatte. Mein Kollege Harald Weygand hat eine interessante Analyse dazu veröffentlicht. Hier ist der Link:

    Bitte hier klicken zum Lesen der Analyse.

    Mit den Bank- und Immobilien-Aktien dürfte es so ähnlich laufen: Im Moment fasst die Papiere jeder mit spitzen Fingern an. Die Angst ist groß und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Im Moment hagelt es Herabstufungen. Das freut uns, denn daran zeigt sich, dass die Chancen immer noch beträchtlich sind, man aber auch nichts überstürzen muss. Geduldige Anleger legen sich jetzt auf die Lauer und warten ab, wie sich das Bild im Januar präsentiert, wenn die ersten Geldhäuser ihre Zahlen auf den Tisch legen. Wir meinen aber, dass der Sektor das Schlimmste jetzt hinter sich hat.

    So ist das immer an der Börse: Die größten Erfolgsaussichten haben jene Gedanken, Ideen und Sektoren, die niemand auf der Rechnung hat. 2008 also, das Jahr der Banken und Immobilien-Aktien? Keine Frage, die Idee hat was...

    Übrigens, wer das Risiko eines Dollar-Investments scheut, für den gibt es auch auf dem deutschen Kurszettel einige interessante Chancen aus dem Finanzsektor. In der kommenden Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs werden wir einige davon vorstellen. Verpassen Sie nicht den Erscheinungstermin am kommenden Mittwoch.

    Zum Autor:

    Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs.

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    Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und http://www.antizyklischer-aktienclub.de.

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