Der Euro hat in den vergangenen Monaten deutlich gegenüber dem Dollar an Wert verloren und dafür gibt es wichtige fundamentale Gründe. Einerseits dürfte die US-Notenbank im nächsten Jahr wieder mit Zinserhöhungen beginnen, während die Geldpolitik der EZB auf absehbare Zeit sehr locker bleiben dürfte. Andererseits wächst die US-Wirtschaft inzwischen wieder rasant (im zweiten Quartal mit einer auf das Gesamtjahr hochgerechneten Rate von 4%), während das Wachstum in der Eurozone auf niedrigem Niveau schon wieder zu stagnieren scheint.

    Die genannten Gründe haben Hedgefonds in den vergangenen Wochen und Monaten dazu bewogen, vermehrt auf eine Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar zu wetten. Anfang August, nachdem der Euro bereits deutlich an Wert verloren hatte, waren die Hedgefonds nun so stark short eingestellt wie seit zwei Jahren nicht mehr.

    Dies ergibt sich aus den Nettopositionierungen auf den Euro an der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME). Die folgende Grafik zeigt die Nettopositionen aller Marktteilnehmer (in Futures und Optionen), die als „Leveraged Funds“ eingestuft werden. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Hedgefonds. Ein negativer Wert bedeutet dabei, dass die Hedgefonds netto auf eine Abwertung des Euro spekulieren. Die Gegenpositionen der Hedgefonds halten andere Marktteilnehmer (die als "Dealer Intermediary", "Asset Manager" und "Other" klassifiziert werden). Aus Gründen der Übersichtlichkeit sind die Positionen dieser Marktteilnehmer in der Grafik nicht dargestellt.

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    Anfang August 2014 waren die Hedgefonds an der CME nun so stark short im Euro positioniert wie seit dem Jahr 2012 nicht mehr. Die letzten beiden Male, als die Hedgefonds so deutlich auf eine Abwertung des Euro setzten, ging die Wette allerdings nicht auf. So setzte der Euro wenige Monate nachdem im Juni 2012 das letzte Mal ein extremer Wert erreicht wurde, zu einer scharfen Rally an. Das gleiche Bild zeigte sich bereits im Frühsommer 2010. Auch damals waren die Hedgefonds extrem short im Euro positioniert, was eine scharfe Rally zur Folge hatte. Die Monate, in denen die Short-Positionierung der Hedgefonds 2010 und 2012 einen Extremwert erreichte, sind im folgenden Chart grau unterlegt.

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    Auch wenn die Hedgefonds aktuell noch nicht so stark bearish sind wie im Jahr 2012, sollten Anleger die extreme Short-Positionierung bereits jetzt als Warnzeichen verstehen. Die fundamentale Schwäche der Eurozone gegenüber der US-Wirtschaft dürfte genau wie die bevorstehende geldpolitische Wende in den USA bereits zu einem erheblichen Teil eingepreist sein. Vor diesem Hintergrund könnte auch das Abwärtspotenzial beim Euro geringer sein, als viele Anleger vermuten.