EUR-USD eröffnet heute bei 1.4690, nachdem im frühen europäischen Geschäft Tiefstkurse bei 1.4679 markiert wurden. Damit testet der Euro derzeit die von uns als wesentlich erachtete Unterstützungszone zwischen 1.4670 - 1.4700. Der USD notiert gegenüber dem JPY derzeit bei 109.70. "Carry-Trades" haben an Boden verloren. EUR-JPY stellt sich auf 161.15, während EUR-CHF bei 1.6155 oszilliert.

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    Gestern lieferten die US-Daten einmal mehr ein uneinheitliches Bild, das schlussendlich unverändert nicht überzeugen kann. Der "Chicago Fed National Activity Index" per Juli sank von revidiert -0,59 auf -0,67 Punkte. Der aussagefähigere 3-Monatsdurchschnitt verbesserte sich von -0,94 auf -0,80 Punkte. Damit stellte sich hier der 12. Negativwert in Folge ein. Mit Werten unterhalb der Marke von -0,70 Punkten dokumentiert sich ein erhöhtes Kontraktionsrisiko der US-Wirtschaft.

    Der Absatz bereits zuvor genutzter Immobilien per Juli nahm leicht von annualisiert 4,85 Mio. auf 5,00 Mio. Objekte zu. Analysten hatten einen Anstieg von 4,85 auf 4,92 Mio. Einheiten unterstellt. Mit diesem geringfügig besseren Wert bietet sich kein Anlass für eine veränderte Sichtweise auf den US-Wohnimmobilienmarkt. Diesbezüglich ist der Verweis auf die Einlassungen von "USHousing and Development Secretary" Preston sinnvoll, dass eine Erholung am USImmobilienmarkt bis weit in das Jahr 2009 hinein unwahrscheinlich ist.

    An dieser Stelle müssen wir uns kurz und prägnant der US-Automobilbranche widmen. Die verlustreichen US-Autobauer GM, Ford und Chrysler fordern und erhoffen sich zinsgünstige Darlehen vom Staat in der Größenordnung von 50 Mrd. USD zur schnellen Entwicklung sparsamer Autos. Hier fordern drei Unternehmen öffentliche Hilfestellung, nachdem sie unternehmerisch bezüglich ihrer Angebotspalette versagt haben. Mit anderen Worten sollen jetzt nicht die Unternehmen profitieren, deren Produktpalette marktgerecht war. Nun ist hier noch keine Entscheidung gefallen. Im Hinblick auf den Stil des US-Staatsinterventionismus, der im diametralen Widerspruch zu dem Anspruch freier Märkte steht, sind wir gespannt, ob auch der Automobilbranche der öffentliche Subventionsschirm umfänglich geöffnet wird?

    Der deutsche IFO-Index soll per August laut Konsensusprognose leicht an Boden verlieren. Analysten unterstellen einen Rückgang von zuvor 97,5 auf 97,1 Punkte. Vor dem Hintergrund der Debatten über die Notwendigkeit von Konjunkturprogrammen in Deutschland, Japan oder China ist ein derartiger Konsensuswert verständlich. Andererseits bietet der Rohstoffsektor entspannende Signale. Mithin ist durchaus auch eine leichte positive Überraschung nach dem deutlichen Einbruch im Vormonat von 101,2 auf 97,5 Punkte nicht vollständig ausgeschlossen.

    Der Datenpotpourri aus den USA ist heute einmal mehr umfassend:

    • Der "Case-Shiller Home Price Index" per Juni soll im 20 Städtevergleich im Jahresvergleich einen Preisrückgang um -16,2% nach zuvor -15,8% liefern. Entspannung ist in diesem Bereich der US-Wirtschaft unverändert nicht ansatzweise erkennbar.

    • Das Verbrauchervertrauen nach Lesart des Conference Board per August soll laut Konsensusprognose im Monatsvergleich von 51,9 auf 53,0 Punkte zulegen. Damit würde sich die leichte und insignifikante Stabilisierung nach den markanten Einbrüchen von Januar bis Juni von 87,3 auf 51,0 Punkte fortsetzen.

    • Der Absatz neuer Immobilien per Juli wird unverändert bei 530.000 Objekten auf annualisierter Basis prognostiziert. Der beigefügte Chart verdeutlicht die unverändert desolate Situation. Stabilisierung auf massiv ermäßigtem Niveau steht bestenfalls auf der Agenda. Das Thema Trendwende ist unverändert nicht angebracht.

    • Der Richmond Fed Composite Index sank zuletzt von -12 auf -16 Punkte. Seit März hat sich hier ein Rückgang ergeben. Eine Konsensusprognose ist nicht erhältlich.

    Das Protokoll des Offenmarktausschusses per August vervollständigt den Ereigniskatalog. Hier werden dem Markt die Meinungen und Erkenntnisse geliefert, die aus Sichtweise der Fed opportun sind. So verhält sich das nun mal mit Protokollen für die Öffentlichkeit. Nichts desto trotz ist der Markt in neugieriger Erwartungshaltung ob dieser Erkenntnisgewinnung.

    Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den EUR aus maßgeblich technischer Sichtweise gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein nachhaltiges Unterschreiten der Unterstützung bei 1.4670 - 1.4700 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

    Viel Erfolg!

    © Folker Hellmeyer
    Chefanalyst der Bremer Landesbank