EUR/USD eröffnet heute bei 1.3610 (07.45 Uhr), nachdem gestern im europäischen Handel zunächst die Höchstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3695 und anschließend die Tiefstkurse bei 1.3587 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 90.45. In der Folge notiert EUR/JPY bei 123.15, während EUR/CHF bei 1.4400 oszilliert.

    In den letzten zwei Tagen hat der CHF gegenüber dem Euro deutlich an Boden gewonnen. Die 1.4500 wurde nachhaltig unterboten und in der Folge ergaben sich markante Befestigungen des CHF unter Schwankungen bis auf bisher maximal 1.4357.

    Hintergrund dieser Bewegung ist die Erwartung oder Spekulation, daß die SNB vor der EZB zinspolitisch aktiv wird.

    Diesbezüglich sagte Das Ratsmitglied der Schweizer Nationalbank SNB Danthine, daß die expansive Geldpolitik nicht unbegrenzt fortgesetzt werden könne. Verbraucher sollten sich auf eine Rückkehr zu höheren Zinsen vorbereiten. Die Wirtschaft der Schweiz sei in einer vergleichsweise komfortablen Lage. Die SNB würde jedoch gegen exzessive Befestigungen des CHF vorgehen. Letzterer Satz belegt, daß das Potential des CHF begrenzt ist.

    In China laufen derzeit laut dem "21st Century Business Herald" in Shanghai, Guangdong, Zhejiang und Jiangsu Streßtests, wie viel Aufwertung des Yuan chinesische Firmen und ausländische Unternehmen in China vertragen können. In den letzten Monaten haben die Industrie- und Informationstechnologieministerien die ersten Tests in arbeitsintensiven Sektoren vorgenommen. Die jetzigen Tests werden angeblich umfangreicher ausfallen.

    Hier wird deutlich, daß der internationale Druck auf China Früchte trägt. Es wird aber auch klar, daß China nicht bereit ist, die eigenen Interessen im Hintergrund zu belassen.

    China signalisiert mit diesen Aktionen (und Veröffentlichungen), daß man grundsätzlich bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, jedoch nur in so weit, als daß damit keine Destabilisierung Chinas
    verbunden ist!

    Gestern standen die Leistungsbilanz und die Handelsbilanz der Eurozone per Berichtsmonat Januar zur Veröffentlichung an. Beide Datensätze lieferten tiefrote Zahlen. Das Defizit der Leistungsbilanz stellte sich überraschend auf -16,7 Mrd. Euro nach zuvor +9,8 Mrd. Euro.

    Das Defizit der Handelsbilanz markierte mit -8,9 Mrd. Euro nach zuvor +4,4 Mrd. Euro ein auf ersten Blick enttäuschendes Ergebnis.

    Hinter den aktuellen Daten steht der unüblich harte Winter. Entsprechend ist bei der Interpretation Vorsicht geboten.

    Eine verstärkte Tendenz zu Defiziten steht unseres Erachtens nicht auf der Agenda. Der von uns im Treasury Aktuell (11.02.) thematisierte Investitionsgüterzyklus, der spätestens im 2. Halbjahr 2010 positive Spuren entwickeln sollte, steht dem entgegen.

    Im Gegenteil sind dann in der Tendenz bezüglich der Exportstärke Deutschlands und weiterer europäischen Nationen erhöhte Aktivsalden wahrscheinlich.

    Wenden wir uns den Veröffentlichungen aus den USA zu. Diese Daten entsprachen weitgehend den Erwartungen und zeichnen ein Bild einer unausgeglichenen Fortsetzung der Erholung in den USA. Die Arbeitslosenerstanträge sanken in der Berichtswoche per 13. März 2010 von zuvor 462.000 auf 457.000. Die Prognose war bei 455.000 angesiedelt. Der Blick auf den Chart verdeutlicht, daß sich die Situation entspannt hat. Gleichzeitig impliziert das Niveau jedoch, daß die Situation am US-Arbeitsmarkt angespannt bleibt.

    Die US-Verbraucherpreise waren per Februar gegenüber dem Vormonat unverändert (Prognose +0,1%). Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 2,2% nach zuvor 2,7%. Diese Daten implizieren in der offiziellen Lesart der US-Statistik keinen nachhaltigen Preisdruck. Unsere kritische Haltung zu diesen Veröffentlichungen setzen wir als bekannt voraus.

    Diesbezüglich verweisen wir heute auf die Berechnungen von John Williams "Shadow Government Statistics". Das hier abgegebene Bild unterscheidet sich eindrucksvoll von den politischen korrekten Daten des BLS.

    Die blaue Linie bezeichnet die Berechnungsart der Verbraucherpreise vor der Clinton-Präsidentschaft. Demnach stellte sich der Preisanstieg nicht auf 2,2%, sondern auf 5,5%.

    Anfang der 90er Jahre hat die Boskin-Kommission für neue der Regierung angenehmere Berechnungsmethoden gesorgt, die dazu führten, daß die Inflation geringer ausgewiesen wurde. Der Verarmungsprozess der US-Mittelschicht (u.a. "Food Stamps" = Lebensmittelmarken für mehr als 30 Mio. Amerikaner) ist impliziter Beleg für die seinerzeit aufgewandte "Kreativität"!

    Der US-Frühindikator nach Berechnung des "Conference Board" legte per Februar den Erwartungen entsprechend um 0,1% zu. Seit März 2009 kommt es hier latent zu Verbesserungen. Die Dynamik ist jedoch in den letzten Monaten deutlich rückläufig. Auch hier spielt der harte Winter fraglos eine erklärende Rolle.

    Der "Philadelphia Fed Survey" legte per Berichtsmonat März von zuvor 17,6 auf 18,9 Zähler zu und setzte damit positive Akzente. Die Prognose war bei 18,0 Punkten angesiedelt.

    Die Subindices sorgten für etwas Wasser im Wein. So sank der Auftragsindex massiv von zuvor 22,7 auf 9,3 Punkte. Dagegen verbesserte sich der Beschäftigungsindex von zuvor 7,4 auf 8,4 Zähler.

    Der Blick auf den Chart verdeutlicht, daß im Bezirk Philadelphia in diesem Sektor der US-Wirtschaft solides Wachstum gegeben ist. Wir halten an der Sichtweise fest, daß die Bereiche der US-Wirtschaft, die mit der globalen Wirtschaft verzahnt sind (auch Halbleiter!), weiter gut laufen werden. Das gilt jedoch nicht für die primär binnenwirtschaftlichen Themen.

    Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das nach wie vor den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützung bei 1.3500-1.3530 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

    Viel Erfolg!

    © Folker Hellmeyer
    Chefanalyst der Bremer Landesbank